Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Medizinischer Mundschutz liegt 2020 in einer Apotheke in Kaufbeuren.
+
Eine Ärztin soll Maskenmuffeln gegen Bezahlung eine Maskenunverträglichkeit attestiert haben. 

Falsche Masken-Atteste

Masken-Attest zum Schnäppchenpreis: Dieser Ärztin vertrauen „Querdenker“

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

Amtsgericht Frankfurt bezweifelt Aussagen über Maskenunverträglichkeit.

Frankfurt – Christel F. steht vor dem Amtsgericht, weil sie falsch Zeugnis vorgelegt hat. Als die heute 61-Jährige am 23. Dezember 2020 vom Flughafen Frankfurt aus mit ihrem Sohn zu ihrer Tochter nach Dubai fliegen wollte, trugen sie und ihr Filius keine Schutzmasken. Dafür hatten beide ein Maskenbefreiungsattest der Ärztin Monika J. dabei. Aber das könnte jeder haben.

Die Weinheimer Allgemeinmedizinerin J. hat derzeit ihre ganz eigenen Wehwehchen und die Staatsanwaltschaft Mannheim am Hals. Die glaubt nämlich, dass die Ärztin die Seuche als Innovation begriffen und ein neues Geschäftsmodell entwickelt hat: Für billig Geld hätten Tausende Maskenmuffel bei ihr Gefälligkeitsatteste bestellen können.

Masken-Attest: Die Ärztin, der die „Querdenker“ vertrauen

Christel F. sieht die Sache anders. Danach plagten sie seit Jahrzehnten diverse Zipperlein, wovon Panikattacken und ein hartnäckiger Schnupfen bloß zwei, aber die maskensensitivsten sein. All ihre behandelnden Ärzte hätte sie um ein Attest gebeten, sagt die Erfurterin, aber alle hätten ihr mangels passender Krankheit die Bitte verweigert: ihr Orthopäde, ihr Hals-Nasen-Ohren-Doktor, ihr Hautarzt.

Da habe sie eine mitleidige Seele auf Monika J. aufmerksam gemacht, der Ärztin, der die „Querdenker“ vertrauen. Und siehe da: nach „umfangreicher telefonischer Anamnese“ und „vielen kritischen Fragen“ attestierte ihr die Ärztin eine Maskenunverträglichkeit. Mit ihrem üblichen Standardtext, dafür aber zum Schnäppchenpreis von nur sieben Euro, wer könnte da meckern? Christel F. jedenfalls nicht, die in Monika J. „endlich die Ärztin gefunden hat, die ich seit 14 Jahren für meinen Fließschnupfen suche“.

Christel F. statuiert Querrechenexempel wegen Masken-Attest

Die Frage des Staatsanwaltes, wieso sie bei einem Preis von sieben Euro 26,60 Euro an J. überwiesen habe, kann F. originell beantworten. Die telefonische Anamnese sei so umfangreich gewesen, dass sie auch noch für zwei Bekannte gelangt habe, für die sie gleich hätte mitbestellen können. Und 26,60 Euro – „das heißt im Klartext für jeden sieben Euro“, statuiert F. ein Querrechenexempel.

Offenbar hat Christel F. wenig Glück mit der Auswahl ihrer Ärzte – und ihrer Anwälte. Gegen einen Strafbefehl von 40 Tagessätzen à 40 Euro hat sie Einspruch eingelegt, und ihr Verteidiger hat ihr dieses teure, aussichtslose Unterfangen nicht ausgeredet. Und es ist noch nicht vorbei: Die als Zeugin geladene Ärztin J. macht wohl nur ungern Hausbesuche und ist trotz Zeugenladung nicht erschienen, was für sie ein Ordnungsgeld und für F. einen Fortsetzungstermin bedeutet.

Masken-Attest: Ärztin kann auf Unterstützung der „Corona-Rebellen“ bauen

Die Ärztin kann immerhin auf die finanzielle Unterstützung der Telegram-Gruppe „Corona-Rebellen“ bauen. „Unsere Ärztin Monika J., von welcher viele von euch Atteste bezüglich Maskenbefreiung erhalten haben, benötigt Hilfe“, hatte diese schon vor Wochen zu Spenden für die vom Staat verfolgte Medizinerin aufgerufen.

Was Christel F. zu denken geben sollte, ist, dass die Corona-Rebellen offenbar nur fünf Euro für ihr Attest zahlen mussten. Das könnte Thema sein bei der geplanten persönlichen Visite, die F. nach eigenen Angaben seit Monaten plane, aber schon zweimal habe verschieben müssen. Beim ersten Mal habe sie zu viel um die Ohren, beim zweiten einen geschwollenen Fuß gehabt. Aber irgendwas ist ja immer. Aber nicht immer ist alles attestierbar. (Stefan Behr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare