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Stephan Deusinger ist seit 2017 nicht mehr im Ortsbeirat 1, wohl aber noch in der Stadtverordnetenversammlung.
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Stephan Deusinger ist seit 2017 nicht mehr im Ortsbeirat 1, wohl aber noch in der Stadtverordnetenversammlung.

Stephan Deusinger

Frankfurt: Randale mit fast drei Promille – Amtsgericht verurteilt Ex-Stadtverordneten

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Ein ehemaliger Stadtverordneter in Frankfurt wird wegen Trunkenheit am Steuer und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt. Es ist nicht sein erster Konflikt mit der Justiz.

Frankfurt - Stephan Deusinger sieht nicht nur a bisserl aus wie ein österreichischer Bundesminister, er ist auch entsprechend qualifiziert. Nach eigenen Angaben ist er „im Verein ,Freunde Frankfurts‘, im ,Altstadt Investor Club‘, im Jugendchor Eschersheim, im Frankfurter Rennklub 2010, im Kirchenvorstand und Vizepräsident der Tafelkulturstiftung“. Bis März dieses Jahres war er auch noch Stadtverordneter der CDU.

Und auch sonst scheint Deusinger für jeden Spaß offen zu sein. Im November 2020 etwa hatte ihn das Amtsgericht Frankfurt wegen Fälschung von Wahlunterlagen zu einer Geldstrafe von 12.000 Euro verurteilt. Deusinger hatte sich in den Ortsbeirat 1 geschummelt. Um dort reinzukommen, muss man in dem Bezirk wohnen. Deusinger hatte gesagt, er wohne dorten in einer Studentenverbindung. Von seinen Bundesbrüdern aber hatte ihn nie jemand dort wohnen gesehen. Das läge wohl daran, hatte Deusinger geflunkert, dass er alldieweil in seinem Studentenbüdchen so hart an seiner juristischen Doktorarbeit „Einstellungen zu Recht und Gesetz“ gewerkelt habe.

EX-Stadtverordneter der CDU zum zweiten Mal vom Amtsgericht Frankfurt verurteilt

Am Freitag (19.11.2021) nun hat das Amtsgericht Deusinger abermals verurteilt, diesmal zu 170 Tagessätzen à 25 Euro wegen Autofahrens unter Alkoholeinfluss und ohne Führerschein sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Der damalige Stadtverordnete war am 6. Juni 2020 mit seiner Ehefrau in Eschersheim in eine Verkehrskontrolle geraten, gegen die er sich mit Mitteln gewehrt hatte, die sonst eher Domäne der außerparlamentarischen Opposition sind. Er schimpfte und tobte, trat einem Beamten gegen das Schienbein, ließ sich zu Boden plumpsen, schrie die Nachbarschaft mit den Fake News, seine Frau werde soeben vergewaltigt, aus den Betten. Auf der Wache tat er den Beamten kund, er habe beste Kontakte ins Polizeipräsidium und ihre Karrieren sei hiermit beendet – obwohl es sich im realen Leben genau andersrum verhält. Ein Alkoholtest ergab ein Ergebnis, das selbst einem gestandenen CSU-Politiker ein anerkennendes „Ja Herrschaftszeiten!“ entlocken muss: um die drei Promille!

Angesichts der erdrückenden Beweislage und der bemerkenswerten Alkoholisierung ist vor Gericht nur die Frage, ob das fidele Ehepaar sich damals bloß in die verminderte Schuldfähigkeit oder bereits in die totale Schuldunfähigkeit gesoffen hatte. Das Gericht entscheidet sich für Ersteres und verurteilt Deusingers Ehefrau wegen versuchter Gefangenenbefreiung en passant zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à zehn Euro.

Frankfurt: „Blödsinnig, ohne Verstand“, aber letztlich halb so wild

Deusingers Verteidiger nennt das Verhalten seines Mandanten an jenem Tag „widersinnig, blödsinnig, ohne Verstand“, aber letztlich halb so wild. Tritte gegen Schienbeine etwa sehe man jedes Wochenende in Fußballstadien und die klage ja auch niemand an. Und zu glauben, sein Mandant sei ein Spezi der Polizeiführung oder könne außer seiner eigenen irgendeine Karriere beenden – „das ist doch idiotisch!“

Deusinger-Experten gehen davon aus, dass der streitbare Kommunalpolitiker in die Berufung gehen wird, alleine schon aus Tradition, denn damit hatte er es auch schon beim vergangenen Urteil versucht, und schaden kann es ja nichts. „Seine Bekannten, Freunde und Kollegen schätzen ihn besonders für seine Omnipräsenz“, schreibt Deusinger über sich selbst auf seiner Homepage. Der Frankfurter Justiz geht es mittlerweile ebenso. (Stefan Behr)

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