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Corona-Lockerungen in Frankfurt
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Corona-Lockerungen in Frankfurt

Gastronomie

Öffnung der Gastronomie in Frankfurt: An den Tresen zieht’s nur wenige

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Seit Montag ist die Innengastronomie in Frankfurt für Gäste mit Negativtest geöffnet. Der Andrang ist jedoch verhalten. Ein Ortsbesuch.

Frankfurt – Endlich wieder ein frisch gezapftes Bier trinken, sagt der Mann. Es ist 13.30 Uhr. Er sitzt am Tresen der Binding-Schirn am Römerberg. Seinen Namen mag er nicht in der Zeitung sehen, einen aktuellen negativen Coronatest zeigt er aber vor. Ordnung muss sein. Seit Montag dürfen Frankfurterinnen und Frankfurter wieder drinnen einkehren. Mit Test. Draußen dürfen sie auch ohne.

Mit Abstand sitzt ein zweiter Mann beim Mittagsbier. Sieben Monate waren sie nicht mehr da. So sehr sie sich freuen, dass sie wieder hineindürfen: „Es ist auch traurig zu sehen, wer alles nicht mehr kommt“, sagt Mann Nummer zwei. Einige Gäste sind verstorben, mit und ohne Corona.

Offene Innengastronomie in Frankfurt: Noch läuft es schleppend

Heute sind die zwei die einzigen Gäste. Sie können alle Corona-Regeln genau aufzählen. Das ist beeindruckend, immerhin ändern die sich ständig. Die Stadt hat sogar just eine Kampagne lanciert (siehe nebenstehenden Artikel) mit dem Tenor: Gastro, Handel und Hotels haben wieder auf. Kommt alle!

Herumgesprochen hat sich das am Montag noch nicht so recht. In den Kneipen und Cafés sitzt kaum jemand. Nur davor. An der Hauptwache, die Neue Kräme entlang, am Friedrich-Stoltze-Platz, ob Eiscafé, Burgerladen oder Bistro. Drinnen keine Kundschaft. „Schleppend“ laufe es an, sagt das Team Farhang Morshedi und Marianne Mavros vom Café Karin am Großen Hirschgraben.

Frankfurt: Wetter spielt bei Öffnung der Innengastronomie nicht mit

Vielleicht vier Gäste haben sich seit dem Morgen innen aufgehalten, geimpft oder mit Test. Das Wetter spiele ihnen nicht in die Karten, es ist wenig los in der Stadt. Dennoch seien sie optimistisch: „Wir sind einfach nur froh, dass wir wieder öffnen können.“ Das alleine ist für die Gastro nach sieben Monaten eine Herausforderung, wie sich vielerorts zeigt. Viele Aushilfen haben sich nach anderen Jobs umgesehen, die Lokale müssen neue Bedienungen anlernen. „Wir packen selbst mit an“, sagen Mavros und Morshedi.

Wenn sie bei der Stadt einen Wunsch frei hätten, wäre das: Zuspruch. Unterstützung durch gute Ideen. Die bereits erwähnte Kampagne sei ein guter Schritt. Auch, dass die Gastronomie mehr Terrassenfläche nutzen dürfe. Ansonsten freuen sie sich, dass sie in einem sicheren Land leben, in dem es Hilfen gibt, wenn sie auch verspätet kamen.

Innengastronomie-Öffnungen in Frankfurt: Urlaub am Essenstisch

So sieht das auch Sevil Erdinç-Çakici vom Café Roseli an der Weißadlergasse. Endlich dürfe sie wieder öffnen, sagt sie. Seit Februar hält sie sich und den Betrieb mit Speisen zum Mitnehmen über Wasser. Alleine schon, um beschäftigt zu sein und nicht vor lauter Sorge durchzudrehen. Die ungewohnte Freizeit hat sie zudem genutzt, die Social-Media-Kanäle auszubauen und das Angebot zu erweitern, mehr Veganes und Glutenfreies anzubieten.

Auch in der Apfelweinkneipe Dauth-Schneider hält sich der Ansturm auf den Innenbereich in Grenzen. Gerade einmal drei Gäste habe die Wirtschaft heute im Lokal empfangen, trotz des schlechten Wetters habe es die restlichen Besucher auf die Terrasse verschlagen. „Das könnte durchaus zum Regelfall werden“, sagt die Mitarbeiterin des Familienbetriebs, Lorna O’Sullivan. „Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Menschen aus Angst vor Aerosolen überhaupt den Innenraum meiden.“ Für die kommende Woche seien bereits zahlreiche Reservierungen für die Terrasse der Sachsenhäuser Kneipe eingegangen.

Wo sonst im Sommer bei schlechtem Wetter der Innenbereich einen Ausweichort darstellt, muss wegen der aktuell geltenden Testpflicht ein neuer Plan her. Für die Gastronomin bedeutet das Bewirten ohne Test auf der Terrasse aber auch das Ende einer „unangenehmen Sicherheitsschleuse. Mit den Formalitäten fühlten wir uns wie am Flughafen. Während der Urlaub nach den Kontrollen erst im Flieger beginnt, konnten unsere Gäste erst am Tisch den Abend genießen“, sagt O’Sullivan.

Öffnungen für Innengastronomie in Frankfurt: Entlastung für die Branche

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bewertet die neue Regelung als enorme Entlastung für die Branche. „Die Testpflicht im Außenbereich war gerade für spontane Cafébesuche oder den Wein am Abend ein Hemmschuh“, sagt der hessische Geschäftsführer Julius Wagner. Der bereits bestehende Perspektivplan, der sich an den lokalen Inzidenzen orientiere, müsse jetzt um das verringerte Infektionsgeschehen komplettiert werden. „Hotels und Restaurants brauchen weitere Planungssicherheit. Auf lange Sicht bedeutet das auch, dass die Testpflicht im Gastraum entfallen muss, wenn es die Inzidenzen zulassen“, fordert Wagner.

Mit der Öffnung der Innengastronomie komme ein aus dem vergangenen Jahr bekanntes Problem auf. Wegen der Abstandsregelungen könnten gerade kleinere Betriebe nicht kostendeckend arbeiten, meint Wagner. „Dennoch können wir entschieden sagen: Endlich geht es bergauf.“

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