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Er habe sich und die Koffer nach erfolgreicher Entwendung aufgenommen und gestreamt, sagt R. (Symbolfoto)
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Er habe sich und die Koffer nach erfolgreicher Entwendung aufgenommen und gestreamt, sagt R. (Symbolfoto)

Hochkomik vor Gericht

„Challenge“ im Internet: „Wer scheitert mit der beklopptesten Ausrede vor dem Amtsgericht“

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Ein Kofferdieb erklärt vor dem Amtsgericht Frankfurt, er habe lediglich an einer Challenge teilgenommen – das kann er jetzt im Knast erzählen.

Frankfurt am Main - Dass Angeklagte vor Gericht mitunter einen Stuss erzählen, der an Hochkomik grenzt, passiert öfter mal. Andi R. aber legt die Latte dermaßen hoch, dass künftige Generationen es schwer haben dürften, in dieser Disziplin zu reüssieren.

Der Fall ist eigentlich ganz einfach: Der 36-Jährige hat im Januar dieses Jahres vier fremde Koffer vom Förderband des Flughafens geklaubt. Auch das passiert öfter mal, aber Andi R. beteuert, er habe die Koffer ja nicht behalten wollen. Er habe lediglich an einer „Challenge“ im Internet teilgenommen, bei der es darum gegangen sei, möglichst viele fremde Koffer von Flughafenförderbändern zu klauben und – lustig, lustig! – sonst wo wieder abzustellen. Dem Gewinner hätten ewiger Ruhm und eine sprunghafte Vermehrung der Follower gewinkt, er selbst habe schon 1800 Follower beisammen gehabt und mit diesen monatliche Einkünfte von gut 150 Euro generiert, aber die Polizei habe durch seine widerrechtliche Festnahme alles vermasselt.

Kofferdieb am Flughafen Frankfurt: Der Angeklagte wird gefilmt

Trophäenvideos mit den geklauten Koffern will R. live ins Internet gestreamt haben. Beweisbar ist das nicht, weil laut Aktenlage die Ermittler R.s Handy nach Auswertung der Daten zwar an das Gefängnis in Preungesheim geschickt haben, wo er derzeit in U-Haft sitzt, er es aber nach eigenen Angaben nicht bekommen hat. Möglicherweise ist R. ja ein Opfer der Schließer-Challenge „Wer atzt die meisten Knackie-Handys“. Es existieren allerdings Aufnahmen von R., die von der Überwachungskamera am Flughafen stammen und ihn beim Kofferklauen zeigen. Aber ohne Handy.

Er habe sich und die Koffer erst nach erfolgreicher Entwendung an einem sicheren Örtchen aufgenommen und gestreamt, sagt R. Da könne ja jeder kommen, sagt die Richterin, und im Zweifel seinen eigenen Koffer filmen. Und überhaupt, wer schaue sich schon aus freien Stücken ein Video an, das einen Mann neben einem Koffer zeigt. Guter Einwand, gibt R.s Pflichtverteidiger zu, aber er habe beruflich auch mal einen Blick auf die Plattform geworfen, die R. benutzt haben will. Die dort gezeigten Videos seien von banalster Schlichtheit, und ein Mann neben einem Koffer habe fast Thriller-Charakter.

Kofferdieb vor Gericht: Mehr als 20 Eintragungen im Bundeszentralregister

Andi R. nimmt wohl öfter mal an fragwürdigen Challenges teil – zumindest legt das sein mit mehr als 20 Eintragungen gefülltes Bundeszentralregister nahe, das unter anderem Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung, Hausfriedensbruch, Beleidigung, Bedrohung, versuchte räuberische Erpressung, Vortäuschen einer Straftat, falsche Verdächtigung, Missbrauch von Notrufen, Unterschlagung und Körperverletzung aufführt. Eigentlich wären alle Voraussetzungen für eine Top-Influencer-Karriere gegeben, zumal R. auch weder sonderlich eloquent noch geistreich ist, aber irgendwie hat es nicht sollen sein.

Am Ende glaubt das Gericht nicht an die Challenge, was auch daran liegen mag, dass die geklauten Koffer entweder gar nicht mehr oder mit stark dezimiertem Inhalt wieder aufgetaucht waren. Es verurteilt Andi R. wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Falls R. jedoch heimlich bei der Challenge „Wer scheitert mit der beklopptesten Ausrede vor dem Amtsgericht“ mitgemacht haben sollte, dürfte ihm dort der Sieg nicht zu nehmen sein. (Stefan Behr)

Kürzlich vor dem Amtsgericht: „Wichser“, „Bastarde“, „Hurensohn“ - Angriff gegen Polizei vor Gericht

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