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Die Justitia auf dem Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg in Frankfurt.
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Die Justitia steht für die strafende Gerechtigkeit oder das Rechtswesen an sich. (Symbolbild)

Justiz

Amtsgericht Frankfurt: 14-Jährige im Internet angeboten

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Prozess gegen einen Mann, der seine minderjährigen Freundinnen an Freier verkaufte.

Frankfurt – Den Namen „Big G.“ hat sich der 22-Jährige selbst gegeben. Unter diesem Namen trat er in den sozialen Medien und bei den Internetplattformen auf, wo er seine Freundinnen zum Verkauf anbot. Der Name passt, denn neben dem Hünen sitzen sein Verteidiger und sein Betreuer auf der Anklagebank des Landgerichts und wirken zwergenhaft.

Big G. steht unter Betreuung, weil er an einer „Entwicklungsstörung“ leidet. Seine körperliche Entwicklung ist nicht gestört.

Amtsgericht Frankfurt: Anklage wegen u.a. wegen Vergewaltigung und Zuhälterei

Angeklagt ist Big G., der derzeit wegen einer anderen Sache in Haft sitzt, unter anderem wegen Vergewaltigung, Zuhälterei sowie Besitz und Verbreitung von Jugendpornografie. Im Januar 2018 hatte er erstmals seine damals 14 Jahre alte Freundin im Internet zum Beischlaf feilgeboten. Der erste Freier, ein gewisser M., war finanziell ein voller Erfolg. Zwar wollte das Mädchen nichts mehr von dem Geschäft wissen, als sie M. in einem eigens angemieteten Düsseldorfer Hotelzimmer zu Gesicht bekam, aber Big G. war anderer Ansicht. Für die Vermietung seiner Freundin kassierte er 2000 Euro, von denen er dem Mädchen immerhin ein Busticket für die Rückfahrt nach Frankfurt spendierte.

Mit der nächsten Freundin lief es nicht ganz so gut. Die 18-Jährige musste bis zu drei Freier die Woche in einem von Big G.s Autos empfangen, brachte ihm aber lediglich knapp 1000 Euro ein und wurde flugs wieder von einer 14-Jährigen ersetzt, die sich als rentabler erwies. „Für Geld macht sie alles“, hatte Big G. im Internet versprochen, aber das war übertrieben. Als erneut der Freier M. auftauchte, weigerte auch sie sich bei dessen Anblick. Big G. aber bestand auf der Dienstleistung, aus der sich die 14-Jährige nur herauslügen konnte, indem sie behauptete, ihr Großvater habe einen Herzinfarkt und sie müsse helfen. Zum zweiten Treffen mit M. durfte sie dann eine Freundin zur Unterstützung mitnehmen. Als M. sich auszog, nahmen beide Mädchen entsetzt Reißaus, und nicht einmal Big G. konnte sie aufhalten.

Der Angeklage verseist auf eine schwere Kindheit - in Offenbach

„Das tut mir auch ein bisschen leid“, zeigt sich Big G. vor dem Landgericht zutiefst zerknirscht. „Aber ich habe nicht gewusst, dass das verboten ist.“ Und gesagt habe es ihm auch keiner. Big G. verweist auf seine schwere Kindheit in Offenbach: „Ich wurde immer ausgegrenzt.“ Entspannung habe er nur beim Autoknacken gefunden. Und mit den Autos kamen „die Mädels“, wie Big G. seine Freundinnen nennt, die er hin und wieder auch selbst vergewaltigt haben soll. „Ich habe Frauen damals als reine Sex-Objekte gesehen.“ Das tut ihm heute ein bisschen leid. „Die ,Me too‘-Bewegung hat mir da irgendwie die Augen geöffnet.“

Ein völliges Rätsel bleibt ihm hingegen bis heute die fulminante Wirkung des Freiers M. auf die Mädels: „Der sieht ein bisschen komisch aus, aber ganz normal … wie ein Hamster oder so … nur im Anzug.“ Allerdings habe der Anzughamster ihn übelst belogen. „Ist das auch legal?“, habe er den Hamster gefragt, ehe er ihn auf die 14-Jährige losgelassen habe. „Klar ist das legal!“, habe der geantwortet.

Die Staatsanwaltschaft sieht das völlig anders, und ein bisschen versteht das Big G. heute sogar. Der Prozess wird fortgesetzt. (Stefan Behr)

Wer seine Bankkkarte verliert, ist verpflichtet, sie so schnell es geht zu sperren. Schon 30 Minuten können zu lang sein, befindet das Amtsgericht Frankfurt.

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