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SPD-Ortsvorsteher Oliver Strank umringt von Mietern in der Wallauer Straße im Gallus.

Wohnen

Mieter im Frankfurter Gallus haben Angst vor Rauswurf

Mieter im Frankfurter Gallus haben Probleme. Der Ortsbeirat will die Stabstelle Mieterschutz in die Vonovia-Siedlungen in der Wallauer- und Knorrstraße holen.

Michael Martis, Mieter in der Wallauer Straße, hat eine neue Wohnungstür bekommen. Er könnte also zufrieden sein – ist es aber nicht: Die Tür passt nicht auf den Rahmen, der immer noch der alte ist. Zur Überbrückung des Spalts haben Handwerker dünne Holzleisten montiert. „Da brauchst du nur ein einfaches Stemmeisen, um sie aufzukriegen“, sagt CDU-Ortsbeirat Michael Weber an diesem Donnerstagnachmittag.

Es ist der dritte Besuch des Stadtteilgremiums in der Siedlung im Gallus, die immer noch eine Baustelle ist. Eigentlich wollte das börsennotierte Wohnungsunternehmen Vonovia mit der Sanierung längst fertig sein. Seit Dezember 2018 zahlen die Bewohnerinnen und Bewohner aufgrund der Modernisierung höhere Mieten – obwohl diese laut Martis noch nicht abgeschlossen ist.

„Das geht natürlich gar nicht“, sagt Andreas Laeuen von den Grünen. Der halbe Ortsbeirat ist gekommen und hört sich an, wovon die Mieter erzählen: Dreck, Lärm, herausfliegende Sicherungen, Schimmel, Ratten und die lange Bauzeit. Hinzu kommt, wie Vonovia mit den Mietern umgeht: „Man muss immer erst sein Recht einklagen“, sagt Martis.

Abgesehen von Eyup Yilmaz (Linke) dominiert unter den Ortsbeiräten aber die Meinung, dass sie an den Zuständen in der Wallauer Straße nicht viel ändern können. Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) sieht „primär Ereignisse, die sich im Mietrecht abspielen“ – und empfiehlt den rechtlichen Weg über Mieterschutzvereine.

Nach Auskunft der Mieter sind aber nur wenige von ihnen derart organisiert. Strank will wissen, woran das liegt. „Weil sie nicht Deutsch sprechen“, sagt Anwohner Murat Karakurt, und von ihren Rechten nichts wissen. Zudem fürchten viele den Verlust ihrer Wohnung, sollten sie aktiv werden: „Diese Angst ist da.“

Ungleiche Mieterhöhung

Teil zwei des Ortstermins führt zur Vonovia-Siedlung in der Knorrstraße. Auch dort ist die Verwunderung vieler Ortsbeiräte groß über das, was Vonovia gebaut hat: Ein Teil der Treppenhäuser hat Aufzüge bekommen, die aber nur auf den Zwischenebenen halten werden. Nicht eine einzige Bestandswohnung wird barrierefrei erreichbar sein. Die organisierten Mieterinnen und Mieter, die wie in der Wallauer Straße die Modernisierung ablehnen, werden dafür trotzdem bald höhere Mieten zahlen.

„Wir haben hier Milieuschutz, wieso wurden die Aufzüge überhaupt genehmigt?“, fragt Anwohner Roberto Stojanoski. Im November 2018 hatte die Stadt Fehler eingeräumt: Künftig will sie in Milieuschutzarealen nur noch Fahrstühle genehmigen, die der Barrierefreiheit dienen. Eine zu späte Einsicht für die Knorrstraßenbewohner? „Der Magistrat könnte immer noch die Baugenehmigung für die Aufzüge entziehen“, fordert Stojanoski, der sich auch über ungleich verteilte Mieterhöhungen und die teils fehlende Hofbeleuchtung beschwert.

Nach rund eineinhalb Stunden sieht Strank „desaströse Mängel bei beiden Baublöcken“. Um die Bewohner über ihre Rechte aufzuklären, möchte er Mitarbeiter der Stabsstelle Mieterschutz direkt in die Siedlungen holen.

Vonovia selbst war beim Rundgang nicht dabei – wegen der parallelen Jahrespressekonferenz, bei der das Unternehmen einen Gewinn von mehr als 1 Milliarde Euro verkündet hat. „Zeitnah“ wolle sich Vonovia aber mit den Mietern treffen, sagt Sprecher Max Niklas Gille. Eventuelle Mängel und zu frühe Mieterhöhungen werden „nachgeprüft“. Allerdings seien Modernisierungskosten schon dann umlegbar, wenn ein Großteil der Arbeiten abgeschlossen ist. Die Aufzüge in der Knorrstraße bezeichnet Gille als „bauliche Notwendigkeit“ wegen der zusätzlichen Etage. Ungleiche Mieterhöhungen können beispielsweise damit zu tun haben, wie lange ein Mieter schon in seiner Wohnung wohnt.

von Max Sollner

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