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Ambitioniert in der Frankfurter Drogenhilfe

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Von: Steven Micksch

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Artur Schroers vor dem Drogenreferat in der Alten Mainzer Gasse.
Artur Schroers vor dem Drogenreferat in der Alten Mainzer Gasse. © Monika Müller

Artur Schroers leitet das Frankfurter Drogenreferat und steht vor vielfältigen Herausforderungen, die die Stadt bietet.

Wenn am heutigen Dienstag Vertreter:innen aus Politik, Drogenhilfe und Wissenschaft in Frankfurt zur Fachtagung „Crack in deutschen Großstädten – von der Forschung zu praktischen Entscheidungen“ zusammentreten, wird auch Artur Schroers dabei sein. Der 58-Jährige leitet gemeinsam mit Regina Ernst das Frankfurter Drogenreferat. Wenn Ernst im Frühjahr in den Ruhestand geht, wird Schroers zum alleinigen Leiter. „Ich erwarte mir von der Fachveranstaltung einen Erfahrungsaustausch auf breiter Ebene“, sagt der gebürtige Nordrhein-Westfale.

Organisiert haben die Veranstaltung die Städte Frankfurt, Hamburg und Hannover, die alle Probleme mit dem Konsum von Crack haben. Schroers hofft, dass dies in der Politik auch als Signal verstanden wird, damit die Städte mehr Handlungsspielräume bei der Drogenpolitik bekommen. So ist in Frankfurt der Handel mit Kleinstmengen illegaler Drogen in den Hilfeeinrichtungen im Gespräch, damit die Menschen nicht auf der Straße dealen. „Man muss auch die konsumbegleitenden Umstände in den Blick nehmen.“ Im idealen Fall gibt es nach der Fachtagung bereits erste Ansätze für weitere Handlungsempfehlungen.

Schroers hat langjährige Erfahrungen in der Suchthilfe. Studiert hat er Erziehungswissenschaften in Münster, machte sein Diplom in Pädagogik und promovierte später in Bremen im Bereich der Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt auf Suchtforschung. Dann folgten unter anderem Berufsjahre in Hamburg, Bratislava und Wien. Seine letzte Station war Mainz, wo er fast sechs Jahre lang Leiter der Abteilung Suchthilfen und Suchthilfebeauftragter der Landeshauptstadt war.

Interessantes Drogenhilfefeld

Der Wechsel nach Frankfurt war keine schwere Entscheidung für den 58-Jährigen. „Frankfurt hat mich als Stadt und Drogenhilfefeld immer schon interessiert“, sagt er. Hier seien die Harm Reduction (Schadensminderung) und Maßnahmen, die nicht primär auf Abstinenz zielen, schon gut entwickelt. Hinzu kam, dass Schroers Wurzeln in der akzeptierenden Drogenarbeit liegen. Gerade im Bereich der Harm Reduction wolle er einiges voranbringen.

Die Stadt bringe einige Besonderheiten mit sich. Als Metropole ziehe sie viele Probleme des Umlands an, so dass man mit Angeboten auch immer mit das Umland versorge und noch mehr in den Austausch gehen müsse, um Angebote auch über die Stadtgrenzen hinaus zu etablieren.

Auch die Gruppe der Geflüchteten stelle eine Herausforderung dar, da sie durch schwere Traumata in Teilen ein Suchtverhalten entwickeln könnten oder bereits auch mit Konsumverhalten in Deutschland ankommen.

Zudem steige die Anzahl der Menschen mit Mehrfachbelastungen, also zusätzlichen physischen oder psychischen Erkrankungen, Wohnungs- oder Arbeitslosigkeit. Für diese Menschen gebe es keine einfachen Lösungen, sondern es brauche gute Abstimmungen mit den anderen zuständigen Systemen.

Und schließlich eben die Crack-Problematik. Bei der Droge komme erschwerend hinzu, dass es kein Substitut gebe wie etwa bei Heroin. Auch die Konsumräume seien nicht so interessant für die Konsumierenden, weil das Rauchen in der Crack-Pfeife schnell erfolgen kann und keine Intimität benötige. Mit Räumen würden so nicht ausreichend Crack-Konsumierende erreicht.

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