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Stalking
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Der Weiße Ring geht beim Stalking von einem „riesengroßen“ Dunkelfeld aus.

Dämliche „Gegenklage“

Frankfurt: Das befremdliche Verhalten eines Stalkers vor Gericht

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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In Frankfurt muss sich ein Wiederholungsstalker vor dem Amtsgericht verantworten. Ihm droht die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

Frankfurt - Laut eines etwas älteren psychiatrischen Gutachtens leidet Antonio B. an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Was grob vereinfacht in etwa heißt, dass B. sich selbst liebt. Daraus kann man ihm keinen Vorwurf machen, denn einer muss es ja tun, und dem Rest der Menschheit macht es der gelernte Bankkaufmann schwer, ihn auch nur halbwegs erträglich zu finden.

Der 48 Jahre alte B. muss sich am Dienstagmorgen (31.08.2021) vor dem Amtsgericht Frankfurt wegen Stalkings verantworten. Im Juni 2019 hatte er sich laut Anklage am Hauptbahnhof in eine ihm bis dato völlig unbekannte Studentin verguckt. Für die junge Frau begann eine Leidenszeit: Erst lauerte B. ihr immer wieder nahe dem Hauptbahnhof auf, dann verfolgte er sie bis auf den Campus, am Ende machte er auch vor ihrer Familie nicht halt. Die Studentin sah sich schließlich gezwungen umzuziehen, bis heute leidet sie an Schlafstörungen und Angstzuständen.

Frankfurt: Schon 2007 muss sich der Stalker wegen „Nachstellung“ verantworten

Das eingangs erwähnte Gutachten stammt aus dem Jahre 2007. Schon damals musste B. sich wegen Stalkings, auf gut juristisch „Nachstellung“, vor dem Amtsgericht verantworten. Er hatte sich beim Busfahren in eine junge Mitfahrerin verliebt und diese zwei Jahre lang mit seiner Liebe verfolgt und belästigt.

Als „dreist gelogen“ bezeichnet B. sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Auch den, dass er im Juli 2019 auf dem Opernplatz zwei Frauen verprügelt habe. Das sei klare „Notwehr“ gewesen. Die zwei Frauen hätten sich unverhältnismäßig „gegen eine lediglich verbale Ansprache“ gewehrt, die „nicht einmal besonders laut“ gewesen sei, assistiert seine Verteidigerin. Das Amtsgericht sah das anders und hatte ihn wegen Körperverletzung verurteilt, das Landgericht erst in diesem Sommer auf B.s Berufung hin das Urteil bestätigt. Egal. „Ich bin unschuldig“, damals wie heute, beteuert B.

Amtsgericht Frankfurt: Stalker kontert mit „Gegenklage“

Diese Behauptung kann am Dienstagmorgen nicht verifiziert werden, denn kurz nach Verhandlungsbeginn stellt der Staatsanwalt den Antrag, B. erneut begutachten zu lassen und den Fall dann möglicherweise am Landgericht zu verhandeln. Denn angesichts der Umstände könnte es nicht bloß das Beste für B., sondern auch für die Damenwelt sein, wenn der Mann dauerhaft in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen würde – eine Entscheidung, die außerhalb der Amtsgerichtszuständigkeit liegt.

Letzte Zweifel an seinem geistigen Gesundheitszustand beseitigt B. selbst, indem er die Anklage mit einer „Gegenanklage“ zu kontern versucht: „Herr Staatsanwalt, wie erklären Sie sich, dass Ihre Behörde bei der Google-Bewertung ein relativ schwaches Bild abgibt?“ Die Frage übertrifft in ihrer Dämlichkeit sogar die des greisen Sexualstraf- und Wiederholungstäters Otto G., der vor Jahr und Tag den Vertreter der Anklagebehörde gefragt hatte: „Herr Staatsanwalt, ich hatte Tausende von Frauen, wie viele hatten Sie?“ – und jetzt seinen Spitzenplatz wohl räumen muss.

Prozess gegen Stalker am Amtsgericht Frankfurt wird ausgesetzt

Der Prozess wird ausgesetzt, alle sind sich einig, dass nun ein Gutachter her müsse. Bei dessen Auswahl wolle er aber ein Wörtchen mitreden, macht B. klar. Er wisse nämlich, dass Gutachter meist nur bestellt würden, um ein ohnehin bereits feststehendes Gerichtsurteil zu zementieren. Woher er das weiß? „Ich hab’ so ’ne Reportage gesehen beim ZDF.“ (Stefan Behr)

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