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Auch bei der Personenkontrolle gibt es bei stark gesunkenen Passagierzahlen am Flughafen Frankfurt weniger zu tun als vor der Krise.

Fraport

Angst um Arbeitsplätze am Frankfurter Flughafen

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Fraport will bis zu 4000 Stellen am Flughafen Frankfurt streichen. Der DGB und der Betriebsrat fordern, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Die Kurzarbeit soll verlängert werden.

Der Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen Thüringen, Michael Rudolph, erwartet vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt, dass sie sich gegen betriebsbedingte Kündigungen beim Flughafenbetreiber Fraport einsetzen. Das börsennotierte Unternehmen, dessen Anteile mehrheitlich in öffentlicher Hand sind, hatte vergangene Woche angekündigt, angesichts der Corona-Krise 3000 bis 4000 der gut 22 000 Stellen in Frankfurt zu streichen. Das müsse so sozialverträglich wie möglich geschehen, forderten Rudolph, die Vorsitzende des Betriebsrats der Fraport AG, Claudia Amier, und die Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Karin Knappe, am Montag.

Amier sagte, es sei möglich, die Situation ohne betriebsbedingte Kündigungen zu meistern. Dazu müsse Fraport sehr attraktive Abfindungen für Beschäftigte bieten, die bereit sind, freiwillig zu gehen. Altersteilzeit sollte schon den Jahrgängen 1964 und 1965 statt bisher ab 1962 angeboten werden. Der Betriebsrat werde sich in den anstehenden Verhandlungen mit der Unternehmensspitze zudem für mehr Weiterbildung einsetzen, hieß es.

Fraport in der Krise

Der Flughafenbetreiber hat im ersten Halbjahr einen massiven Umsatzrückgang verzeichnet. Dieser lag mit 910,6 Millionen Euro fast 49 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.

Das Konzernergebnis verschlechterte sich massiv. Für das erste Halbjahr weist Fraport einen Verlust von 231,4 Millionen aus. Im ersten Halbjahr 2019 erzielte der Flughafenbetreiber noch ein Ergebnis von 164,9 Millionen Euro.

Das Passagieraufkommen ist im ersten Halbjahr extrem eingebrochen. Fraport spricht von einem Rückgang um 63,8 Prozent. Selbst für die Jahre 2022/2023 rechnet der Flughafenbetreiber noch mit Werten, die 15 bis 20 Prozent unter dem bisherigen Höchststand im Jahr 2019 liegen.

Die Liquidität von Fraport ist nach Angaben des Unternehmens bis Ende 2021 gesichert. Es verfüge über knapp drei Milliarden Euro an liquiden Mitteln und zugesicherten Kreditlinien.

Das Land hält 31,3 Prozent der Fraport-Anteile, Frankfurt 20,3 Prozent. cm

Die Krise hat den Flughafenbetreiber massiv getroffen. Noch immer liegen die Passagierzahlen dem Unternehmen nach rund 79 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das Terminal 2 und Teile des Terminals 1 sind gesperrt. Ein großer Teil des Fraport-Beschäftigten ist nach wie vor in Kurzarbeit. Am Montag war von 18 000 die Rede.

Um angesichts der anhaltenden Krise Zeit zu gewinnen, warben Gewerkschaften und Betriebsräte für die Möglichkeit, die Kurzarbeit, die bisher bis Februar kommenden Jahres möglich ist, zu verlängern. Da sei der Bund gefordert, hieß es. „Die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes muss auf mindestens 24 Monate verlängert und mit Weiterbildung verbunden werden“, sagte DGB-Chef Rudolph. Er forderte zudem, dass Fraport Betriebskostenzuschüsse für stillliegende Betriebsteile erhält. Solche öffentlichen Zuschüsse dürften allerdings nur fließen, wenn sich das profitierende Unternehmen verpflichte, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen und eine Standortgarantie abgebe, schränkte er ein.

Bisher hat die Krise am Flughafen besonders die prekär Beschäftigten getroffen. 1000 Beschäftigte von Fraport mit befristeten Verträgen haben nach Angaben von Konzernbetriebsratschefin Knappe bereits ihren Job verloren. Auch Minijobber erhielten kein Kurzarbeitergeld und verlören ihre Arbeit und Existenzgrundlage in einer Krise wie dieser in der Regel als Erste, sagte DGB-Chef Rudolph.

Diese „Zweiklassengesellschaft“ unter den Beschäftigten müsse beendet werden, forderte er. So müssten prekäre Jobs, etwa sachgrundlos befristete Arbeitsverhältnisse und Minijobs zurückgedrängt werden. Zugleich gelte es gerade in der Krise Mitbestimmung und Tarifbindung auszuweiten.

Die Grünen im Frankfurter Römer äußern die Sorge, dass der angekündigte Arbeitsplatzabbau am Flughafen eine „empfindliche Lücke in den dienstleistungsorientierten regionalen Arbeitsmarkt“ reißt – und fordern Land und Bund auf, Fraport zu unterstützen. Diese Hilfe müsse aber etwa an klimapolitische Voraussetzungen geknüpft werden, sagt die Stadtverordnete Ursula auf der Heide. Sie fordert den Umbau des Flughafens in einem „komfortablen multimodalen Verkehrshub“.

Die Fraktion DKP/Die Linke im Stadtparlament von Mörfelden-Walldorf fordert die Stadt Frankfurt und das Land Hessen auf, betriebsbedingte Kündigungen bei Fraport zu verhindern. Sie kritisiert, dass der Bau des Terminals 3 trotz der Krise weitergeht.

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