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Alles nur wissenschaftliches Interesse? Der Richter bezweifelt das.

Prozess

Pädophilem Therapeuten in Frankfurt droht Berufsverbot

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Im Prozess um Kinderpornos sagt ein ehemaliger Patient und Thailand-Tourist aus.

Sie vertreten die allgemeine Position des Laien“, attestiert der angeklagte Therapeut der Vorsitzenden Richterin. Der Laie, sagt der Therapeut, verbinde mit Kinderpornografie „leidende, schreiende Kinder. So ist es nicht!“ Meist verhielten sich die Kinder in den Filmen „passiv“, mitunter entwickelten sie „Eigeninitiative“. Die Richterin fragt den Therapeuten, ob er einer Laiin verständlich machen könne, ab wann aus wissenschaftlicher Sicht ein Baby auf der Wickelkommode sexuelle Eigeninitiative entwickele. Dem Therapeuten fehlen die Worte. Dieser Zustand ist nicht von Dauer.

Der Therapeut muss sich wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie verantworten. Bei einer Hausdurchsuchung hatten Ermittler Hunderte von kinderpornografischen Bild- und Videodateien bei ihm gefunden, heruntergeladen und angeboten auf einer Tauschbörse. Der Therapeut leugnet das nicht: Er habe die Dateien zu wissenschaftlichen Zwecken gesammelt, „um zu sehen, was alles auf dem Markt ist“. Er leugnet aber, auf einer zweiwöchigen „Therapie-Reise“ einen seiner Patienten zum Kindesmissbrauch angestiftet und dabei gefilmt zu haben.

„Ich wusste nicht, was dort auf mich zukommt“, erinnert sich der Patient als Zeuge an diese Reise. Er sitzt derzeit eine mehrjährige Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs ab. Den Therapeuten habe er als wissenschaftlichen Berater einer Frankfurter Selbsthilfegruppe kennengelernt, die er besucht habe, um gegen seine Pädophilie anzukämpfen, die er bis dahin in Zaum gehalten habe. Der Therapeut habe ihn erst zu Einzelstunden und dann zu einer gemeinsamen Thailand-Reise überredet, um „Ängste abzubauen“, „Dampf abzulassen“, „auszutesten, was möglich ist“.

Das hat der Patient damals nicht nur getan, er hat sich auch dabei filmen lassen. Und zwar vom Therapeuten, sagt der Staatsanwalt, der die Regieanweisungen auf dem Film der Stimme des Therapeuten zuordnet. Der Therapeut leugnet: Der Patient habe damals seine Kamera geklaut. Der Film wurde ebenfalls bei der Hausdurchsuchung entdeckt, Der Therapeut sagt, er habe ihn ausschließlich zu Therapiezwecken asserviert. Er selbst „stehe auf junge Männer“ – ab der legalen 18.

Er habe dem Therapeuten damals nicht bloß die zweiwöchige Reise finanziert, sondern auch noch dessen Lustknaben, klagt der Patient. Und dann habe der Therapeut ihm den Film geklaut und ihn mit einer billigen Kopie abgespeist. „Falls du etwas von meinen Aktivitäten erzählst, mache ich dich platt“, habe der Therapeut ihm geschrieben. „Ich habe die besseren Anwälte. Und eine Kassette geht an die Polizei.“ Da sei er von seinem Therapeuten geheilt gewesen.

Was über Pädophilie in den Massenmedien verbreitet werde, sei alles „sexualisierter Mist“, sagt der Therapeut. Er hat ein Diplom. Die These der Richterin, dass allein der Erwerb von Kinderpornografie den Markt für deren Produzenten schaffe, kontert der Angeklagte, dass das „wissenschaftlich nicht erwiesen“ sei.

Der ursprünglich auf drei Verhandlungstage terminierte Prozess wurde am Donnerstag um mindestens zwei weitere verlängert. Der Prozess wird unter Hochsicherheitsbedingungen geführt, weil die „Krumme 13“ im Internet Live-Berichterstattung angedroht hatte. Die „Krumme 13“ ist ein Verein, der sich für die Legalisierung und gesellschaftliche Akzeptanz von Kindesmissbrauch engagiert.

„Es steht ein Berufsverbot zur Frage“, hatte der Staatsanwalt am Ende seiner Anklage angedroht.

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