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Ständchen für Seniorinnen: Profi-Musiker des Opern- und Museumsorchesters zu Gast in einer Seniorenwohnanlage in Oberrad.

Musik

Frankfurt: Spenden-Konzerte für freie Musiker

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Profi-Musiker aus Frankfurt geben Konzerte in Seniorenwohnheimen und sammeln Geld für ihre freien Kollegen. Ein fünfstelliger Betrag ist schon zusammen.

Endlich wieder Musik! Für die Musiker des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters waren es Corona-bedingt stille Wochen: keine Vorstellungen, keine Gastauftritte, keine Proben, keine Kollegen. „Seit Mitte März sind wir in Zwangspause“, berichtet Matthias Kowalczyk, Solotrompeter im Frankfurter Opern- und Museumsorchester und Mitglied des Orchestervorstands.

Die fest angestellten Musiker sind zwar in Kurzarbeit, bekommen aber noch regelmäßig Geld - anders sieht es da bei freiberuflichen Kollegen aus. Die wolle man unterstützen, sagt Kowalczyk. Die Hilfe ist für das renommierte freie Ensemble Modern gedacht, das nach Angaben Kowalczyks durch Ausfälle gravierende finanzielle Schwierigkeiten meistern muss. Eine Sammlung unter den Orchesterkollegen brachte in den vergangenen Wochen stolze 12 000 Euro an Spenden zusammen, und die Summe wächst weiter.

Eine Möglichkeit, um Geld zu sammeln und gleichzeitig wieder einmal gemeinsam zu spielen, sind die „Corona-Gartenkonzerte“, fünf gab es bisher in den über das Stadtgebiet verteilten Wohnheimen des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts, das jüngste am Dienstagnachmittag in der Seniorinnenwohnanlage Goldbergweg in Oberrad.

Die vier Hornisten Thomas Bernstein, Stef Van Herten, Claude Tremuth und Canberk Yüksel spielten im Innenhof des Wohnstifts, es gab Musik von den Beatles bis Bach. Die Bewohnerinnen saßen, weitläufig verteilt, im Garten oder an den offenen Fenstern und begleiteten das professionelle Konzert mit viel Applaus. „Für uns ist so ein Auftritt gar nicht so einfach“, sagt Kowalczyk. „Wir können uns ja nicht vorher zum Proben treffen, sondern müssen die Stücke beim Konzert vom Blatt spielen. Aber es ist für uns auch eine große Freude. Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen bekommen.“

„Und wir hatten jedes Mal Glück mit dem Wetter“, sagt Ursula Poletti, die Geschäftsführerin der Stiftung. Für die Bewohnerinnen sind die Gartenkonzerte aktuell eine der wenigen Abwechslungen in dieser seltsamen, auch angstbesetzten Zeit. Besuch sollen sie nicht empfangen, nach Möglichkeit das Stift nicht verlassen, Ausflüge, Sport, Feste und Bastelnachmittage sind abgesagt. „Und man weiß noch gar nicht, wie lange das so weitergehen wird“, sagt Poletti. „Es gibt ja noch keinen Impfstoff.“

1000 Euro hat die Stiftung den Musikern als Dank für ihre Auftritte gespendet. „Im April und Mai haben wir auch die Arbeit der Frankfurter Tafel mit 10 000 Euro unterstützt“, sagt die Geschäftsführerin. „So ein Gartenkonzert würden wir sehr gerne bald noch einmal wiederholen.“

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