Eine Drohne fliegt herum: Sie ist vom Typ "Inspire" des Herstellers DJI, der einen Laden in Frankfurt eröffnet hat.
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Eine Drohne fliegt herum: Sie ist vom Typ "Inspire" des Herstellers DJI, der einen Laden in Frankfurt eröffnet hat.

Geschäft in Frankfurt

Brummender Boom der Drohne

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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  • Lucia Heisterkamp
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In Frankfurt eröffnet das erste Geschäft, das ausschließlich Drohnen verkauft. Sie finden schon eine Reihe von Anwendungen.

Im Frankfurter Einkaufszentrum MyZeil hat das erste Geschäft nur für Drohnen eröffnet. Hier gibt es fliegende Geräte aller Art: von der kompakten Handtaschendrohne bis zum hochprofessionellen Kameraflieger. In einem Flug-Käfig können die Kunden Drohnen selbst durch die Luft kreisen lassen. Oder sie machen ein „Drohnie“.

„Das Drohnie ist das neue Selfie“, sagt Annika Karstadt aus der Presseabteilung von DJI. Der größte Drohnenhersteller weltweit hat das Fachgeschäft in Frankfurt im Juni eröffnet. Bislang seien es vor allem junge Kunden, die sich für die Drohnentechnologie interessierten, sagt sie. Die fliegenden Kameras machten nicht nur Bilder und Videos aus unbekannten Perspektiven. Diese ließen sich auch per Livestream in soziale Medien übertragen. „Das bietet ganz neue Möglichkeiten, sich im Internet zu präsentieren“, so Karstadt.

Wie Kamera-Drohnen Menschenleben retten könnten

Ältere Menschen zeigten dagegen oft eine gewisse Skepsis gegenüber den fliegenden Geräten. „Das liegt daran, dass viele nur an eine militärische Nutzung denken“, sagt Karstadt. Das Unternehmen DJI produziere aber keine militärischen Produkte, sondern solche für Zivilisten. „Drohnen können Gutes leisten.“ Die mobilen Kameras seien etwa bei Rettungseinsätzen anwendbar, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. „Drohnen können Menschenleben retten“, meint Karstadt.

Tatsächlich setzen Bergwacht, Feuerwehr, Rotes Kreuz oder Technisches Hilfswerk schon heute Drohnen ein, um Menschen in Not zu helfen. Auch Polizei, LKA und BKA nutzen Drohnen zur Aufklärung und Überwachung. Die Sicherheitsbehörden sind von den Beschränkungen und Verboten der Drohnenverordnung nicht betroffen. Auch die Bundeswehr setzt Drohnen zur Aufklärung ein. Berüchtigt sind die Kampfdrohnen des US-Militärs am Hindukusch mit gezielten Tötungen.

In der Landwirtschaft sind Drohnen im Gebrauch, um Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen auf die Felder auszubringen. Auch wurden schon Rehkitze, denen der Fluchtinstinkt fehlt, mithilfe der Geräte geortet, bevor Landmaschinen über die Felder fahren.

Der Internet-Versandhändler Amazon hat mit Drohnen testweise Pakete ausgeliefert und sich einen Drohnenflughafen, der wie ein Bienenkorb aussieht, patentieren lassen. Der Paketdienstleister DHL hat 2014 den sogenannten Paketkopter eingesetzt, um die Nordseeinsel Juist mit Medikamenten zu versorgen.

Das Emirat Dubai hat in diesem Jahr eine Taxidrohne getestet. Sie kann einen Menschen mit bis zu 100 Stundenkilometer Geschwindigkeit durch die Luft transportieren. Acht Propeller halten die Ein-Mann-Kabine am Himmel. Gesteuert wird das Flug-Taxi ohne Pilot, es fliegt autonom auf Knopfdruck.

Solche Geräte verkauft der Laden in Frankfurt allerdings noch nicht. Er zielt vor allem auf private Kunden, die sich eine Drohne für den persönlichen Gebrauch anschaffen wollen. Das günstigste Modell, ein roter Flieger, ist so groß wie ein Brillenetui und kostet rund 500 Euro. Profidrohnen mit Spitzenkameras kosten bis zu 10.000 Euro. „Die sind dann eher für professionelle Filmemacher“, berichtet Annika  Karstadt. Es kämen aber auch Leute, die einfach mal eine Drohne fliegen lassen wollten.

Das Personal kenne die aktuellen Regeln zum Gebrauch von Drohnen in Deutschland genau. „Wir empfehlen unseren Kunden sowieso, mit den Drohnen raus aufs Feld zu gehen und gar nicht in der Stadt zu fliegen“, sagt sie.

Die Stadt habe eine Internetseite mit Sicherheitshinweisen. Zudem seien die Drohnen für bestimmte „rote Zonen“ gesperrt. In bestimmten Gebieten wie an Flughäfen oder in der Nähe von Kernkraftwerken würden die kleinen Flieger gar nicht erst abheben. Dazu bräuchte es eine spezielle Genehmigung. Annika Karstadt: „Wir sehen uns da in der Verantwortung. 

DJI aus China ist der weltweit führende Drohnenhersteller, gegründet von Frank Wang. 2006 startete er das Unternehmen. Mittlerweile zählt der Milliardär zu den reichsten Menschen in China. In Asien gebe es schon riesige Filialen, die sich über mehrere Stockwerke erstreckten, erzählt Karstadt. In den Vereinigten Staaten sei das Unternehmen auch schon sehr bekannt. In Europa sollten die Läden indes langsamer ausgebaut werden.

„Die Kunden in Europa ticken anders. Sie sind vorsichtiger“, sagt die Pressesprecherin Veronika Komissarenko. Auch wenn der Boom in Europa nicht solche Ausmaße  wie in Asien oder den Vereinigten Staaten von Amerika annehme, ist Komissarenko überzeugt: Die fliegenden Geräte seien die Technologie der Zukunft.

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