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Einem Frankfurter Apotheker wird Abrechnungsbetrug vorgeworfen. (Symbolbild)

Rezept-Betrug

Anklage gegen Frankfurter Apotheker 

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Ein Frankfurter soll die Kassen bei der Abrechnung von Rezepten betrogen haben. Er ist nicht das einzige schwarze Schaf in der Branche.

Gegen einen Frankfurter Apotheker und zwei seiner Kunden hat die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch Anklage erhoben. Der 42-Jährige steht in Verdacht, bei Krankenkassen Rezepte für hochpreisige Medikamente abgerechnet zu haben, die er nicht an die Versicherten abgab. Stattdessen sollen die Kunden einen Teilbetrag des Rezeptwerts als Bargeld erhalten haben oder im Tausch gegen andere Arzneimittel oder Kosmetika.

Mehr als 400 Rezepte in einem Gesamtwert von rund 2,9 Millionen Euro soll der Apotheker mit den Kassen abgerechnet haben. Schadenshöhe: rund 1,1 Million Euro. Gegen neun weitere Kunden wird noch ermittelt.

Aufgeflogen waren die Machenschaften dadurch, dass die beiden unter einer besonderen Krankheit leidenden Kunden in Köln wohnen. Dass sie ihre Rezepte in der Zeit von Januar 2010 bis Dezember 2013 stets in Frankfurt einlösten, erschien der Krankenkasse suspekt, sagt Oberstaatsanwalt Alexander Badle, der die Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen leitet. Als Badle von der Krankenkasse den Namen der Apotheke im Bahnhofsviertel erfuhr, wurde er zusätzlich skeptisch: Sie stand bereits im Jahr 2009 im Fokus von Ermittlungen der Zentralstelle, damals war der Bruder des 42-Jährigen als Inhaber eingetragen. Der soll mit der gleichen Masche in der Zeit von Februar bis Oktober 2009 die Krankenkassen um 1,3 Millionen Euro geschädigt haben. Vor einem Jahr war der Mann wegen Betrugs in sieben Fällen zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Er hat Revision eingelegt, die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Wegen der Ermittlungen hatte er seine Apotheke im Januar 2010 an seinen Bruder übergeben, der bereits in der Frankfurter Innenstadt eine betreibt. Dort ist der 42-Jährige weiter Inhaber, während er das Geschäft im Bahnhofsviertel inzwischen abgegeben hat, sagt Badle.

Großer Schaden Die Zentralstellein Frankfurt bearbeitet für alle hessischen Staatsanwaltschaften Verfahren aus der medizinischen Versorgung.

Dem Gesundheitsmarktgeht nach bundesweiten Schätzung jährlich mindestens eine Milliarde Euro durch Vermögensstraftaten und Korruption verloren, bei einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 300 Milliarden Euro. jur

Seit mehr als fünf Jahre arbeitet die Zentralstelle inzwischen an dem Fall, der jetzt zur Anklage kommt. Nach der Durchsuchung im Januar 2014 ermittelte das Team unter anderem die Daten der Warenlieferungen bei mehreren Hundert Lieferanten, um sie dann mit den Abrechnungsdaten der Krankenkassen abzugleichen. Dieses Vorgehen sei am effektivsten, sagt Badle. Ein Apotheker könne immer sagen, er wisse nicht, an welchen Kunden er ein Medikament ausgehändigt hat.

Die Zentralstelle ist für alle Berufsgruppen zuständig, die in der medizinischen Versorgung tätig sind: Ärzte, Hebammen, Pflegedienste, auch Mitarbeiter von Krankenkassen. Doch bei den Apothekern, meint Badle angesichts der verhältnismäßig vielen Verfahren, scheine besonders viel im Argen zu liegen. „Das hier ist kein Einzelfall.“

So hat das Landgericht Darmstadt im vergangenen April eine 69-jährige Apothekerin aus Offenbach wegen Betruges in elf Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Auch sie hatte teure Medikamente bei den Krankenkassen abgerechnet, ohne dass diese Ware tatsächlich über den Ladentisch ging. Ein Teil der Rezepte waren sogar gefälscht. Und ein 60-jähriger Apotheker aus dem Main-Taunus-Kreis hatte 2017 gemeinsame Sache mit einer Arzthelferin gemacht und wurde wegen gewerbsmäßigen Betruges in 41 Fällen zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Arzthelferin erhielt zwei Jahre auf Bewährung. Als Mitarbeiterin einer Frankfurter Klinik hatte sie einen Arztstempel sowie Blanko-Rezeptvordrucke und Versichertendaten entwendet, mit denen sie gefälschten Rezepte über hochpreisige Transplantationspräparate herstellte. Die verkaufte sie an den Apotheker.

Einen schwunghaft Handel mit Rohypnol hatte vor zehn Jahren in Frankfurt ein Apotheker mit Drogenabhängigen betrieben. Sie bekamen das Mittel ohne ärztlichen Verordnung im Tausch gegen Rezepte über sonstige Medikamente – etwa gegen Krebs, HIV oder Asthma.

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