Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Imker Marco Weinthäter und seine 150 000 Bienen-Mitarbeiterinnen auf dem Dach.
+
Marco Weinthäter ist einer von 540 registrierten Imkern in Frankfurt.

Umwelt

Frankfurt: „Hotspot“ für Bienenvölker - keiner weiß, wie viele es sind

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
    schließen

Fachleute vermuten eine hohe Dunkelziffer und eine Vielzahl an Schwärmen von Bienen in Frankfurt.

Frankfurt - Der Naturschutzbund Nabu startet am Freitag seinen Insektensommer, und Frankfurter Forschungseinrichtungen nutzen diesen Anlass zu einem Aufruf. Während der Aktionstage (6. bis 15. August) sollen die Menschen in Frankfurt mal zählen, wie viele Insektenhotels es in der Stadt gibt. Das Ergebnis soll dann in ein Forschungsprojekt einfließen, das im Oktober beginnt.

Doch mit dem Zählen ist das so eine Sache. Wenn es etwa darum geht, wie viele Bienen es auch nur ungefähr in Frankfurt gibt, winken die Fachleute ab. Lotte Jüling-Pohlit ist Vorsitzende des Frankfurter Imkervereins und weiß schon mal, dass es 258 Mitglieder gibt, die Bienen halten. „Aber ganz viele in Frankfurt machen das ohne Verein“, gibt sie zu bedenken.

Frankfurt: Über 1000 Bienenvölker gemeldet – Hohe Dunkelziffer vermutet

Die Angehörigen des Vereins melden beim Landesverband die Anzahl ihrer Bienenvölker, die sie halten. Ein Bienenvolk hat je nach Jahreszeit und Größe zwischen 30.000 und 50.000 Tieren. Insgesamt 1049 Völker sind über den Verein an den Landesverband gemeldet. „Aber ich habe keine Ahnung, wie hoch die Dunkelziffer ist“, räumt Jüling-Pohlit ein. Denn jedes gemeldete Volk kostet versicherungstechnisch Geld, und da werde schon mal ein bisschen weniger gemeldet.

Es ist also schon mal unklar, wie viele Völker im organisierten Bereich vorhanden sind. Eine weitere Anlaufstelle ist das Frankfurter Veterinäramt. Dort müssen die Standorte der Bienenvölker gemeldet werden. Das dem Veterinäramt übergeordnete Ordnungsamt teilt auf FR-Anfrage mit, in Frankfurt seien derzeit 540 Personen registriert, die im Durchschnitt drei Völker halten. Diese Zahl von etwas über 1000 Völkern deckt sich in etwa mit den Angaben des Vereins, aber wie groß ist die Schnittmenge?

Wilde Vermehrung von Bienen in Frankfurt heikel

Die Vereinsvorsitzende Jüling-Pohlit gibt zu bedenken, dass auch nicht alle in Frankfurt gemeldeten Bienen tatsächlich in der Stadt summen müssen und umgekehrt. Diese Einschätzung kann Bernd Grünewald vom Institut für Bienenkunde bestätigen: „Unser Institut hat 50 Völker in Frankfurt, aber gemeldet sind die bei uns im Hochtaunuskreis in Kronberg.“ Grünewald geht davon aus, dass die Dunkelziffer auf alle Fälle höher ist als die Zahl der gemeldeten Bienen. „Frankfurt ist ein Hotspot der Bienen.“ Auch das Frankfurter Ordnungsamt kann keine Auskunft über die Dunkelziffer geben und weiß auch nichts über die Entwicklung der Zahlen zu sagen, da dies statistisch nicht erfasst werde. Rein subjektiv, so ein Behördensprecher, habe sich die Zahl der Bienenvölker in Frankfurt in den vergangenen Jahren erhöht.

So kann ein gutes Insektenhotel aussehen. In den nächsten zwei Wochen sollen die Frankfurter Insektenhotels gezählt werden.

Bei vielen anderen Tierarten taugen Verkaufsstatistiken für eine Hochrechnung. Doch Bienen können nicht nur im Internet oder Fachhandel, sondern auch von Imker:innen verkauft werden, die sich Ableger halten. Die Vermehrung der Bienen kann ohnehin eine heikle Sache werden, findet Lotte Jüling-Pohlit. In jedem Frühjahr bilden die Bienen Schwärme, um sich zu vermehren. Passen die Verantwortlichen für das jeweilige Bienenvolk nicht auf und übersehen eine neue Königin, teilt sich der Schwarm und eine Hälfte folgt der neuen Königin. Da der neue Standort von den Bienen dann selbst gewählt wird, kann es zu Problemen kommen.

Bienen-Hotspot Frankfurt: Unkontrollierte Bienen können zum Problem werden

„In der Stadt ist das halt konfliktbeladen“, so Jüling-Pohlit, die sich an den Ärger erinnern kann, als sich ein Bienenvolk am Bienenkorbhaus auf der Zeil einnistete. Leider nehme die Zahl der Ahnungslosen, die ein Schwärmen nicht verhindern, zu, glaubt die Vereinsvorsitzende. Womit neben der schon nicht überschaubaren Zahl an betreuten Völkern auch noch eine wachsende Zahl an unkontrollierten Bienen hinzukäme.

Bleibt zu hoffen, dass die Zahl der Insektenhotels in Frankfurt einfacher zu bestimmen ist. Schließlich muss hier niemand damit hinter dem Berg halten, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. (Oliver Teutsch)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare