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Anklage nach tödlichem Stromschlag in Frankfurter Kita

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Von: Sandra Busch

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Trauer um Antonio: Kerzen und Blumen vor der Seckbacher Kita.
Trauer um Antonio: Kerzen und Blumen vor der Seckbacher Kita. dpa © Frank Rumpenhorst/dpa

2019 starb der sechsjährige Antonio wegen einer Steckdose, drei Elektrikern wird nun fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Fast drei Jahre nach dem tödlichen Stromschlag in einer Kita in Seckbach hat die Staatsanwaltschaft offiziell Anklage erhoben. Drei Elektriker sind wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung angeklagt.

Einem 40-Jährigen und einem 45-Jährigen wird vorgeworfen, den Tod des sechsjährigen Antonio C. „durch die sorgfaltswidrige Installation einer Steckdose und damit aktives Tun fahrlässig verursacht zu haben“, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit.

Der 70-jährige Inhaber der Elektronikfirma und Vater der beiden weiteren Angeklagten habe die Arbeiten kontrolliert; ihm wird „fahrlässige Tötung durch Unterlassen“ zur Last gelegt. Im Zeitraum von Mitte Juli bis Ende August 2019 nahm die Elektrofirma in der städtischen Kindertagesstätte am Atzelberg Modernisierungsarbeiten vor. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurde jedoch eine Steckdose im Umkleidebereich fehlerhaft installiert. Die Unterputzdose soll zu tief in der Wand gesessen haben, die Enden der Elektrokabel sollen zu kurz isoliert gewesen sein.

Am Nachmittag des 29. Oktober 2019 versteckte sich Antonio C. in der Umkleide vor seiner Mutter und kam dabei mit der offenliegenden Stromleitung in Kontakt. Zu dem Zeitpunkt habe die Steckdose bereits nach schräg unten aus der Einbauöffnung gehangen, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Antonio C. erlitt einen Stromschlag, und trotz unmittelbar danach begonnener Reanimation starb er wenig später im Krankenhaus. Die Ermittler und Ermittlerinnen gehen davon aus, „dass die Steckdose bei fachgerechter Installation und ordnungsgemäßer Kontrolle der Arbeiten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht herausgefallen wäre“. Die Elektrofachkräfte hätten die Einbaumängel erkennen und damit den Tod des Kindes vermeiden können.

Das Kinderzentrum Atzelbergstraße wurde für mehrere Monate geschlossen. Erst im Juni 2020, acht Monate nach Antonios Tod, öffnete die Seckbacher Kita wieder. Das damalige Personal ist in andere Kindertagesstätten gewechselt.

Der Prozess wird vor einem Schöffengericht des Amtsgerichts Frankfurt geführt werden.

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