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Amal Frankfurt: Die Stimme der Communities

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Von: Timur Tinç

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Die Macherinnen und Macher des neuen Online-Magazins Amal.
Die Macherinnen und Macher des neuen Online-Magazins Amal. Rolf Oeser © Rolf Oeser

Die Medienplattform Amal Frankfurt schreibt auf Arabisch, Persisch und Ukrainisch. Eine sechsköpfige Redaktion bereitet die Nachrichten aus Rhein-Main-Gebiet auf.

In Frankfurt gibt es seit Jahren türkische Zeitungen, wie Toplum, die sich mit lokalen Themen in der Stadt beschäftigen. Für andere Bevölkerungsgruppen, vor allem die, die seit 2015 nach Deutschland geflohen sind, gab es kein Angebot. Bislang. Seit gestern ist Frankfurt um eine Medienplattform reicher, die gleich drei Sprachen bedient. Arabisch, Persisch und Ukrainisch. Amal, was auf Arabisch Hoffnung bedeutet, ist nach Berlin und Hamburg am Dienstag nach vier Monaten der Vorbereitung an den Start gegangen.

„Amal hat die Aufgabe, die Stimme der Leute zu sein“, erklärt Haytham Abo Taleb, der wie Souzan Nasri aus Syrien geflohen ist und für den arabischen Teil zuständig ist. Sona Sahar und Parwiz Rahimi aus Afghanistan machen das Gleiche auf Persisch. Olena Iskorostenska und Tamriko Shoshyashvili sind für den ukrainischen Part zuständig. „Wir lesen jeden Morgen eine Stunde lang die lokalen Frankfurter Zeitungen und Onlinemedien“, sagt Iskorostenska. Daraus werden die relevantesten Berichte gefiltert, übersetzt und entsprechend aufbereitet.

Gefördert wird Amal von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), einem breiten Bündnis aus Landeskirchen, Stiftungen und durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Hauptförderer in Frankfurt ist die Crespo Foundation.

Ihre Räume hat die sechsköpfige Redaktion im Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP). Geleitet wird das Projekt von der Journalistin Julia Gerlach. Ziel war und ist es, Menschen, die in ihren Heimatländern schon im Journalismus gearbeitet haben, einen Job zu geben. „Wir hatten ganz viele Bewerbungen“, berichtet Gerlach. Einige hätten sich bei deutschen Medien ohne Erfolg beworben. Für Nicht-Muttersprachler:innen sei es besonders schwer, eine Anstellung zu finden.

Souzan Nasri hat den Traum, irgendwann als Moderatorin im TV zu arbeiten. Sie studiert Germanistik und Erziehungswissenschaften. „Wir suchen täglich drei Nachrichten raus und übersetzen sie und bereiten sie auf“, erklärt sie. Darüber hinaus sind sie ganz frei in der Themenwahl. Nasri hat einen Artikel zu Fahrscheinkontrollen verfasst. Sie arbeitet nebenberuflich als Kontrolleurin. Außerdem hat sie über den positiven Einfluss von Haustieren für in Deutschland allein lebende Geflüchtete geschrieben. Bislang wurde alles auf der Facebook-Seite gepostet. „Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv“, so Nasri.

Olena Iskorostenska hat zehn Jahre lang bei der nationalen TV-Anstalt in der Ukraine gearbeitet. Am 27. Februar letzten Jahres, drei Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs in Kiew, ist sie mit ihrer Tochter nach Deutschland geflohen. Plötzlich stand sie ohne Familie, Job und ohne Identität da, wie sie es beschreibt. Sie möchte nun die Informationsquelle für die Ukrainer:innen im Rhein-Main-Gebiet sein, die diese befähigen kann, etwas aus ihrer Situation zu machen.

Haytham Abo Taleb will besonders Themen, die die arabische Community beschäftigen und in deutschen Medien wenig Gehör finden, in den Fokus rücken. „Ein großes Problem ist für arabische Schriftstellerinnen und Schriftsteller, dass ihre Bücher hier in Deutschland gefälscht verkauft werden und sie dadurch kein Geld erhalten“, erzählt Abo Taleb. Er sei gezielt von einem Autor darauf angesprochen worden. Souzan Nasri hat sich eine Kamera geschnappt und unter arabischstämmigen Leuten in Frankfurt eine Umfrage zu der Fußball-WM in Katar gemacht, um eine andere Perspektive zu bekommen.

Amal will sich in den kommenden Monaten einen Namen machen und in den Austausch mit den Menschen kommen. Für zwei Jahre ist die Finanzierung gesichert.

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