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Am Kelter-Mobil werden die Äpfel gepresst und der Saft in Kartons abgefüllt.

Main-Äppel-Haus

Apfelsaft und -wein von den eigenen Bäumen

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Main-Äppel-Haus presst in ihrer mobilen Kelterei Apfel-, Birnen- und Traubensaft bei den Gartenbesitzern vor Ort. Der Verein will so Streuobstwiesen fördern.

Eine Weile durchdringt das schrille Rattern wie aus einem Gartenhäcksler die nass-kalte Herbstluft auf dem Lohrberg. Männer schleppen mit vor Anstrengung verzehrten Gesichtern pralle Jutesäcke aus tief in den Federn hängenden Autohecks herbei und schütten den zwischen Grün und Rot wechselnden, kinder- bis männerfaustgroßen Inhalt behutsam in einen Trichter, aus dem ein Förderband die Fracht in das Innere der Maschine mit chromglänzenden Apparaturen bewegt. Plötzlich Stille. Nach einem Moment füllen sich mit einem Zischen Kunststoffsäcke mit bräunlicher Flüssigkeit, mit einem Volumen von drei oder fünf Litern. Nach dem Abfüllen verschwinden die wabbeligen Behältnisse in einem Karton mit der Aufschrift „meine Ernte“, die mit vor Freude erhellten Gesichtern entgegengenommen und in das Auto getragen werden.

Das Streuobstzentrum Main-Äppel-Haus (MÄH) besitzt jetzt eine mobile Kelterei. Seit Anfang September werden an verschiedenen Standorten in der Region für Gartenbesitzer Äpfel, Birnen oder Trauben vor Ort gepresst, zu Saft, der anschließend bei 80 Grad Celsius pasteurisiert wird, oder zu unbehandeltem Most, um in Eigenregie ein alkoholisches Getränk zu gären. Die Kelterei auf dem zweiachsigem Anhänger in der Größe einer mobilen Pommesbude stand auch schon zuvor an Herbsttagen auf dem Gelände des MÄH. Dieter Wissel betrieb sie. Er verkaufte Ende 2019 aus gesundheitlichen Gründen das Geschäft der Lohnkelterei an das MÄH. Der Kleinmengenlieferant zahlt für den Service inklusive „Bag-in-Box“-Verpackung etwa für drei Liter 4,10 Euro bei unter 100 Litern Gesamtmenge. Bei steigender Menge sinkt jedoch der Preis.

„Es ist ein Projekt, das wie kein anderes zum Main-Äppel-Haus passt“, sagt Gerhard Weinrich, Vorsitzender des MÄH. Die fahrbare Saftpresse passt zum Vereinsziel: „die Förderung von Streuobstwiesen“. Das gehe mit am besten, wenn die Besitzer einen Nutzen aus den Früchten hätten, erläutert Weinrich. So wie Werner Krebs. Der ältere Herr in der knallgelben Wetterjacke nutzt seit drei Jahren das Angebot. „Rund 150 Kilogramm sind es“, sagt er. Aus der Apfelmenge kann zwei Drittel Saft entstehen. Einen Teil der rund 100 Liter gebe er einem Freund, der Rest reiche im Eigenverbrauch bis Mai, sagt er.

Bei der jungen Familie Brandau reichte der letzte Schluck aus der Ernte 2019 bis September. „Wir haben seit 2011 einen Kleingarten im Frankfurter Bogen beim KGV Cronberger“, sagt Vater Markus. Aus etwa einem Viertel vom flüssigen Erlös seiner fünf Bäume macht er eigenen Apfelwein. Für die beiden acht und zehn Jahren alten Töchter ist das Keltern ein aufregender Moment. „Sie erleben, wie aus Äpfeln ein Lebensmittel hergestellt wird.“

Dass der frühe Genuss von Apfelsaft zu einer dauerhaften Bindung führen kann, weiß Marianne Friemelt. „Seit meinem dritten Lebensjahr trinke ich Apfelsaft“, sagt sie. Die Saison auf ihrem Niedereschbacher Wiesengrund ergab 1,5 Zentner. Früher lieferten die Friemelts ihre Äpfel an eine Kelterei und erhielten als Gegenleistung Saft, an dessen Qualität keine guten Erinnerungen haften.

„Bei der mobilen Kelterei erhalten die Leute nur den Saft von ihren Früchten“, sagt Wilfred Stöcker-Lebzien, Geschäftsführer der ambulanten Presse. Das gilt ebenso bei der Sterilisierung, die eine Gärung verhindert und den Saft über 15 Monate haltbar macht. An den Edelstahltanks kleben Zettel mit Kundennamen, um Verwechslungen zu vermeiden. Das Rohmaterial aus dem eigenen Garten kann indes bunt gemischt sein etwa mit Boskoop und Goldparmäne. Das MÄH lässt für seinen Vertrieb Mischungen aus Trauben, Quitten und Mango produzieren, Letzteres sei ein Projekt der Initiative Rhein-Main-Fair, heißt es. „Für den Apfel-Mango-Saft liegen schon 450 Bestellungen von Edeka vor“, sagt Stöcker-Lebzien.

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