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Romy Gaines nimmt europaweit in Studios auf. Bald ist sie aber auch in Los Angeles für Aufnahmen.

Romy Gaines

Pop-Poetin auf dem Weg nach oben

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Die Frankfurter Pop-Poetin Romy Gaines ist 23 und könnte bald in der Popwelt ganz weit oben mitspielen. Einer ihrer Produzenten ist der Kölner Reggae-Star Patrice. Mit dem arbeitet sie gerade an ihrem Debütalbum.

Romy Gaines fällt sofort auf, sobald sie einen Raum betritt: Sie sieht aus wie die Tochter von Milla Jovovich und James Dean. Sie hat diesen androgynen Look, ist 1,78 Meter groß. Auf ihrem Goldkettchen steht in geschwungenen Buchstaben „Romy“. So lautet ihr Name auch in der Geburtsurkunde. Aber nicht nur ihr Aussehen hat etwas, das sie außergewöhnlich macht: Die 23-jährige Frankfurter Pop-Poetin steht im lockeren weißen T-Shirt auf der Bühne des hippen Bahnhofsviertel-Clubs Oye: Sie spielt Gitarre, strahlt und singt. Sie bleibt selbst gelassen, als die Soundanlage kurz ausfällt. Gerade arbeitet sie an ihrem Debüt-Album. Einer ihrer Produzenten ist der deutsch-afrikanische Reggaesänger und Songwriter Patrice.

Ihre Stimme ist keine von den beliebigen Britney-Wannabe-Pop-sternchen, die man wieder vergessen hat, sobald man das Radio ausschaltet. Ihre Stimme ist fragil und hat gleichzeitig etwas Cooles und Lebendiges an sich. Eine Textzeile lautet: „We are young, don’t be scared about it. We are still alive.“

„In vielen meiner Songs geht es um das Gefühl, lebendig zu sein“, erzählt Romy vor ihrem Auftritt im Café Plank in der Münchener Straße. „Es ist doch irgendwie paradox: So viele Menschen sterben gerade. Und die, die leben, spüren das Leben gar nicht mehr“, sagt sie. Diese „What’s-App-Welt“ sei ihr fern. Romy schreibt den ganzen Tag, egal wo: auch auf dem Weg zur U-Bahn. Und zwar nicht in ihr Smartphone, sondern ganz „Old School“ in ein Notizbuch. Sie lacht und holt es aus ihrem Rucksack. „Ich laufe mit meinem Notizbuch und schreibe auf, wie die Leute auf der Straße total abwesend, den Blick nach unten, so zombiemäßig in ihre Handys schauen, und sie bekommen nicht mal mit, dass ich mir gerade über ihre Abwesenheit Notizen mache.“ Das Erste, was sie macht, wenn sie um 8 Uhr morgens bei Kippe und Kaffee sitzt, ist es, Songtexte aufzuschreiben, sagt sie.

Romy ist in Frankfurt geboren, im Dichterviertel in Eschersheim wächst sie auf. Zweisprachig. Die Mutter ist Deutsche, der Vater Engländer. Die Familie des Vaters lebt aber schon viele Jahre in Schottland. Seit ihrer Kindheit ist sie viermal im Jahr in Edinburgh zu Besuch. „Ich bin ein echtes Frankfurter Mädchen, aber das Schottische ist auch ein Teil von mir.“ Als Achtjährige fängt sie an, ihre englischsprachigen Gedichte zu vertonen. „Englisch war für mich früher eine Geheimsprache, weil meine Freunde, als wir klein waren, kein Englisch konnten.“ Immer wenn ihre Eltern nicht da waren, habe sie ihren bunten Sony-Kassettenrekorder mit Mikrofon rausgeholt und ihre gesungenen Gedichte aufgenommen. „Die Kassetten habe ich bis heute.“ Eine davon hat sie auch als Tattoo auf der Innenseite ihres Unterarms tätowiert.

„Ich habe immer heimlich meine Lieder gesungen. Ich hatte auch nie den Drang, das irgendjemandem zu erzählen.“ Als Teenie habe sie viel Soul und Jazz gehört: Amy Winehouse, Björk, Nina Simone, Dinah Washington und Coco Rosie. Sie lernte Geige, sang im HR-Kinderchor: auch Soli. „Das aber waren eher klassische Stücke.“ Erst mit 19, in ihrem Abi-Jahr am Lessing-Gymnasium im Westend mit Schwerpunkt Musik, wurde ihr klar, dass es ihr nicht mehr reichte, alleine für sich zu spielen.

„Meinen ersten Auftritt hatte ich bei einer Trauerfreier.“ Der beste Freund eines Freundes hatte sich erhängt. „Ich stand in der Aula auf der Bühne und habe vor 450 Leuten gesungen. Bis dahin wusste nicht mal meine Mutter, mit der ich sehr eng bin, dass ich so singen kann.“ Nach dem Auftritt sei sie nach Hause gegangen und habe ihren Eltern gesagt: „Leute, passt mal auf: Ich werde Musikerin.“ Das war ein kleiner Schock für sie. „Aber dann habe ich meine Gitarre rausgeholt und ihnen etwas vorgesungen.“ Sie waren schnell überzeugt. Sie gründete eine Band mit den Schul-Jungs, die vorher mit dem verstorbenen Jungen Musik gemacht hatten. Zwei Jahre spielte sie mit ihnen: in Kneipen, Clubs, auf der Straße oder im Beduinenzelt bei der Sommerwerft. „Wir haben alles mitgenommen. Aber irgendwann wollten die Jungs lieber BWL oder Medizin studieren.“

Zeleke ist gut in der Musikwelt vernetzt

Als Romy musikalisch plötzlich allein war, lernte sie über ihren Vater, der ein Übersetzungsbüro hat, den Frankfurter Clubmacher Mengi Zeleke kennen. „Er hörte meine Stimme, und am nächsten Tag war er mein Manager.“ Zeleke ist gut in der Musikwelt vernetzt, ist eng befreundet mit Musikern wie Max Herre, Jan Delay oder eben auch Patrice.

„Ich produziere meine Sachen in meinem Home-Studio im Keller meiner Eltern vor. Dann gehe ich mit der Kiste meiner Vorproduktionen in die großen Studios und setze mich mit verschiedenen Produzenten nochmal dran: Jeder bringt da seinen Style rein. Das ist dann eine Symbiose.“ Romy pendelt so gerade zwischen Studios in Köln, Mainz, Berlin, London. „Demnächst fliege ich für Aufnahmen nach Los Angeles.“ Laut ihrem Manager Zeleke wollen sie viele Plattenlabels. Zu welchem sie gehen wird, sei aber noch nicht entschieden.

„Ich versuche, noch nicht so viel live aufzutreten, weil ich mich jetzt auf die Produktion meines Albums konzentrieren will“, sagt sie. Nur ab und zu und spontan hört man sie im Zelekes Club Oye singen. Oder als VorBand von Patrice. Mit dem hat sie sich gerade in eine Waldhütte mit Studio zurückgezogen. „Da werden wir in den nächsten zwei Wochen an meinem Album arbeiten.“

Dass es keine Youtube-Videos von Romy zu sehen gibt, ist bewusst gewählt. „Irgendwann wird es einen großen Knall geben, und alle wissen Bescheid, dass mein Album erscheint.“

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