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Amtsgericht Frankfurt: Angst um die Wohnung im Westend

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Von: Oliver Teutsch

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Ehepaar harrt in baufälligem Haus aus und klagt nun vor dem Amtsgericht. Kein Wasser im Bad, geheizt wird notdürftig mit Elektroheizung. Zähes Ringen um Ersatzwohnung.

Die Angst ist groß bei dem älteren Ehepaar aus dem Westend. Es geht um die geliebte Wohnung in der Savignystraße, aus der es zwecks Sanierung ausziehen soll. Das Mehrfamilienhaus, Baujahr 1898, hat seit rund einem Jahr einen neuen Eigentümer, das Unternehmen LP Investment Projekt Vier aus Köln. Deren Geschäftsführerin verkündet auf der Firmenhomepage: „Meine Leidenschaft ist die Immobilie als Investment.“ Daher soll auch das Haus in der Savignystraße umfassend saniert werden.

Von den ursprünglich 16 Mietparteien sind 15 bereits ausgezogen. Nur ein Ehepaar im zweiten Stock harrt noch aus, obwohl die Sanierungsarbeiten längst begonnen haben. Fenster und Türen wurden abmontiert, die alte Heizungsanlage entfernt. Das Ehepaar wärmt jetzt notdürftig mit Elektroheizungen. Als Mitte Dezember auch noch das Wasser in Toilette und Dusche ausblieb, hatte das Paar genug und klagte vor dem Amtsgericht.

Die Spezialabteilung für Mietrecht versucht sich am Donnerstag ein Bild von der Situation zu machen. Das beklagte Unternehmen beteuert, es wolle eine Ersatzwohnung beschaffen. Das Ehepaar solle nicht vertrieben, nur umquartiert werden für die Dauer der Sanierung. Dass Toilette und Dusche nicht nutzbar seien, könne nur ein Missverständnis sein. Ein beauftragter Handwerker habe schließlich eine Rechnung von fast 5000 Euro gestellt. Eine Ersatzwohnung habe das Unternehmen bereits ein Mal angeboten. Das Objekt im fünften Stock war von dem älteren Ehepaar aber abgelehnt worden.

Kläger-Anwalt Jens Blecher bringt es auf den Punkt: „Es fehlt am grundsätzlichen Vertrauen.“ Denn das Ehepaar fürchtet, nach einem Auszug nicht mehr in die Wohnung zurückzudürfen. Anwalt Blecher regt daher eine Vertragsstrafe an, falls es mit einem Wiedereinzug nichts wird. Das lehnt die Gegenseite ab.

Das Gericht will sich nun zunächst einmal mit dem Auszug befassen und nimmt die Parameter für eine Ersatzwohnung auf. Drei Zimmer und mindestens 90 Quadratmeter, drei Katzen müssen erlaubt sein, die Wohnung im Erdgeschoss sein oder einen Balkon haben, damit geraucht werden kann.

Und am liebsten im Westend. Zur Not auch in Bockenheim, Rödelheim, Nordend oder der Innenstadt, nur Europaviertel dürfe es nicht sein, wünscht die Klägerin und lässt über ihren Anwalt doch nochmal nachfragen, ob man nicht innerhalb des Hauses umziehen könne, wenn eine Wohnung im Erdgeschoss fertig ist. Das lehnt die Gegenseite ab. Dafür wird versprochen, jetzt erst mal das Bad wieder instand zu setzen. Im März trifft man sich wieder vor Gericht.

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