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Justitia (Symbolbild)

Amtsgericht Frankfurt

Chronischer Flughafenbetrüger vor Gericht in Frankfurt

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Vor dem Frankfurter Amtsgericht muss sich ein chronischer Flughafenbetrüger mit eingeschränkter Schuldfähigkeit verantworten.

Es ist schwer zu sagen, ob und, wenn überhaupt, was für einen Beruf Marcus P. einmal hatte – das ändert sich von Prozess zu Prozess. Vor dem Amtsgericht sagt er am Dienstagmorgen, er habe „Webdesigner“ studiert – weiß aber nicht, dass man das englisch ausspricht. Die vergangenen Jahre habe er, wenn er nicht in deutschen Gefängnissen saß, als selbstständiger IT-Berater in Mexiko verbracht, wo auch Ehefrau und drei Kinder seiner harrten. Zur Begehung der Straftaten sei er jedesmal aus Mexiko eingeflogen.

Flughäfen und Bahnhöfe

Das klingt unglaubwürdig. Und genaugenommen ist es immer nur eine Straftat, die P. mit ermüdender Regelmäßigkeit begeht. Er lungert an Flughäfen, manchmal auch an Bahnhöfen herum und erzählt Reisenden, sein Gepäck mitsamt Börse befinde sich aus Versehen in einem Flugzeug oder einem Zug nach Nirgendwo, er brauche dringend Geld – zwischen 65 und 150 Euro – für die Heimfahrt. Marcus P., 49 Jahre alt, gepflegte Erscheinung mit Halbglatze, Brille und Bäuchlein, wirkt seriös und redet ebenso und bietet als Sicherheit eine Fotografie seines Personalausweises sowie seine Handynummer an.

Beide sind echt, und so kommt es, dass P. immer wieder erwischt und verurteilt wird. Etwa 2017 vom Amtsgericht Hamburg (15 Monate). Oder 2018 vom Amtsgericht Düsseldorf (18 Monate). Derzeit sitzt er seine Strafe im Düsseldorfer Gefängnis ab. Im aktuellen Prozess sind 22 Taten aus den Jahren 2016/17 angeklagt, 17 am Frankfurter Airport, vier am Hauptbahnhof und einer an dem von Barcelona. Schadenssumme: 2320 Euro.

Er habe das Geld für Medikamente gebraucht, sagt P., der nach eigenen Angaben unter Blasenlähmung und paranoider Schizophrenie leidet. Letzteres ist immerhin amtlich: Anfang des Jahrtausends verbrachte P. auf Anordnung des Landgerichts Erfurt vier Jahre in der geschlossenen Psychiatrie. Und wurde wieder entlassen. Seine Karriere als Wiederholungsbetrüger begann 2011 vor dem Amtsgericht Frankfurt – das diesmal Gnade walten lässt. Das Verfahren wird eingestellt.

Der Angeklagte gilt als maximal eingeschränkt schuldfähig

P. gilt ohnehin maximal als eingeschränkt schuldfähig, einige der Betrogenen hat er mittlerweile ganz oder teilweise entschädigt. Und er sitze ja ohnehin derzeit noch eine Strafe wegen Delikten ab, die den ihm jetzt vorgeworfenen gleichen wie ein faules Ei dem anderen.

Wenn er, voraussichtlich diesen Oktober, entlassen werde, wolle er wieder arbeiten, sagt P. Vielleicht wie zuletzt als – nach eigenen Angaben – Busfahrer. Etwas anderes habe er am Ende nicht mehr gefunden angesichts seiner Krankenakte und seines Vorstrafenregisters. Und auch, wenn P. nach eigener Aussage wegen seiner Leiden auf eine Unzahl Medikamente, darunter schwere Psychopharmaka, angewiesen ist, sieht er darin offensichtlich keinen Hinderungsgrund.

Das mag ja angesichts seiner mangelhaften Schuldfähigkeit normal sein. Allerdings scheint sein aus Düsseldorf angereister Verteidiger diese seltsame Ansicht zu teilen. Denn obwohl sein Mandant erst unlängst im Gefängnis eine Ausbildung zum Koch abgeschlossen habe, besitze er glücklicherweise „auch den Busführerschein“. Busfahrer würden ja gesucht, und wenn sein Mandant heute entlassen würde, „könnte er morgen schon losfahren“, hält der Anwalt ein flammendes Plädoyer für den Individualverkehr.

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