Die Besucher, hier Jan Djerba (mit Hut), verkosten und bewerten die Apfelweine.

Oberrad

Oberrad sucht den "Superschobbe"

  • schließen

Beim Apfelweinfestival wetteifern Hobby-Kelterer um die Auszeichnung des Apfelweinkönigs. Jürgen Liller darf sich am Ende freuen.

Synchron gönnen sich Dennis und Hanna Sandig einen Schluck vom Apfelwein mit der Nummer vier. Im Vergleich zum vorherigen Tropfen findet er ihn „ein bisschen leichter“. Macht sieben von zehn Punkten. „Aber auch saurer!“, ergänzt sie, und notiert fünf Punkte auf ihrem Bewertungsbogen. Beide wohnen in Oberrad und sind an diesem Sonntagnachmittag mit ihren Kindern zum stadtteilweiten Apfelweinfestival gekommen.

Das Festival ist eigentlich ein Wettbewerb: Gesucht wird, wer in Oberrad am besten Apfelwein herstellen kann. Manche der Hobby-Kelterer und Hobby-Kelterinnen haben durchaus Ambitionen, sagt Michael Koch vom Oberräder Skiclub, weil sie sich mit einem Sieg für die hessischen Meisterschaften qualifizieren können. Für andere steht hingegen der Spaß im Vordergrund.

Aber was hat der Skiclub damit zu tun? Er organisiert alles, seit nunmehr fünf Jahren. „Wir wollen die Apfelweinkultur aufrecht erhalten“, sagt Koch. Ins Leben gerufen hatte das Festival 2007 der Männerchor, später fehlte es ihm jedoch an Kapazitäten. Kein Wunder: Laut Koch waren zuletzt mehrere hundert Gäste im Bürgertreff „Depot“ dabei, um Oberrads Apfelweinkönig oder Apfelweinkönigin zu wählen.

Auch in diesem Jahr erhalten die Besucher dazu Unterlegscheiben aus Metall, die sie nach Belieben auf die Dosen ihrer Favoriten verteilen können. Fehlen noch Stift, Bewertungsbogen und natürlich ein Ebbelweiglas – schon kann es losgehen: 14 verschiedene hausgemachte Schoppen aus Oberrad plus die Probe eines Gastkelterers wollen probiert werden.

Wer früh kommt, hat fünf Stunden Zeit dafür. Klingt machbar. Allerdings ist der aktuelle Jahrgang wegen des sonnigen Sommers 2018 nicht nur gut, sondern besonders alkoholhaltig: Sieben bis acht Prozent werden es schon sein, schätzt Koch. Und: So manch einer liebäugelt mit einem zweiten Durchgang, um sich der Wahl ganz sicher zu sein.

Der 39-Jährige Olaf Schüssler zum Beispiel. Er ist aus der Wetterau angereist und mag es, nicht immer den gleichen Apfelwein zu trinken. Mit seiner sechsköpfigen Freundesgruppe testet er gerade die Nummer 13. Den ersten Schluck findet der 36-Jährige Daniel Metz noch gut, „aber hintenraus babbt er.“ Der Geschmack will einfach nicht aus seinem Hals verschwinden. Weiter geht es mit Nummer zwölf – „ein existentieller Sprung nach vorne“, sagt Schüssler.

Gesamtsieger wird trotzdem ein anderer: Als das Geheimnis der Namen hinter den Nummern gelüftet wird, kann sich Jürgen Liller freuen. Die Dose für seinen Schoppen Nummer 15 ist mit 3625 Gramm mehr als doppelt so schwer wie die von Rang zwei. „So einen Abstand hatten wir noch nie“, sagt Koch, und spricht von einem „Superschobbe“. Es war Lillers erster Versuch – jetzt darf er sich Oberräder Apfelweinkönig nennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare