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Vorfreude und etwas Aufregung: Die Mitglieder der Jury müssen aus 40 Filmen die besten aussuchen.

Filmfestival Lucas

Ansteckende Kinoabenteuer in Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden

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In drei Wochen beginnt Lucas, das Festival für junge Filmfans – für viele ein Vorbild an Beteiligung der Jugendlichen. Für den Klimastreik am 20. September gibt es auch Pläne.

Lucas ist das Filmfestival, das jedes Jahr aufs Neue verblüfft. Zum Beispiel in Form von Simon Dammann, zwölf Jahre jung. Auf die Frage, warum er in der Jury mitmischt, die im September über die Preise für die Filmschaffenden entscheidet, sagt der Carl-Schurz-Schüler trocken: „Ich drehe selbst gerne Filme, und ich sehe mir Filme nicht nur auf dem Laptop an, sondern lieber im Kino. Da dachte ich: Mache ich mal hier mit und schaue, was rauskommt.“

Das sagt Simon, Mitglied der Jury 8+, nicht irgendwem, sondern das antwortet er im Gespräch mit dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Mittwoch in der Pressekonferenz zum Festival für junge Filmfans. Noch drei Wochen bis zur Eröffnung, und dann wird sich wieder erweisen: „Kino ist hochansteckend“, sagt Christine Kopf, Leiterin der Abteilung Filmbildung und -vermittlung im veranstaltenden Deutschen Filminstitut und Filmmuseum (DFF). „Lucas-Filme bleiben im Kopf, im Hirn und manchmal auch im Magen – sie verpuffen nicht wie Zuckerwatte.“

Schon die kurzen Filmschnipsel, die traditionell in der Vorschau auf den Lucas gezeigt werden, machen neugierig auf die 42. Ausgabe des ältesten deutschen Kinder- und Jugendfilmfestivals. Mit offenem Mund sieht man Anastasiya Bogach und Kallil Kone dabei zu, wie sie sich in dem italienischen Wettbewerbsbeitrag „Fiore Gemello“ (englischer Titel: „Twin Flower“) einfach nur in die Augen schauen. Rasant entwickelt sich „Skate Kitchen“ (USA), spannend „Meteoriten“ (Frankreich), „Knives And Skin“ (USA) und „Scheme Birds“. Kurz gesagt: Alle Filme, die Lucas in der Altersgruppe 16+ zeigt, versprechen richtig großes Kino.

LUCAS
Vom 19. bis zum 26. September zeigt das Lucas-Festival 63 Filme aus 33 Ländern in Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden. 40 Filme konkurrieren in Wettbewerben um 21 000 Euro Preisgeld.

Bis zum 9. September gibt es Frühbucherrabatt für Gruppen und Einzelpersonen (3,50 statt vier Euro pro Film).

Den Klimastreik am 20. September, zu dem verschiedene Bündnisse aufgerufen haben, begleitet Lucas mit einer Gratis-Kinovorstellung der Doku „Home“ über Umweltzerstörung.

Am 22. September ist großer Familientag. Alle Infos: lucas-filmfestival.de. ill

Aber auch die Beiträge für die Jüngeren. Da wird der Opa zum Alien, kann sich Sue plötzlich unsichtbar machen – fantastische Abenteuer. Es geht viel um Familie und um die Grenzen der Vorstellungskraft. Und es geht ums Anderssein. Wie man das erlebt als Heranwachsender, wie die Umwelt reagiert, wie man damit zurechtkommt: Ein großes Verdienst des Lucas, dieses Thema immer wieder so aufzugreifen, dass es spürbar unter die Haut geht.

Mehr als 1600 Filme wurden eingereicht, berichtet Festivalleiterin Julia Fleißig. 63 Beiträge aus 33 Ländern schafften es schließlich ins Programm, 40 in den Wettbewerb, darunter 28 Deutschland- und sogar zwei Weltpremieren: „Gerdoo (Walnüsse)“ aus dem Iran und der Kurzfilm „Boje“ aus Deutschland. „Ein Novum ist, dass wir so viele Langfilmpremieren haben“, sagt Julia Fleißig. Das Festival, verspricht sie, „lässt Vertrautes in einem anderen Licht erscheinen, es erlaubt einen Blick hinter die Kulissen – und es kann das Feuer für Filmkunst auch abseits des Mainstreams entfachen.“ OB Feldmann gefällt es besonders, dass Kinder und Jugendliche beim Lucas in den Jurys mitentscheiden können. „Das ist es, was wir in Frankfurt wollen“, sagt er. „Die jungen Leute verlangen ein Jugendparlament – Lucas zeigt schon lange, dass sie Entscheidungen fällen können.“ Gemeinschaft und Nähe seien das, was Frankfurt brauche. Das Festival sei auch in dieser Hinsicht „eine Perle. Oder sogar ein klitzekleiner funkelnder Diamant“. Das Mitmachen nennt auch Patrick Schaaf von der Fördergesellschaft Hessenfilm als Markenzeichen des Lucas. Lilli Weiser (15) aus der Jury 13+ lässt an ihren großen Mitmachwillen gar keinen Zweifel. „Ein guter Film ist ein Film, der mich berührt“, sagt sie, „da kann es auch mal sein, dass ich weinend aus dem Kino komme.“ Kollege Caspar Hahnemann (18) aus der Youngsters-Jury erwartet, dass ein Film authentisch ist und Atmosphäre schafft. „Es muss eine klare Vision dahinterstecken, ein Gefühl, eine intensive Geschichte.“ Oder wie Simon aus der Jury 8+ es ausdrückt: „Spannend. Aber nicht zu lang.“

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