Prüfungsangst

Die Angst vor dem Versagen

Eine Studentin berichtet über ihre Erfahrungen.

Von Björn Eenboom

Katharina B. (Name geändert) nippt nervös an ihrem Kaffee in der Rotunde der Goethe-Universität. Eigentlich kann sich die 26-Jährige freuen. Sie ist gerade dabei, ihr Magisterstudium in einem geisteswissenschaftlichen Fach mit sehr guten Noten abzuschließen. Eine lukrative befristete Stelle hat sie auch bereits in der Tasche. Doch Katharina B. wirkt ausgelaugt. Um die Abschlussklausuren besser bewältigen zu können, hat sie regelmäßig Psychopharmaka genommen: „Ohne meine Tabletten hätte ich den Stress nicht durchgestanden.“

Sie ist nicht die Einzige. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse hat sich innerhalb der letzten vier Jahre der Medikamentenkonsum bei Studenten verdoppelt. Fast die Hälfte der befragten Studenten fühlt sich häufig oder immer gestresst. Jeder Zehnte greife zu Tabletten, um die Anforderungen besser bewältigen zu können.

Als Katharina B.s Studium in die Endphase ging und sie sich für die Prüfungen anmeldete, merkte sie, dass es ohne ärztliche Hilfe nicht mehr geht. „Mich plagten schwere Schlafstörungen und Zukunftsängste, das Studium nicht mit guten Noten abzuschließen und dann keinen richtigen Job zu bekommen. Hinzu kommt, dass ich unter Prüfungsangst leide.“

Seitdem befindet sie sich in ständiger ärztlicher wie psychotherapeutischer Behandlung, nimmt Antidepressiva. „Morgens nehme ich ein Präparat mit einem Stimmungsaufheller und abends eines, damit ich einschlafen kann“, erzählt die 26-Jährige. Die Bologna-Reform nennt sie als Grund für ihre schlechte seelische Verfassung. Eines ihrer Studienfächer ist modularisiert. Studenten dürfen in Seminaren solcher Fächer nur maximal zweimal fehlen. „Dieses autoritäre Lernklima ist etwas, was die Ängste der Studenten noch verstärkt hat. Als es mir einmal sehr schlecht ging, hatte ich in einem Kurs drei Fehltage. Das Attest meines Arztes hat den Dozenten nicht interessiert. Ich musste den Kurs wiederholen und ein Semester dranhängen“, erzählt Katharina B..

Vor allem aber bedauert sie den geringen Zusammenhalt unter den Studenten und die „Jeder- gegen-jeden-Mentalität“. „Das hat mich zusätzlich verunsichert. Ich hatte das Gefühl, mich niemanden anvertrauen zu können.“

Die Zukunft sieht die Studentin mit gemischten Gefühlen. Die Medikamente wird sie erst einmal weiterhin einnehmen. „Ich freue mich zwar sehr auf meine Stelle, aber die Angst, es nicht zu schaffen, bleibt.“

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