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Hinter dem Künstler angelt jemand im Kopf ? es sind Facebook, Google und Amazon. Jim Avignon ist wieder da.

Kommunikationsmuseum Frankfurt

Ausstellung "A Bigger Brother" eröffnet

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Die Ausstellung "A Bigger Brother" von Jim Avignon im Kommunikationsmuseum Frankfurt erzählt viel über Kontrolle. Bunte Bildsprache zu einem bedrückenden Thema.

Jim Avignon war mal aus Frankfurt nicht wegzudenken, ehe er die Stadt verließ, um in Berlin und New York noch berühmter zu werden. Jetzt ist er wieder mal in Frankfurt, aus gutem Grund: Im Museum für Kommunikation gestaltet er unter dem Motto „Kontrolle“ für ein halbes Jahr die sogenannten Kunsträume. „A Bigger Brother“ heißt die Ausstellung und handelt viel von der Macht, die andere über uns haben.

„Das Thema zieht sich mindestens seit zehn Jahren durch mein Leben, ich mache mir meine Gedanken“, sagt der Künstler mit dem Hut. „Man spürt, ahnt, weiß, dass da mehr läuft, als man mitkriegt.“ Dass wir schon tiefer in der Überwachung drinstecken als wir wahrhaben wollen.

Avignons Kunstwerke bringen das Unbehagen zum Ausdruck – in der bunten Bildsprache, die sein Markenzeichen ist. „Mein Stil ist, mit einfachem Strich komplexe Dinge zu erzählen“, sagt er. Da sind etwa Porträts der Chefs von Facebook, Amazon und Google, vor denen sich automatisch Jalousien öffnen und schließen, und an der Wand gegenüber: wir, die einfachen Menschen, denen man ins Gehirn gucken kann, um zu sehen, woran wir gerade denken: Essen, Schmuck, Börsenkurse.

Auf ein anderes Werk kann der Betrachter seine Hand auflegen und erfährt etwas über sich. In diesem Fall behauptet der Musikdienst Spotify, der Reporter sei ein „Wannabe Nerd“, also einer, der gern ein sozial isolierter Computerfreak wäre. Das macht Spaß, genau wie die Gemälde Avignons, die dem bedrückenden Thema viel Ironie abgewinnen. Das Bild „Perpetuum Mobilphone“ zeigt uns im Bann sogenannter sozialen Medien. „Body Control“ entlarvt Mechanismen wie Fitness Tracker, die über uns regieren. Ein Körperscanner zeigt unser Inneres mit gebrochenem Herzen, eine Installation verwandelt einen Raum in eine Schaltzentrale.

Vom „besten Fall“ schwärmt Kuratorin Margret Baumann: „Der Künstler schafft speziell etwas für diese Räume.“ Das tat Avignon in rasantem Tempo, 15 große und viele kleinere Werke in nur einem Monat. Beim Pressetermin erinnert er an das Frankfurt der späten 80er, ans Café Eckstein, in dem er fast ununterbrochen Kunstspektakel organisierte. Wer dabei war, trauert der Zeit ein wenig nach. Keine Handys damals, die man beim Gespräch auf den Tisch legte, um sich Tage später über gesprächsthemenbezogene Werbung zu wundern. So passiert bei einem Freund Avignons vor Kurzem. „Ich kann nur zum Nachdenken anregen, sagt er, „ich habe keine Lösungen.“

„A Bigger Brother“ – Jim Avignon, 18. November bis 26. Mai, Museum für Kommunikation, Schaumainkai 53.

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