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Trotz Trends zu Homeoffice entstehen in Frankfurt, etwa an der Messe, neue große Büroflächen.
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Trotz Trends zu Homeoffice entstehen in Frankfurt, etwa an der Messe, neue große Büroflächen.

Homeoffice

Arbeit in Frankfurt: Mal im Büro, mal zu Hause

  • Christoph Manus
    VonChristoph Manus
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Frankfurter Unternehmen setzen in der Pandemie zunehmend auf Wechselmodelle. Einige führen 3G-Regeln für die Arbeit im Betrieb ein. Das zeigt eine FR-Umfrage unter Arbeitgebern.

Gut eineinhalb Jahre nach dem ersten Lockdown arbeiten immer noch Zigtausende Menschen in Frankfurt regelmäßig zu Hause statt im Büro. Und daran wird sich, wie eine Umfrage der Frankfurter Rundschau unter großen Arbeitgebern im Stadtgebiet zeigt, so schnell auch nichts grundlegendes ändern.

Alleine bei der Deutschen Bank arbeiten derzeit etwa 75 Prozent der Beschäftigten, die nicht in Filialen tätig sind, mobil – in der Regel von zu Hause, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Von den Beschäftigten der Frankfurter Stadtverwaltung sind nach Schätzung des Personaldezernats täglich mehr als 1000 Menschen im Homeoffice. Der Energieversorger Mainova empfiehlt allen Mitarbeiter:innen, die die Möglichkeit haben, zu Hause ihrer Tätigkeit nachgehen.

Unternehmen wie die Commerzbank setzen auf hybride Arbeitsmodelle

Allerdings zeichnen sich immer stärker hybride Arbeitsmodelle ab, bei denen Beschäftigte regelmäßig einen Teil ihrer Arbeitstage im Büro, einen Teil zu Hause verbringen. Auf solch eine Mischung setzt etwa die Commerzbank. Diese will angesichts der anhaltenden Pandemie nicht, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten in den jeweiligen Räumlichkeiten arbeitet. Gleichzeitig sollen die Mitarbeiter:innen, wie die Bank mitteilt, „ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Homeoffice und Bürotätigkeit“ anstreben.

Büros in Frankfurt bleiben teuer

Trotz der anhaltenden Pandemie und des schon vor Corona spürbaren Trends zum Homeoffice steigt die Nachfrage nach Büros in Frankfurt nach Beobachtung von Maklerhäusern wieder an. Der Büromarkt habe „einigermaßen zur Normalität zurückgefunden“, sagt etwa Andreas Wende, Geschäftsführer von Nai Apollo. So sei in den ersten drei Quartalen des Jahres etwa 27 Prozent mehr Bürofläche neu vermietet worden als im Vorjahreszeitraum. Noch immer liege der Flächenumsatz aber etwa ein Fünftel unter dem Zehn-Jahres-Schnitt.

Die größten Flächen haben sich in diesem Jahr bisher zum einen der Nahrungsmittelkonzern Nestlé gesichert, der seinen Deutschlandsitz in einen Neubau verlegt, der am Baseler Platz entsteht, zum anderen Siemens, das sich ein neues Gebäude im Flughafenstadtteil Gateway Gardens bauen lässt. Im drittel Quartal sorgten der Immobilieninvestor Corestate Capital, der sich Flächen im Marienturm im Bankenviertel sicherte, und das Beratungsunternehmen Baker Tilly, das in das gerade entstehende Hochhaus One an der Messe ziehen will, für die größten Neuvermietungen.

Der Leerstand, der viele Jahre lang nach und nach gesunken war, ist seit Ausbruch der Pandemie wieder deutlich gestiegen. Nach Zahlen von Nai Apollo liegt er inzwischen bei rund 952 000 Quadratmetern. Zuletzt hat der sogenannte marktaktive Leerstand allerdings nur noch minimal zugenommen. Tatsächlich stehen noch weitaus mehr Büroflächen leer. Denn in die Vergleichszahl fließen nur Räume ein, die innerhalb von drei Monaten nach Mietvertragsunterzeichnung beziehbar wären.

Die Büromieten, die in Frankfurt ohnehin sehr hoch sind, steigen trotz der Pandemie und des hohen Leerstands weiter an. Im Schnitt liegen sie nach Zahlen von Nai Apollo nun bei 23 Euro pro Quadratmeter. In der Spitze ist etwa das Doppelte zu zahlen.

