Justiz

Anklage fordert sechs Jahre Haft für Stadtplan-Erben Falk

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Im Prozess gegen den Stadtplan-Erben Alexander Falk soll am Mittwoch das Urteil fallen. Während die Anklage sechs Jahre Haft fordert, will die Verteidigung einen Freispruch.

Es war ein Prozess, der durchaus die Grundlage für ein spannendes Drehbuch liefern könnte. Da ist der Angeklagte Alexander Falk, 50 Jahre, Erbe einer Hamburger Stadtplan-Dynastie, gefallener Star der New Economy und schmucker Sportsmann mit Patriziermanieren. Falk war ursprünglich angeklagt, den Mord an einem Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben zu haben, dem ein Unbekannter im Februar 2010 vor seinem Haus ins Bein geschossen hatte. Der Anwalt hatte eine Multi-Millionen-Zivilklage gegen Falk vorbereitet und gar die Yacht des passionierten Seglers konfiszieren lassen.

Da sind die Gebrüder B., ehemalige Größen der Hamburger Halb- und Unterwelt, die das Attentat organisiert haben sollen. Einen der beiden hatte Falk im Gefängnis kennengelernt, wo er eine Haftstrafe wegen Betrugs und Bilanzfälschung absaß. Aus der Knastbekanntschaft wurde eine seltsame Geschäftsfreundschaft, die darin gipfelte, dass Falk fünf Millionen Euro auslobte, falls die Brüder den Laptop des Anwalts hacken würden – was denen nicht gelang. Die Gebrüder B. haben sich längst nach Istanbul abgesetzt.

Da ist der Hauptbelastungszeuge Ertem E., ein notorischer Kleingangster und ehemaliger Handlanger der B.s, der von der Kanzlei des Frankfurter Anwalts 100 000 Euro als Belohnung kassiert hatte, obwohl das Gerichtsurteil – eigentlich Grundlage der Belohnung – nicht einmal gesprochen ist. Und da sind Falks Verteidiger, die der kölschen Krawallverteidigungsschule alle Ehre machten – allen voran Falks Medienanwalt Rolf Höcker, ein passionierter Journalistenbelästiger, der zu Beginn des Prozesses die Journalisten mit „Medienmappen“ beglückte, die zum Beispiel Falk beim Wandern mit der Familie zeigen.

„Geltungssucht und irrationale Geldgier“

Für Staatsanwältin Nicole Metcalf hat sich Falk klar der Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht – der Auftragsmord war in dem Prozess schon länger vom Tisch. Als Beweis sieht sie etwa eine Tonbandaufnahme, die die Gebrüder B. zu Erpressungszwecken von einem Gespräch mit Falk gemacht hatten und in der Falk sich diebisch über den Schuss auf den Anwalt freut. Ebenso wie die kryptische SMS kurz vor dem Attentat, in der die B.s ihrem Patrizierkumpel versprechen, man werde dafür sorgen, „dass die Oma ihren Kuraufenthalt bekommt“. Für Metcalf eine eindeutige verschlüsselte Ankündigung der Tat, für Verteidigerin Kerstin Stirner hingegen ein Beweis, dass sowohl Falk als auch die Gebrüder B. rührend um das Wohlergehen ihrer Großmütter besorgt seien.

Metcalf teilt die Auffassung des Hamburger Landgerichts, das Falk in seinem Urteil „Geltungssucht und irrationale Geldgier“ attestiert hatte. Der Angriff auf den Anwalt zeuge zudem von „hoher krimineller Energie“ und zumindest einer Tendenz zur „Rechtsfeindlichkeit“. Das einzige, was für Falk spreche, sei die lange Zeit, die seit der Tat vergangen sei – sonst aber spreche alles gegen ihn. Am Ende eines sauber strukturierten Plädoyers fordert Metcalf eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren – und die Aufrechterhaltung des Haftbefehls gegen Falk, der seit 22 Monaten in U-Haft sitzt, wegen Fluchtgefahr.

Falks Verteidiger Björn Gercke legt anschließend in einem Plädoyer von singulärer Langatmigkeit dar, weshalb sein Mandant unschuldig und freizusprechen sei. Falls es Gerckes Plan gewesen war, die Menschen in dem bis zum letzten Platz gefüllten Gerichtssaal zu sedieren und seinem Mandanten so die Flucht zu ermöglichen, schlägt dieser fehl: Am Ende des etwa dreistündigen, gefühlt viel längeren Monologs ist noch Restsauerstoff im Saal, und einige Wachtmeister sind noch bei Bewusstsein. Selbst Alexander Falk verzichtet auf sein letztes Wort, was eigentlich gar nicht seinem Charakter entspricht.

Das Urteil der Kammer unter dem Vorsitz von Jörn Immerschmitt, der den Rüpeleien der Verteidiger in dem monatelangen Prozess mit der Gelassenheit eines Säulenheiligen begegnet war, soll morgen fallen.

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