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Angriff auf Mahnwache

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Von: Sabine Schramek

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Seit dem Beginn des Angriffs auf die Ukraine harrt die Mahnwache vorm Konsulat aus. sabine schramek
Seit dem Beginn des Angriffs auf die Ukraine harrt die Mahnwache vorm Konsulat aus. sabine schramek © Sabine Schramek

Vor russischem Generalkonsulat schlägt ein Mann einer 61-Jährigen mit der Faust ins Gesicht. Der Staatsschutz ermittelt.

Die Frauen und Männer, die seit Beginn des russischen Angriffskrieges mit unzähligen Plakaten, Fotos, Kerzen und Blumen direkt gegenüber vom Generalkonsulat der Russischen Föderation eine Mahnwache abhalten, werden häufig bedroht und bedrängt. Jetzt kam es sogar zu einem tätlichen Angriff.

Iryna und Vera, die aus Sorge vor weiteren Angriffen ihre Nachnamen nicht nennen möchten, sind immer noch fassungslos. Iryna zeigt auf ihre linke Wange, die geschwollen ist. „Gestern früh gegen 8 Uhr hat Vera wie jeden Morgen auf Knien die Kerzen der Mahnwache ausgeblasen, um neue aufzustellen. Gegenüber stand ein Mann, der etwas abseits der Schlange von Wartenden ohne Dokumente in der Hand vor dem russischen Konsulat stand. Er lief zu uns rüber und hat schimpfend gegen die Kerzen getreten. Was er gesagt hat, habe ich nicht verstanden.“

Iryna zückte ihr Handy, machte Fotos. „Da rannte der Typ plötzlich auf mich zu. Ich dachte, er wollte sich das Handy greifen. Er zog an meiner Tasche, die ich festgehalten habe. Dann hat er zugeschlagen. Mit der Faust ins Gesicht. Ich habe ganz laut um Hilfe geschrien“, erinnert sich die kleine zierliche Frau (61) aus der Ukraine, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Noch einen Tag später, am Dienstagmorgen, ist ihre Wange taub, ihre Zähne schmerzen.

Vera kommt aus Cherson, der Stadt am Mündungsdelta des Dnjpr, die als eine der ersten Städte von Russland am 27. Februar überfallen und eingenommen wurde. Vera floh und ist seit April in Frankfurt. Geflüchtet ist sie mit ihrer hochschwangeren Tochter. „Ich habe die Okkupation vor Ort erlebt. Es ist furchtbar. Mein Enkel wurde in Frankfurt geboren“, so die Frau mit aufrechter Haltung und traurigem Blick.

Bisher keine Gewalt

Dass die Frauen und Männer, die seit dem zweiten Tag des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine eine Mahnwache im Oeder Weg gegenüber dem Generalkonsulat der Russischen Föderation abhalten, beschimpft, beleidigt, bedrängt und fotografiert werden, ist „leider oft der Fall. Dass jemand richtig auf uns losgeht, gab es bisher nicht, und wir sind hier seit dem 26. Februar.“

Der Mann, der auf Iryna losgegangen ist, habe auf Deutsch gerufen, sie solle so laut schreien, wie sie wolle, ihr werde niemand helfen. Erst sei er zurück in die Schlange gegangen, als sei nichts gewesen. „Dann ist er gemeinsam mit einer Frau auf das Grundstück des Konsulats. Ich habe einem Mitarbeiter dort noch gesagt, dass der Mann angegriffen hat, aber ohne Erfolg.“

Die Polizei war sofort mit mehreren Einsatzwagen vor Ort. „Die Beamten haben an beiden Eingängen des Konsulats auf den Mann gewartet und mit Mitarbeitern des Konsulats gesprochen“, sagt Iryna. Eine Gebäudekamera habe alles aufgezeichnet. Auf Anfrage bestätigte die Polizei den Vorfall und die vorübergehende Festnahme eines 64 Jahre alten Mannes. Laut einer Mitteilung des Polizeipräsidiums ermittelt nun der Staatsschutz

„Der Mann und die Frau waren längere Zeit auf dem Grundstück des Konsulats. Niemand wusste, ob und wann sie wieder rauskommen“, so Iryna. Mehr als zwei Stunden seien vergangen, bevor die Polizei den Mann festgenommen habe.

„Die Polizisten haben ruhig mit ihm gesprochen. Er war trotzdem total aggressiv. Überall standen Leute, die aus dem Konsulat gekommen sind, und haben versucht, ihn zu beruhigen.“ Erfolglos. „Der hat behauptet, ich hätte ihn geschubst, darum habe er zugeschlagen“, erinnert sich Iryna. „Völlig absurd.“

Der Mann, der sich nach Auskunft der Frauen gegen die Festnahme gewehrt hat, wurde zum Polizeipräsidium gebracht. Laut Polizei sind inzwischen bereits verschiedene Dezernate eingebunden. „Auch der Staatsschutz ist mit der Angelegenheit befasst“, so ein Polizeisprecher. Iryna und Vera wollen sich nicht einschüchtern lassen. Sie setzen ihre Mahnwache fort.

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