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Coronavirus

Anrufe gegen die Einsamkeit

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Telefonbesuchsdienst der Frankfurter Maltester für ältere Menschen wirkt.

Wegen der aktuellen Kontaktbeschränkungen erleben viele Menschen, dass die sozialen Kontakte abnehmen. Besonders Ältere zählen zur Risikogruppe und müssen, gewollt oder ungewollt, persönliche Treffen häufig vermeiden. Eine zunehmende Vereinsamung kann belastend sein, je länger die Beschränkungen aufrechterhalten werden.

Die Frankfurter Malteser hatten deswegen bereits im Frühjahr während des ersten Lockdowns das Konzept des Telefonbesuchsdienstes ins Leben gerufen. Was im ersten Moment etwas merkwürdig klingt, hat sich tatsächlich zu einer funktionierenden und bereichernden Aktion entwickelt. Dabei verabreden sich Ehrenamtliche zu wöchentlichen Telefonaten mit Senior:innen.

Eine dieser Ehrenamtlichen ist Britta Zierau. Die Frankfurterin hat zwei ältere Damen, mit denen sie jeweils einmal in der Woche am Telefon spricht. „Es gibt längere Gespräche über eine Stunde, aber auch mal kürzere von 20 Minuten“, erzählt sie. Seit Juni ist die ehemalige Wirtschaftsanwältin als Ehrenamtliche im Telefonbesuchsdienst aktiv. Mittlerweile habe sich ein richtiges Vertrauensverhältnis eingestellt.

Manche angerufenen Personen seien von Anfang an offen und aufgeschlossen, bei anderen brauche es mehr Geduld. „Manchmal muss man auch ein Schweigen am Telefon ertragen können.“ Zierau weiß aber, dass die gemeinsame Zeit am Hörer wichtig ist. „Es tut den älteren Menschen gut, diesen Kontakt zu haben.“ Natürlich hoffe man, mit den Anrufen Gutes zu tun, aber einem selbst widerfahre eben auch Gutes. „Man kann etwas bewegen und oft auch etwas lernen“, sagt sie. Sie spüre Vertrauen und Nähe und sei Ansprechpartnerin für ihre beiden Frauen.

Rosina Rosberg bestätigt das. Die 96-Jährige ist eine der Frauen, mit denen Zierau wöchentlich telefoniert. „Es ist ganz toll, dass diese Möglichkeit ins Leben gerufen wurde. Es tut einem gut, gerade weil die jungen Leute oft wenig Zeit für jemanden haben“, sagt sie. Jeden Dienstag melde Zierau sich. „Darauf kann ich mich verlassen. Sie ist ein sehr sympathischer Mensch mit Herz“, sagt die 96-Jährige. Über alles mögliche sprächen sie dann: Politik, Kochen, Garten. Aber auch mal über die Sorgen und die Gesundheit. „Und ich erzähle von meiner Vergangenheit“, sagt Rosberg, die nach ihrer Flucht aus Ostpreußen in München landete und 1947 ihrem künftigen Mann nach Frankfurt folgte.

Als er vor Jahren starb, meldete sie sich auf eine Annonce der Malteser, seitdem hat sie Gesellschaft. Vor Corona ging es ins Theater oder auf Ausflüge, nun bleiben die Telefonate. „Sie ist neugierig und will immer auch wissen, was ich mache“, sagt Britta Zierau. Die 96-Jährige könne im Gespräch auch Dinge aus der Vergangenheit aufarbeiten. „Und mich interessiert es.“ Und es tue beiden gut, einfach mal miteinander zu lachen. „Ich bin nicht durch Geld reich geworden, sondern durch nette Menschen, die ich getroffen habe“, sagt Rosina Rosberg. „In diesem Jahr bin ich um noch einen sehr netten Menschen reicher geworden.“

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