Im September haben die Schüler noch gegen den Abriss demonstriert. Inzwischen geht es um Schadensbegrenzung. Foto: Christoph Boeckheler

Frankfurt-Nordend

Angst vor Abriss des Glauburgbunkers im Frankfurter Nordend

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Eltern der Schwarzburgschule fordern vehement mehr Schutz für ihre Kinder ein. Sie wollen, dass die Stadt die Einrichtung während der Bauzeit auslagert.

Die Schwarzburgschule muss während des Abbruchs des Glauburgbunkers im Frankfurter Nordend vollständig ausgelagert werden. Das fordern Eltern der Grundschule an der Schwarzburgstraße. Der Schulelternbeirat (SEB) hat einen symbolischen Widerspruch an die Mütter und Väter verteilt, der am heutigen Freitag auch der Bauaufsicht überreicht werden soll: Weit mehr als 200 schriftliche Widersprüche sind zusammengekommen.

Ein privater Investor möchte den Hochbunker abreißen und ein großes Wohngebäude bauen. Im Erdgeschoss soll es eine öffentliche kulturelle oder soziale Nutzung geben. Der Abbruch beginnt voraussichtlich im ersten Quartal 2020. Die Stadtverordneten hatten dem Abriss und Neubau bereits zugestimmt. Das Areal grenzt direkt an das Gelände der Schwarzburgschule (die FR berichtete). Die meisten Eltern der rund 300 Schüler hätten Angst vor dem anstehenden Abriss des Bunkers, sagt die stellvertretende Vorsitzende des SEB, Andrea Teuscher. Nach dem derzeitigen Stand könne während der Bauarbeiten kein Unterricht stattfinden, „die Schule muss ausgelagert werden“. Die ausstehende Abrissgenehmigung sehe „keine erkennbaren Auflagen“ vor, dass die Kinder ohne Beeinträchtigungen während der 13-monatigen Arbeiten lernen könnten. „Aus diesem Grund fordern wir eine vollständige Auslagerung des Schulbetriebes, und zwar vor Beginn der Abbrucharbeiten.“

Bei den geplanten Sprengungen etwa würden die Kinder jedes Mal aus ihrem Unterricht herausgerissen, ist Teuscher überzeugt, die sich auch in der Bürgerinitiative Glauburgbunker engagiert. „Da gehen mindestens 15 Minuten drauf.“ Bei täglich zwei Detonationen sei das pro Woche ein Ausfall von 2,5 Stunden, rechnet sie vor. „Das ist höchst problematisch!“ Auch die Rüttelbagger, die den Beton aufknacken sollten, würden für eine enorme Lärmbelastung sorgen, über Monate hinweg. Den Kindern werde dadurch „die Aussicht auf einen guten Einstieg auf eine Bildungslaufbahn“ verwehrt.

Nach Ansicht der Eltern ist es nicht abzusehen, „wie die eintretenden Beeinträchtigungen durch Erschütterungen, Vibrationen und Emissionen wie Lärm und Feinstaub in einem Rahmen gehalten werden, der sich nicht nachteilig auf die Gesundheit der Kinder auswirkt“, heißt es in dem Widerspruch des SEB.

Auch berücksichtige die noch nicht erteilte Abrissgenehmigung weder „die Auswirkungen auf die lernpsychologische Entwicklung der Kinder“ noch die „pädagogisch-psychologische Gesichtspunkte“ oder die „psychoakustischen Auswirkungen“.

Die Bauaufsicht geht nicht davon aus, dass eine Auslagerung nötig ist. Das hat sie bei bisherigen Anfragen mitgeteilt. Sie hat den TÜV Süd als externen Gutachter beauftragt, die Lärmprognosen des Investors zu kontrollieren, „dass nicht der Vorwurf entsteht, die Stadt habe die Aussagen des Investors einfach so hingenommen“, sagt Simone Zapke, die Leiterin der Behörde.

Dem TÜV zufolge sei nicht mit gesundheitsgefährdenden Lärmbelastungen zu rechnen. Der Bauherr plane bereits erhebliche Maßnahmen, um die Belastung zu reduzieren, sagt die Amtsleiterin im Gespräch über das Gutachten. Der verbleibende Lärm sei „unvermeidbar, wir können nicht noch mehr Lärmschutz fordern“.

Die Stadt fordere jedoch während der Abbrucharbeiten Dauermessungen, die sie extern überprüfen lassen wolle. Dadurch könne bei Bedarf nachgebessert werden.

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