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Die kostenlose App Meet 5 von Frankfurter Gründern hilft zum treffen anderer, im Selbstversuch die Frankfurterin Ina.

App „Meet 5“

Spaziergang mit einer Fremden

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Bei der App Meet 5 lernen sich Leute ab 40 normalerweise in Gruppen kennen. Seit dem Lockdown Light geht das auch zu zweit. Wir haben eine Frankfurterin zum Spazieren getroffen.

Ina schreibt, dass wir uns an der Wartburgkirche unweit des Frankfurter Günthersburgparks treffen. Ich kenne Ina nicht. Es ist so etwas wie ein Blind Date. Aber eben kein Date, sondern eine Verabredung zum Reden und Spazierengehen. Klingt erstmal komisch. Warum sollte man sich zum Spazierengehen mit jemand Fremden treffen? Das werde ich Ina gleich fragen müssen. Ist sie vielleicht ein Social Nerd?

Der erste Eindruck zerschlägt die Theorie des Social Nerds, als sie mit dem Rad vor mir hält. Sie wirkt sofort sehr nett, unkompliziert, offen. Sie sagt: „Lass uns gleich hoch in den Günthersburgpark radeln, da ist noch die Abendsonne.“ Seit einem Jahr nutzt sie die kostenlose Kennenlern-App Meet 5. Die Zielgruppe sind Frauen und Männer ab 40. Ina ist Ü-50, das genaue Alter sei nun doch auch nicht so wichtig, sagt sie.

Vor der Corona-Pandemie verabredete sie sich immer in der Gruppe mit sechs bis zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Restaurants und Bars oder auch mal zum Frauenkino-Abend. Nachdem die Corona-Beschränkungen im Sommer gelockert wurden, sei sie viel mit der Gruppe wandern oder auf Radtouren gewesen. „Das war toll. Und ich liebe es in einer Gruppe unterwegs zu sein“, sagt sie. Ihren Nachnamen will sie in Zeiten von Google lieber nicht veröffentlichen.

Laut dem Meet-5-Team, das seinen Sitz in Frankfurt hat, ist die Nachfrage an der App nach dem ersten Lockdown stark gewachsen. Im August und September seien ihre beiden besten Monate seit dem Launch der App 2017 gewesen. In Zeiten von Home Office und Social Distancing falle es vor allem Singles im Erwachsenenalter schwer, neue Kontakte zu knüpfen. In Frankfurt liege der Single-Anteil mittlerweile bei über 50 Prozent.

„Seitdem ersten Lockdown gibt es virtuelle Gruppentreffen oder auch virtuelle Spieleabende. Und jetzt beim zweiten Lockdown haben wir uns entschlossen, zum ersten Mal auch die App für Zweier-Treffen zu öffnen. So halten wir die Kontaktbeschränkung auf zwei Haushalte ein und trotzdem sind reale Treffen möglich“, sagt Jessica Preidel vom Meet-5-Team. Dieses neue Angebot werde gut angenommen. Wichtig sei ihnen, dass sie keine Dating-App, sondern eben eine App seien, die es ermöglicht neue Leute kennenzulernen.

Meet 5

Meet5 , vormals „Go Crush“, wurde 2017 in Frankfurt gegründet. Die Zielgruppe sind Frauen wie Männer ab 40 Jahren. Mittlerweile wird die App von fast 100 000 Usern, auf Deutsch und Englisch, verwendet. Im Fokus stehen Treffen in der Gruppe sechs bis zwölf Leute– in Restaurants und Bars oder zu Aktivitäten wie Wandern oder Bowling. Alles rund um die Treffen ist kostenlos, einige zusätzliche Funktionen sind über ein Premium-Abo verfügbar. Seit dem Lockdown Light gibt es neben virtuellen Gruppentreffen und virtuellen Spieleabenden nun auch die Möglichkeit sich zu zweit zu treffen. Spaziergehen, joggen oder eine Runde Tischtennis spielen sind Optionen und die echten Treffen seien laut Meet 5 sehr gefragt. Anmeldung und Infos unter: www.meet5.de

Ina ist seit zwei Jahren Single. „Ich leide aber nicht unter Einsamkeit. Ich bin familiär eingebunden, habe einen 20-jährigen Sohn. Ich habe auch gute Freunde, aber viele sind familienbezogen eingespannt oder machen ihr eigenes Ding. So ab 45 lernt man nicht mehr einfach so neue Leute kennen.“

Vor Meet 5 habe sie erst Dating-Apps ausprobiert. „Aber Dating-Apps gehen mir auf den Keks, da geht es gleich ums Thema Beziehung. Ich mag dieses zwanglose Kennenlernen von Leuten in der Gruppe. Ich finde es einfach auch spannend mich mit neuen Menschen zu unterhalten, mal andere Geschichten zu hören.“

Und sie habe nicht nur neue Leute getroffen, sondern auch neue Orte kennengelernt. „Ich war noch im Oktober vor dem Lockdown Light mit einer Gruppe am Riedteich in Fechenheim spazieren. Den Weiher kannte ich vorher gar nicht, dabei bin ich gebürtige Frankfurterin.“

Aus der Gruppe seien schon Bekanntschaften entstanden, so dass sie sich auch mal außerhalb der Meet-5-Gruppe mit ein paar Leuten verabredet habe. Singles, aber auch Paare seien bei den Treffen dabei. „Manche haben sich hier auch kennengelernt.“ Bei ihr selbst habe es bislang nicht gefunkt. „Aber das ist auch nicht mein Hauptziel.“

Und wie ist es jetzt für sie? Jetzt, da das Wandern oder Radtouren in der Gruppe nicht möglich sind? „Ich vermisse die Gruppentreffen, aber ich bin froh, dass wir uns jetzt zu zweit zum Laufen treffen können. Ich will mich aber nur mit einer anderen Frau verabreden, denn mit einem Mann zu zweit hätte das zu sehr einen Datecharakter“, sagt Ina.

Nicht nur zieht sie die Spaziergänge zu zweit wegen der Unterhaltung vor. „Sondern alleine als Frau würde ich jetzt ungern auf einsamen Waldwegen laufen.“ Ist sie eigentlich auch Teil der virtuellen Treffen? „Nein, denn ich arbeite seit Monaten im Homeoffice für ein großes IT-Unternehmen, ich bin schon den ganzen Tag virtuell bei Meetings und Telefonkonferenzen. Also ziehe ich echte Treffen virtuellen vor“, sagt Ina.

Eine Sache würde sie aber vielleicht doch virtuell ausprobieren. „Es gibt bei Meet 5 die Möglichkeit eines virtuellen Gin-Tastings. Das fände ich lustig, man bestellt sich ein Gin-Päckchen nach Hause, trinkt zusammen am Bildschirm und kann danach direkt betrunken, ins eigene Bett fallen“, sagt Ina und lacht.

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