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Spenden sind willkommen (Symbolfoto).

FR-Altenhilfe

Angst vor Alzheimer

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Beate L. leidet vor allem an Einsamkeit, nachdem ihr Mann gestorben ist. Ihre Rente ist klein, obwohl sie mehr als 20 Jahre als Verkäuferin gearbeitet hat. Für jeden Cent der FR-Altenhilfe ist sie dankbar.

Seit dem Tod ihres Mannes ist die 68-jährige Beate L. allein. Jeden Dienstag ist sie beim Arzt, am Mittwoch arbeitet sie zwei Stunden in einem Nagelstudio. „Ansonsten sitze ich rum.“ Als der Ehemann vor einigen Jahren an Leukämie verstarb, hatte sie „keine Lust mehr zu leben“. Außerdem begann nun der Teil ihres Lebens, den sie selbst als „Altersarmut“ beschreibt.

Obwohl sie „mehr als zwanzig Jahre beim Rewe“ als Verkäuferin gearbeitet hat, ist die Rente so klein, dass sie vom Wohnungsamt jeden Monat 45 Euro erhält, damit sie die Miete für die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in Bornheim bezahlen kann. Für jeden Cent, den sie von der Altenhilfe der Frankfurter Rundschau erhält, ist sie dankbar. Mal ist eine Schuhreparatur fällig, den neuen Kühlschrank hat sie gerade „abgestottert“, jetzt müsste die Küche restauriert werden.

Es ist aber nicht nur das Geld, das Beate L. immer wieder Sorgen bereitet – es ist vor allem die Einsamkeit: „Ich habe überhaupt niemanden“. Auch früher hatte sie keine Freunde und Bekannte. Aber da gab es eben noch ihren Michael, der als Elektriker gearbeitet hat. „Damals“ haben sie zusammen die Wohnung eingerichtet.

Langsam schöpft Beate L. Vertrauen. Sie ist als junge Frau drogenabhängig geworden, bekommt seit vielen Jahren die Ersatzdroge Methadon. Das habe ihr und ihrem Mann, der auch drogenabhängig gewesen sei, sehr geholfen. Aber darüber reden konnte sie nicht. Sie war Anfang 20 als sie das erste „Näschen Heroin“ probierte. Mit 18 Jahren hatte sie die nordhessische Kleinstadt, in der sie aufgewachsen war, verlassen, um in Frankfurt etwas von der großen weiten Welt mitzubekommen. Stattdessen „bin ich auf die schiefe Bahn geraten“. Schon lange möchte sie „für zehn Euro oder so“ mehr als die zwei Stunden am Mittwoch arbeiten. Aber sie traut sich nicht, sich zu bewerben. „Ich weiß, ich muss mir eine Aufgabe suchen“, sagt sie und: „Ich möchte raus, aber wo soll ich denn hin?“ Manchmal sind es auch die Schmerzen, die sie verzagen lassen. Vom Rücken ausgehend breiten sie sich im ganzen Körper aus.

Die Schifffahrt, die von der Altenhilfe in jedem Jahr angeboten wird, die sei „so schön“ gewesen. Welcher Hafen denn angesteuert worden sei? Sie weiß es nicht mehr. „Ich habe Angst, dass ich Alzheimer bekomme. Ich vergesse so viel“, sagt sie mit leiser Stimme. Ob sie darüber schon einmal mit ihrem Arzt gesprochen hat? Beate L. schüttelt den Kopf und verspricht am nächsten Dienstag mit ihm darüber zu reden.             

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