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Mitglieder der Clan Pipers bei der Probe.

Frankfurt-Sachsenhausen

40 Jahre kräftig pusten

Die Dudelsackspieler der Clan Pipers feiern am Samstag, 30. August, mit einem großen Konzert Geburtstag. Sie brauchen für ihre Auftritte nicht nur viel Übung, sondern auch eine gute Kondition.

Von Anja Prechel

Selbst die beste Dudelsackband muss proben. Doch: Die Mitglieder der Clan Pipers Frankfurt sitzen um Tische herum und blasen in Instrumente, die aussehen wie große Flöten. Keine Spur von einem Sack, keine Spur von den langen Pfeifen, die charakteristisch sind für das Instrument. Die Flöten sind die Übungsinstrumente der Dudelsackspieler. Jeder Sackpfeifer, so nennt man die Musiker, testet darauf Griffe und Melodien. Erst wenn die sitzen, wird auf dem Sack geprobt. Der Grund wird im Lauf der zweieinhalbstündigen Probe deutlich: Dudelsäcke sind laut. So laut, dass sich manche Spieler beim musizieren mit Ohrstöpseln schützen. Die Übungsflöten dagegen klingen gedämpft, fast schon leise. Sie brauchen kaum Platz. Und viel weniger Puste.

„Dudelsackspielen fühlt sich anfangs an, als müsste man hintereinander mehrere Luftballons aufblasen“, sagt Roland Walther, „manchen wurde dabei schon schwindelig“. Walther ist eines der dienstältesten Mitglieder der Pipers, die zugleich die beste und die älteste Dudelsackband im ganzen Land ist. 1974 von Peter Bergschmidt gegründet, hat sie heute rund 50 Aktive, die sich zu ihren regelmäßigen Proben im Saal der Sachsenhäuser St. Aposteln Gemeinde treffen.

Die Musiker teilen sich in zwei Gruppen auf: die A-Band und die B-Band. Die B-Band spielt auf nicht ganz so hohem Niveau, die A-Band ist der bei der Scottish Pipe Band Association als „Grad 3 A Pipe Band“ gelistet. Vier Grade gibt es insgesamt – „Grad 1 ist der beste, Grad 4 der schlechteste“, erklärt Roland Walther. In Europa spielen wenige Bands auf dem Niveau der Clan Pipers, in Deutschland keine andere.

„Unter den Rock gegriffen“

Der Dudelsack ist ein anspruchsvolles Instrument. Auf die Kondition kommt es an. „Es braucht viel Übung, um einen Ton zu erzeugen“, sagt Walther. Es braucht ebenfalls Übung, Melodien zu spielen: Ein Dudelsack gibt fortwährend einen Ton von sich – Stakkato oder Pausen sind nicht möglich. Man spielt stattdessen Verzierungsnoten, muss reflexartig kleine Zwischentöne greifen, zum Beispiel um einen Ton zu trennen. Gute Koordination ist außerdem gefragt: Atmen und gleichzeitig spielen und dabei auch noch herumlaufen – bei einem Auftritt steht die Band nicht still, sie läuft und formiert sich dann zu einem Kreis.

Als Walther Anfang der 80er Jahre seine ersten Auftritte mit den Clan Pipers hatte, waren die Reaktionen noch schräg. „Uns wurde sogar schon unter den Rock gegriffen“, erinnert er sich. Bei jedem Auftritt trägt die Band Kilt im eigenen Muster – so will es die Tradition. In den 1990er Jahren wurde das Instrument dann populärer. Und die Clan Pipers immer gefragter. „Wir haben einen Airbus eingeweiht, mit André Rieu im ausverkauften Stade de France gespielt und auch schon für Rod Stewart.“

Man nimmt an, dass der Dudelsack seinen Ursprung in Indien hat, sich dann ausbreitete und in der Hochzeit der Bordunmusik ein beliebtes Instrument bei Hofe war. Bordunen sind die Pfeifen, die oben aus dem Sack ragen, sie erzeugen den brummenden Ton. Auf dem Chanter am unteren Ende wird die Melodie gespielt. Spielen kann man alles, was nicht mehr als neun Töne hat. Auch Rocksongs wie AC/DCs Thunderstrack.

Trommler gibt Takt vor

Dafür muss man den Dudelsack aber erst einmal aufblasen. So wie die Frauen und Männer bei der Probe, die nun ihre großen Instrumente aus den Koffern holen. Sie pusten, sie klopfen auf die prallen Säcke. Dann formieren sie sich im Kreis und schieben ihre Säcke wie auf Kommando unter den Arm. Kein Ton entweicht. „So muss das sein“, sagt Walther. Man beginnt immer gemeinsam, immer mit einem E. Und immer erst, nachdem die Trommler den Takt vorgegeben haben. Denn wie zu jeder Dudelsackband gehören auch zu den Clan Pipers Trommler. Sie üben in einem anderen Raum und werden später zur gemeinsamen Probe zu den Sackpfeifern dazukommen. (pia)

Die Clan Pipers treten am Samstag, 30. August, auf der Bühne der Neu Isenburger Hugenottenhalle zu ihrem 40. Jahrestag auf. www.clanpipers.com

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