1. Startseite
  2. Frankfurt

Anders leben in Frankfurt

Erstellt:

Von: Christoph Manus

Kommentare

Die Gruppe „GoN Artgenossen“ würde gern am Frankfurter Hilgenfeld wohnen. Doch es geht nicht voran. Ähnliche Probleme haben gerade mehrere Wohnprojekte.
Die Gruppe „GoN Artgenossen“ würde gern am Frankfurter Hilgenfeld wohnen. Doch es geht nicht voran. Ähnliche Probleme haben gerade mehrere Wohnprojekte. © Rolf Oeser

Die Frankfurter Rundschau beantwortet Fragen zu gemeinschaftlichen und genossenschaftliche Projekten in Frankfurt und Region.

Worum geht es beim gemeinschaftlichen Wohnen?

Um den Wunsch, auf eine andere Weise zu wohnen: gemeinsam, solidarisch, mit dauerhaft günstigen Mieten und ohne Furcht, die Wohnung zu verlieren.

Wie viele solcher Wohnprojekte gibt es in Frankfurt?

Das lässt sich schwer einschätzen. Gruppen, die gemeinsam leben, gibt es schon sehr lange. Dem im Jahr 2005 gegründeten Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen gehören 41 realisierte Projekte an, in denen rund 700 Menschen leben. Zwölf weitere Vorhaben, in denen Wohnraum für etwa 300 Menschen entstehen könnte, sind derzeit in Planung oder im Bau.

Deckt das den Bedarf?

Bei weitem nicht. Der allergrößte Teil des Wohnungsangebots ist an den Bedürfnissen von Paaren und Kleinfamilien ausgerichtet. Neubauwohnungen haben gerade in Frankfurt meist höchstens vier Zimmer. Familien mit mehr als zwei Kindern und Menschen, die in größeren Gemeinschaften leben wollen, zum Beispiel generationenübergreifend, haben es sehr schwer, etwas zu finden.

Unterstützt die Stadt Frankfurt den Bau solcher Wohnprojekte?

Durchaus. Schon weil sie sich von ihnen nicht nur dauerhaft niedrige Mieten und eine positive Wirkung auf die Quartiere, in denen diese entstehen, verspricht. Seit einigen Jahren vergibt sie deshalb etwa Immobilien und Grundstücke, die zuvor wenig oder nicht genutzt wurden, zum Festpreis nach bestem Konzept an solche Gruppen ohne Renditeinteresse. Wohnprojekte haben es traditionell sehr schwer, auf dem abgegrasten und überteuerten Frankfurter Immobilienmarkt Flächen zu finden. Doch der städtische Baulandbeschluss könnte das ändern.

Inwiefern?

Seit Mitte 2020 gilt: Investoren müssen auf 15 Prozent der Flächen in neuen Baugebieten gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen ermöglichen. Projektgruppen könnten in diesen Arealen prinzipiell viele Hundert Wohnungen schaffen. Doch es gibt immer noch viele Hürden.

Welche Probleme genau?

Nicht erst seit der Corona- und der Energiekrise haben es die Gruppen schwer, so zu bauen, dass sie die von ihnen angestrebten niedrigen Mieten erzielen können. Das liegt etwa an den Erbpachten, die an die Bodenrichtwerte gekoppelt und dadurch stark gestiegen sind. Nun kommen Materialengpässe und hohe Baupreise hinzu.

Wie kann ich Kontakt zu einer gemeinschaftlichen Wohngruppe aufnehmen?

Viele Informationen zu Gruppen, die bauen wollen und noch Mitglieder suchen, sind auf der Homepage des Netzwerks für gemeinschaftliches Wohnen (www.gemeinschaftliches-wohnen.de) zu finden, die auch sonst den besten Überblick für Menschen bietet, die sich für gemeinschaftliches Wohnen in Frankfurt interessieren.

Was ist mit Menschen, die außerhalb Frankfurts Beratung zum Thema suchen?

Seit gut einem Jahr gibt es auch eine Landesberatungsstelle, an die sich Projekte und Kommunen kostenlos wenden können. Mehr Infos und Kontakt unter www.wohnprojekte-hessen.de

Zusammengestellt von Christoph Manus

Auch interessant

Kommentare