Justiz

Das Amtsgericht Frankfurt wird 75 Jahre alt

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Am 16. Juli 1945 nahm das Frankfurter Amtsgericht unter schwierigen Bedingungen seinen Betrieb wieder auf. Erstmals seit 1933 gab es in der Stadt wieder rechtsstaatliche Verfahren.

Die Stimmung an diesem Montagnachmittag soll feierlich gewesen sein. Vor 75 Jahren, am 16. Juli 1945, wurde das Frankfurter Amtsgericht wiedereröffnet. Bei der offiziellen Zeremonie leisteten im Beisein von Oberstleutnant Robert K. Phelps, der seit der Besetzung Frankfurts durch US-Truppen im März 1945 die Geschicke der Stadt leitete, sieben Richter, drei Staatsanwälte und 35 Notare und Rechtsanwälte ihren Amtseid – darunter auch sieben Anwältinnen.

Oberstleutnant Phelps sagte in einer Ansprache, die Stärke der Justiz erwachse aus dem Vertrauen, das sie bei der Bevölkerung genieße. Als erstes Gericht der Stadt konnte das Amtsgericht damit seinen Betrieb wieder aufnehmen – in durch die Bombenangriffe von 1943 und 1944 beschädigten Gebäuden.

Dass im völlig zerstörten Frankfurt somit schon ab Juli 1945 wieder rechtsstaatliche Gerichtsverfahren geführt werden konnten, war alles andere als selbstverständlich. Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 hatte es keine unabhängige Justiz mehr gegeben, auch in Frankfurt waren jüdische und regimekritische Juristen aus dem Dienst entfernt worden. Die Rechtsprechung der Stadt war von Nationalsozialisten und Opportunisten beherrscht gewesen, bis die US-Armee im März 1945 alle Gerichte auflöste.

Im April 1945 hatten dann als unbelastet eingestufte Frankfurter Richter und Anwälte im Auftrag der US-Armee in einem städtischen Untersuchungsausschuss überprüft, wie stark die Juristinnen und Juristen der Stadt in das NS-Unrechtsregime verstrickt waren.

Unbelasteter Präsident

Bereits am 9. Juli 1945 war Leo Graf Lanckoronski zum Präsidenten des neu zu bildenden Amtsgerichts ernannt worden. Lanckoronski, 61 Jahre alt, entstammte dem schlesischen Hochadel und war als Frankfurter Amtsgerichtsrat 1937 von den Nazis in den Ruhestand versetzt worden – wohl unter anderem deshalb, weil er mit Maria Wertheimer verheiratet war, die aus einer jüdischen Familie stammte. Lanckoronski leitete das Amtsgericht bis 1949.

Die US-Militärverwaltung war mit dem wiedereröffneten Amtsgericht zufrieden und zeigte sich bald beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit dort unter den äußerst schwierigen Bedingungen der frühen Nachkriegszeit gearbeitet wurde.

Erich Fischer, Präsident des Amtsgerichts Frankfurt, sagte zum 75-jährigen Jubiläum, er sei stolz, „dass nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs seit 75 Jahren hier demokratisch Recht gesprochen wird“. Es sei auch den Anstrengungen der Anfangszeit 1945 zu verdanken, dass sich das Amtsgericht mit heute etwa 1000 Beschäftigten und 140 Richterinnen und Richtern zur größten Justizbehörde in Hessen und zum drittgrößten Amtsgericht bundesweit habe entwickeln können.

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