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Das Amtsgericht verurteilt den 27-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten.

Prozess

Gefängnisstrafe für Unfall mit Todesfolge in Frankfurt

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Ein Autofahrer brettert mit seinem Audi zu schnell um die Kurve, verliert die Kontrolle und tötet ein Kind. Das Amtsgericht spricht nun sein Urteil.

Am 20. September 2015 ist Janusz G. gegen 22.30 Uhr am Steuer eines Audi A6 auf dem Theodor-Stern-Kai unterwegs. Seine vier Kumpels haben ihn als Fahrer auserkoren, das Quintett hat ein wenig in Frankfurt gefeiert und ist auf dem Nachhauseweg nach Weiterstadt. Janusz G. hat keinen Alkohol im Blut, aber Amphetamin, und sein Tempo, werden Gutachter später schätzen, liegt irgendwo zwischen 75 und 85 Kilometern pro Stunde.

Janusz G. überholt andere, bemerkt zu spät, dass er auf einer Abbiegespur ist, zieht das Auto nach rechts, fährt über eine Verkehrsinsel – und hebt ab. In der Luft dreht sich der Audi um die eigene Längsachse und kracht in einen entgegenkommenden Opel Corsa. In dem Opel sitzen Mohamed L. und seine acht, elf und zwölf Jahre alten Söhne. Sie haben gerade den vierten Sohn, der mit Bronchitis in der Uni-Klinik liegt, besucht, und sind auch auf dem Heimweg.

Als Janusz G. wenige Minuten nach dem Aufprall wieder bei Sinnen ist, sieht er den Audi, der sich in den Corsa gebohrt hat. Er sieht dessen schwerverletzten Fahrer – „und die Kinder … die Kinder waren auf der Rückbank eingeklemmt … das hat mich völlig fertig gemacht“. Er sieht seine Freunde, alle zusammen mit zwei Platzwunden, einer Nasenbeinprellung und einem Schlüsselbeinbruch davongekommen. Er sieht auf seine Unterarme, dort sind Kratzer, sonst fehlt ihm nichts.

Als Mohamed L. drei Tage später im Krankenhaus zu sich kommt, sitzt seine Frau an seinem Bett. Sie sagt ihm, dass ihr elf Jahre alter Sohn an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben ist. Auch ein anderer Sohn ist schwer verletzt, wird aber durchkommen. Der dritte hat nur eine Gehirnerschütterung. Mohamed L. hat sich bis heute nicht von dem Unfall erholt, nicht körperlich und nicht seelisch, seinen Beruf als Busfahrer hat er aufgeben müssen.

Unangemessene Heiterkeit

Die Polizisten, die den Unfall aufnehmen, erinnern sich noch dreieinhalb Jahre später im Zeugenstand an vier leichtverletzte Polen, die dafür, dass sie soeben in einen tödlichen Unfall verwickelt waren, absolut unangemessene Späßchen getrieben hätten. Und an einen, abgesehen von ein paar Kratzern, unverletzten Mann, der wie ein Häufchen Elend am Straßenrand gekauert habe.

Janusz G. wird festgenommen – und kurz danach nach Polen ausgeliefert. Er wird per Haftbefehl gesucht, nachdem er dort wegen zwei Schlägereien zu Bewährungsstrafen verurteilt worden war. Da er aber gegen die Bewährungsauflagen verstoßen hatte, indem er 2012 nach Deutschland ausreiste und den Verprügelten auch keinen Schadensersatz zahlte, war die Haftstrafe wieder aktuell. In Polen wird er erst einmal vor Gericht gestellt und wegen eines Verkehrsunfalls aus dem Jahr 2011 verurteilt: Damals war G. mit zu hohem Tempo auf einen Wagen aufgefahren, in dem eine Familie saß. Die Familie hatte Glück: Die Eltern kamen mit Knochenbrüchen, das Kind mit einer Gehirnerschütterung davon. Mitsamt den Schlägereien verurteilt ihn das polnische Gericht zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und zwei Monaten, von denen G. zwei Drittel absitzt, bis der Rest auf Bewährung ausgesetzt und er nach Deutschland überstellt wird.

Dort sitzt der 27 Jahre alte G. nun am Freitag wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Der gelernte Maler und Tapezierer, der in Deutschland auf Baustellen gejobbt hat, gibt sich dort ebenso geständig wie zerknirscht. Auf die Frage der Richterin, in welchem Land er denn seine Zukunft sähe, antwortet G.: „Ich möchte gerne hierbleiben.“

Und das ist offensichtlich auch im Interesse des Amtsgerichts, denn es verurteilt G. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten. Seinen Führerschein ist er für mindestens zwei Jahre ebenfalls los.

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