RÖMERBRIEFE

April, April

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Bäppi La Belle richtet sein Theater im Kaisersaal ein? Leute, das geht noch lustiger. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert:Übrigens, ich bin jetzt Bayern-Fan, und ich finde es total gut, wenn schwerbehinderte Kinder aus ihrer Wohnung fliegen, weil einer ihrer Brüder dealt.

Göpfert:April, April.

Leppert:Du merkst ja alles.

Göpfert:Gähn.

Bestimmt haben Sie in dieser Woche den einen oder anderen Aprilscherz gelesen, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Und mal ehrlich: Einer war schlechter als der andere. Ganz hart war zum Beispiel der Scherz des Stadtverordneten Thomas Bäppler-Wolf (SPD), auch bekannt als Bäppi La Belle. Er teilte mit, sein Theater habe ein neues Domizil gefunden: im Kaisersaal im Römer. Und den Kartenverkauf übernehme Graf Solms zu Wildenfels – im Sarrottihäuschen an der Hauptwache. Total lustig, fast hätten wir es geglaubt.

Offenbar ist es ja auch unüblich geworden, Leute tatsächlich in den April zu schicken. Das ist mehr, als einfach eine Falschmeldung zu platzieren. In Wahrheit geht es doch darum, Menschen aufgrund einer lustigen Lügengeschichte zu etwas zu bewegen. Nehmen wir zum Beispiel an, eine Zeitung schriebe, die Stadt gehe bei der Bekämpfung der Nilgänse neue Wege, die Tiere würden erschossen und dann im Ostpark gleich gegrillt – und am 1. April gebe es um 15 Uhr Nilgans-Steak umsonst. Dann kämen bestimmt viele Leserinnen und Leser in den Park, aber dort stünden dann die Zeitungsredakteure und riefen „April, April“ und verschenkten klassische Bratwurst, um die wütenden Leute zu besänftigen. Das wäre ein echter Aprilscherz.

Aber gut, wir wollen nicht ungerecht sein. Es gibt auch gute Aprilscherze. Der beste kam (etwas verfrüht) von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Sie teilte über die städtische Pressestelle mit, Frankfurt beteilige sich an der Earth Hour, auch die Unternehmen machten mit, und die Skyline werde für eine Stunde dunkel sein. Da kamen dann die Leute hin, um sich das anzusehen, aber tatsächlich passierte gar nichts. April, April.

Ja, Leute, das muss unser Maßstab sein. Wir haben auch noch weitere gute Ideen fürs nächste Jahr. ABG-Chef Frank Junker sagt den Leuten, die er wegen ihrer kriminellen Verwandtschaft aus der Platensiedlung geworfen hat, dass sie zurück in ihre Häuser dürfen. Die kommen dann zu einem Besichtigungstermin, aber der dient nur dazu, dass die Polizei in der Zwischenzeit in Ruhe die Obdachlosenunterkünfte der Menschen durchsuchen kann. Und wenn auch nur ein Gramm Gras gefunden wird, fliegen die Bewohner allesamt auch dort raus und landen auf der Straße.

Lustig auch der Aprilscherz der SPD. Sie sagt der Initiative Radentscheid ihre Unterstützung zu, die Radler freuen sich total, und dann kommt SPD-Mann Klaus Oesterling, von Beruf Verkehrsdezernent, ruft „April, April“ und legt ein mehrseitiges magistratsinternes Gutachten vor, wonach die Ideen vom Radentscheid ganz und gar unmöglich sind.

Bleiben die Grünen. Die unterschreiben den Koalitionsvertrag, in dem es heißt, die Multifunktionsarena wird gebaut, die Löwen und Skyliners planen deshalb ihre Zukunft in Frankfurt. Aber: April, April, im Vertrag steht Multifunktionsarena, in der Ausschreibung hingegen Multifunktions-Arena (mit Bindestrich), alles ganz anders also, ganz neue Situation – deshalb soll doch lieber die Europäische Schule auf dem Gelände gebaut werden.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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