Bei Investoren sind Bürogebäude in Frankfurt trotz der Krise sehr begehrt. Nach Zahlen von Colliers haben in diesem Jahr schon für 4,5 Milliarden Euro Gewerbeimmobilien den Eigentümer gewechselt. Dieser auch im mehrjährigen Vergleich hohe Umsatz hat allerdings viel mit zwei Hochhausverkäufen zu tun. Für einen 233 Meter hohen Turm, den Groß & Partner als Teil des Projekts Four errichtet, floss die Rekordsumme von 1,4 Milliarden Euro. Der Büroturm Skyper wurde laut Colliers für rund 450 Millionen Euro verkauft. cm

Auch bei Sanofi arbeiten zumindest diejenigen Beschäftigten in den Büros, deren Anwesenheit betrieblich nicht erforderlich ist, nach solchen Wechselmodellen. Das werde perspektivisch auch so bleiben, teilt der Pharmakonzern auf FR-Anfrage mit. Beim Automobilzulieferer Continental heißt es, das Büro werde weiterhin für die Arbeit eine wichtige Rolle spielen – „aber mehr mit dem Charakter eines Ortes, an dem man an neuen Produkten oder neuen Prozessen gemeinsam arbeitet, an dem man sich mit Anderen austauscht und auch und nicht zuletzt die sozialen Kontakte im Team pflegt“. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sieht einen zunehmenden Wunsch „vieler Kolleg:innen, wieder ins Büro zu kommen und sich persönlich auszutauschen“. Der Flughafenbetreiber Fraport spricht von einer schrittweisen Rückkehr ins Büro, will den Beschäftigten aber auch weiterhin ermöglichen, flexibel zu arbeiten, also im Büro, aber auch mobil.

Auch in Frankfurt lassen erste Unternehmen nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete hinein

Von einer Rückkehr zur Normalität vor Corona ist in den meisten Büros noch nichts zu spüren. Masken, Abstands- und Hygieneregeln prägen den Alltag in Konferenzen, auf den Fluren, in der Kantine. Geselligkeit ist aus dem Arbeitsalltag so gut wie verschwunden. Viele Beschäftigte sehen sich, wenn überhaupt, in Video-Meetings. Nun führen angesichts der anhaltenden Pandemie auch in Frankfurt erste Unternehmen 3G-Regeln für das Arbeiten im Büro ein. So müssen etwa Beschäftigte der FAZ und der Mediengruppe Frankfurt seit kurzem an der Pforte nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind. So ähnlich handhaben das bundesweit bereits einige große Unternehmen, darunter der Softwarekonzern SAP.

Noch ist allerdings unklar, wie viele Arbeitgeber diesem Schritt folgen könnten. So haben etwa Deutsche Bank, Commerzbank, PwC, Fraport, Sanofi, Continental, Mainova und die Frankfurter Stadtverwaltung, wie sie jeweils auf Anfrage der FR mitteilen, nicht vor, 3G-Regeln für die Arbeit im Betrieb einzuführen – zumindest nicht derzeit und nicht allgemein. Bei der Stadt Frankfurt gilt die 3G-Regel bisher nur im Freizeit- und Kulturbereich, betrifft also etwa die Besucherinnen und Besucher, aber auch die Beschäftigten von Zoo, Palmengarten und Museen. Die Commerzbank setzt bei Veranstaltungen auf 3G, Fraport prüft zumindest die Einführung von 2G oder 3G bei eigenen Veranstaltungen.

Hessischer DGB-Chef Rudolph hat keine grundsätzlichen Bedenken gegen 3G am Arbeitsplatz

Als Grund gegen die Einführung von 3G nennen die Arbeitgeber zum Teil auch rechtliche Bedenken. „Banken gehören bislang nicht zu den Branchen, in denen Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Mitarbeiter:innen erfragen dürfen, um andere zu schützen“, heißt es etwa bei der Deutschen Bank. Ähnlich argumentiert man bei PwC Deutschland. Gegebenenfalls könne die 3G-Regel aber rasch eingeführt werden, heißt es dort. Auch die Industrie- und Handelskammer Frankfurt weist darauf hin, dass es außerhalb von Gastronomie und Kulturveranstaltungen bisher keine Regelung zur Einschränkung der betrieblichen Anwesenheit mit den 3G-Regeln gebe.

Dabei hat zumindest der DGB keine prinzipiellen Einwände gegen 3G am Arbeitsplatz. „Die Einführung einer 3G-Regelung im Betrieb mag hilfreich sein“, sagt der hessische DGB-Vorsitzende Michael Rudolph auf Anfrage. Sie dürfe allerdings nicht dazu führen, dass die anderen Corona-Bestimmungen für die Arbeit im Betrieb verwässert würden. Die Arbeitgeber müssten zudem Tests beschaffen und sie den Beschäftigten kostenlos zur Verfügung stellen, sagt Rudolph. Nichts hält der DGB-Vorsitzende dagegen von 2G-Regeln am Arbeitsplatz. Denn diese hätten eine Offenlegung des Impf- oder Genesenen-Status zur Folge. Und das bedeute nichts anderes als eine Impfpflicht durch die Hintertür.

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