Bildungsausschuss

Antisemitismus im Schulalltag

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
    schließen

Die Bildungsstätte Anne Frank hat 59 antisemitische Vorfälle innerhalb von zwei Jahren registriert. Prävention sollte schon in der Grundschule anfangen.

Hakenkreuze hat der Schüler gemalt. Auf Notenlisten, auf Dokumente, die auf jeden Fall die Lehrerin erreichen. Und die Lehrerin wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Deshalb holte sie sich Hilfe bei der Bildungsstätte Anne Frank. Dort wurde sie beraten. Heraus kam: Die Eltern des Schülers ließen sich scheiden, weil der Vater aktiv bei der AfD war. „Er suchte jemanden, mit dem er sprechen konnte“, sagte Saba-Nur Cheema, pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank.

Sie erzählte das am Montag im Bildungsausschuss. Denn die Koalitionsfraktionen hatten wissen wollen, wie viele antisemitische Vorfälle es zwischen 2016 und 2018 an Frankfurter Schulen gegeben habe. Eine Abfrage bei der Bildungsstätte Anne Frank, die über eine eigene Meldungsstelle verfügt, ergab: In dem Zeitraum wurden 59 antisemitische Vorfälle registriert, 54 Vorfälle im Zusammenhang mit religiös gerahmten Konflikten. Hakenkreuze, Heil-Hitler-Schriftzüge, „Jude“ als Schimpfwort auf dem Schulhof – Dinge, die immer wieder an Schulen passieren. Die Hintergründe sind vielfältig. Es reiche von „einem geschlossenen Weltbild bis hin zur Provokation“, so Cheema.

Thomas Kirchner (CDU) wollte wissen, ob Schulen mit ihren Fällen an die Öffentlichkeit gehen sollten. Davon riet Cheema ab. „Die aktuelle Debattenkultur ist hochproblematisch, zu schnell wird in Gut und Böse eingeteilt.“ Eine Schule brauche Zeit, um mit Unterstützung daran zu arbeiten. „Damit sich nachhaltig etwas ändern kann.“ Doch Antisemitismus sei ein Querschnittsproblem, „es kommt aus der Mitte der Gesellschaft“. Und in den Schulen gebe es Angst, sich damit auseinanderzusetzen. Lehrkräfte, Schulleitungen „sind verunsichert“, sagte Cheema. Und überfordert.

Fortbildungen und Beratungen gibt es für Pädagogen in der Bildungsstätte. Und Workshops für Klassen. Zu Antisemitismus, Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung. Auch die Stadt hat einen Aktionsplan gegen Rassismus und Rechtsextremismus mit Beratungs- und Präventionsprogrammen beschlossen „Prävention ist wichtig.“ Cheema plädiert dafür, dass es eine Verpflichtung für alle Schulen gibt, sich mit Antisemitismus und Rassismus auseinanderzusetzen. Auch sollte früher damit angefangen werden. In der Grundschule. „Das braucht Kontinuität“, sagte Cheema. „Politische Bildung kann nicht an einem Tag gemacht werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare