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Stößchen aufs (fast) geschaffte Abi. In den Bechern sei nur Zitronenlimonade, sagen die beiden Schülerinnen.

Abifeier in Frankfurt

Wetter vermiest Abiturienten nicht die Stimmung

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Nach der letzten schriftlichen Abiprüfung ziehen die Schüler in den Frankfurter Grüneburgpark. Manch einer übertreibt es beim Trinken, die Sanitäter haben gut zu tun.

Wer die Geräusche nur von Weitem hört, könnte auf die Idee kommen, dass die Dippemess in diesem Jahr im Frankfurter Grüneburgpark statt auf dem Festplatz gefeiert wird. Junge Männer grölen laut, junge Mädchen kreischen, als ob sie im freien Fall aus 80 Metern Höhe rasten, und alle paar Meter wechseln sich die unterschiedlichsten Musiken ab. Aber im Grüneburgpark findet nicht etwa die Dippemess statt, hier feierten am gestrigen Donnerstag die Abiturienten aus Frankfurt und Umgebung das Ende ihrer schriftlichen Prüfungen.

Verglichen mit dem Vorjahr ist das Wetter allerdings ausgesprochen bescheiden. Die Sandwege im Park sind matschig und aufgeweicht, und auch der Rasen rund um die zwei zentralen Bäume ist ziemlich nass. Das stört aber kaum einen der Schüler, obwohl einige Hosen und Jacken mit Matschspritzern übersät sind – Abifeier ist eben nur einmal im Leben. Und so lassen die jungen Menschen ein paar Raketen steigen, die mit lautem Knall explodieren. Als Belohnung grölt die Masse anerkennend.

„Ich habe heute noch Physik geschrieben, jetzt wird gefeiert“, sagt Milisa von der Wöhlerschule im Dornbusch. Allerdings fühle sie sich nach dem Ende aller schriftlichen Prüfungen nicht anders als vorher. Neben ihr steht Schulkamerad Emil. „Wenn sich die Gelegenheit bietet, kann man immer Party machen“, sagt er. Trotz des Wetters wollen sie sich die Stimmung nicht vermiesen lassen. Luis und Jan haben ebenfalls die Wöhlerschule besucht, ihr Abi allerdings bereits im vergangenen Jahr gemacht. „Ich studiere mittlerweile in Aachen und bin auf Heimatbesuch“, erzählt Jan. Klar, dass er mit zur Party gestoßen ist.

Generell fällt es schwer zu sagen, wer unter den Feiernden Abiturient ist und wer nur als Gast dazugekommen ist. Und so sammelt sich eine riesige Traube junger Menschen auf dem Rasen des Parks – mehr als 1000 sind es bestimmt. Und das sieht man auch schnell. Überall sammelt sich neben dem Laub, das noch hier liegt, jede Menge Müll. Plastikbecher, Chipstüten, Pappe und reichlich weggeworfene Glasflaschen. Zwar hat das Grünflächenamt zusätzliche Müllbehälter auf die Wiese gestellt, doch ein Großteil steht immer noch zu weit weg von den Schülern. Die Tonnen hingegen, die nahe genug standen, liegen mittlerweile und dienen als Sitzgelegenheiten. Zwischen den Feiernden sind Decken im Gras drapiert, auf die sich manch einer zum Ausruhen setzt. Die Luft riecht nach dem Regen klar, ab und an mischt sich Tabak- und Marihuanageruch dazwischen.

Weiter hinten auf der Wiese steht die Clique von Nadine und Nikola. Beide besuchen das Albert-Einstein-Gymnasium in Maintal und sind zum Feiern nach Frankfurt gekommen. „Ich habe am Dienstag meine letzte Prüfung geschrieben. Danach ging es erstmal shoppen“, sagt Nadine. Nach dem Ende der schriftlichen Prüfungen fühle sie sich befreiter. Sie findet es gut, dass man nun nochmal mit allen aus dem Jahrgang gemeinsam feiern könne.

Doch manch einer übertreibt es beim Trinken. Stadtpolizei und Rettungskräfte sind vor Ort und haben ein Auge auf die Abiturienten. Und vor allem die Sanitäter haben zu tun: Hinter den mobilen Toilettenhäuschen liegt ein Mädchen am Boden, seine Freunde rufen die Rettungskräfte vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zur Hilfe, die sich um die Schülerin kümmern. Kaum 20 Meter weiter ist ein anderes Team im Einsatz: Auf einer Bank sitzt eine junge Frau; sie hat bereits eine Wasserflasche in der einen, aber auch eine Kotztüte in der anderen Hand. Die Sanitäter reden ruhig auf sie ein. Eine neben ihr sitzende Freundin zückt das Handy und telefoniert.

Vielleicht ist es besser den Heimweg anzutreten – auch wenn es erst kurz nach 17 Uhr ist.
Die Dienste des ASB wollen Leonard, Niklas und Tobias nicht in Anspruch nehmen. „Jetzt, nach den Prüfungen, ist man erst mal ziemlich erleichtert“, sagt Leonard. „Das Schriftliche ist am schwierigsten, mündlich geht dann“, pflichtet Niklas bei. Leonard hat bereits am Montag und Dienstag gefeiert, aber nun kommen alle nochmals zusammen. „Das ist jetzt das allgemeine Saufen in Hessen“, sagt Tobias, der in Hofheim zur Schule geht. Leonard wolle heute einfach nur „chillig saufen“ und mit Freunden feiern. Beim Müll zeigen sich die Drei ebenfalls vorbildlich. Ihre Bierdosen geben sie entweder einem der Pfandsammler oder werfen sie in die Mülleimer.

Die Abifeier im Grüneburgpark kostet die Stadt in diesem Jahr etwa 11 000 Euro, wie das Grünflächenamt mitteilt. Im Vorfeld mussten die sanierten Spielgeräte abgezäunt und die Müllbehälter und Toiletten aufgestellt werden. Am Freitagvormittag, wenn die Feiernden vielleicht noch schlafen, wird alles wieder abgeräumt. Der Personalaufwand ist in den veranschlagten Kosten noch nicht enthalten.

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