Amtsgericht

Urteil für Urlauber

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Pauschalreisende können ihr Geld auch dann zurückverlangen, wenn zur Zeit der Stornierung noch keine Reisewarnung für das entsprechende Gebiet vorliegt. Entscheidend sei das reale Risiko vor Ort, argumentiert das Amtsgericht Frankfurt.

Reisende dürfen bereits geleistete Zahlungen für Pauschalbuchungen auch dann zurückverlangen, wenn zum Zeitpunkt ihrer Stornierung noch keine explizite Reisewarnung für das Gebiet vorliegt. „Eine gewisse Wahrscheinlichkeit“ für eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Coronavirus im Reisegebiet sei dafür ausreichend, heißt es in einem vom Amtsgericht Frankfurt am Montag veröffentlichten Urteil.

Im konkreten Fall hatte ein Reisender im vergangenen Jahr bei einem in Frankfurt ansässigen Reiseveranstalter einen einwöchigen Hotelaufenthalt mit Flug auf der italienischen Insel Ischia gebucht und dafür 325 Euro Anzahlung geleistet. Am 7. März stornierte der Kunde die für den 14. April geplante Reise im Hinblick auf die in Italien bereits starke Ausbreitung der Pandemie. „Aufgrund der Vorkommnisse bitte ich um Nachsicht und auf die Gebühr zu verzichten“, heißt es in der Mail an das Unternehmen. Der Reiseveranstalter verwies allerdings auf seine Geschäftsbedingungen, nach denen der Kunde nicht nur die Anzahlung, sondern darüber hinaus weitere Kosten, insgesamt 25 Prozent des Reisepreises, als Stornogebühr leisten sollte. Der Kunde ging nun seinerseits in die Offensive und beauftragte ein Inkassobüro, die bereits geleistete Anzahlung zurückzufordern. Der Fall landete schließlich vor Gericht.

Das Amtsgericht gab der Klage in Bezug auf die bereits geleistete Anzahlung statt. Entscheidend sei, ob die Gegebenheiten am Urlaubsort zum Zeitpunkt der Stornierung „bereits als außergewöhnliche Umstände zu qualifizieren waren“. Grundsätzlich seien an die Darlegung des Reisenden hierzu keine allzu strengen Anforderungen zu stellen. Reisewarnungen für das Reisegebiet etwa seien nicht zwingend erforderlich. Das Urteil ist rechtskräftig.

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