Justiz

Geld statt Gutschein bei stornierter Reise

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Ein Gericht in Frankfurt nimmt Reiseveranstalter in die Pflicht, Geld für stornierte Reisen zurückzuerstatten. Auch eine schlechte finanzielle Situation taugt nicht als Ausrede.

Kunden haben nach einer stornierten Reise sofortigen Anspruch auf die Rückerstattung des bereits gezahlten Reisepreises. Das Geld müsse innerhalb von 14 Tagen zurückerstattet werden, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil des Amtsgerichts Frankfurt. (Az. 32 C 2620/20).

Im konkreten Fall hatte ein Mann geklagt, der bei einem in Frankfurt ansässigen Reiseunternehmen für 2381,35 Euro einen Pauschalurlaub in Andalusien gebucht hatte. Das Reiseunternehmen stornierte die Reise aber noch vor Beginn wegen der Pandemie und bot dem Kunden als Ersatz Reisegutscheine in gleicher Höhe an. Mit zwei Schreiben im April forderte der Kunde das Unternehmen auf, ihm den vollen Reisepreis zurückzuzahlen. Doch auch die Fristsetzung durch einen eingeschalteten Anwalt half nicht.

Der Kunde reichte nun Klage ein und forderte neben dem ausstehenden Geld auch noch Verzugszinsen in Höhe von fünf Prozent sowie 334,75 Euro für vorgerichtliche Anwaltskosten. Das Unternehmen war nun zur Rückzahlung des Reisepreises bereit, weigerte sich aber, Verzugszinsen und Anwaltskosten zu zahlen. Das Unternehmen führte dazu aus, es sei wegen der gewährten Reisegutscheine nicht in Zahlungsverzug. Außerdem sei die schnelle Rückzahlung wegen unvorhergesehener Liquiditätsschwierigkeiten und dem hohen Organisationsbedarf nicht möglich gewesen.

All das ließ das Amtsgericht nicht gelten und verwies auf nationales sowie europäisches Recht, wonach ein Unternehmen 14 Tage nach Stornierung einer Reise automatisch in Verzug gerate. Nach dem Grundsatz „Geld hat man zu haben“ müsse das Unternehmen unabhängig von möglichen Schulden das Geld zurückzahlen. Insbesondere berechtige eine Gutschein-Lösung nicht, die Rückzahlungspflicht gegenüber dem Kunden auszusetzen. Das durch den Gesetzgeber im Rahmen der Krise in einigen Bereichen eingeführte Zahlungsmoratorium gelte gerade im Zusammenhang mit dem Pauschalreiserecht eben nicht. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

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