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Impfzentrum im Industriepark Höchst
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Impfzentrum im Industriepark Höchst

Frankfurt

Am Arbeitsplatz geimpft

  • vonHolger Vonhof
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Betriebsärztliches Pilotverfahren ist unter anderem im Industriepark Höchst angelaufen

Manuela Eutinger sitzt im Ruhebereich des Impfzentrums und schaut sich den Trubel vor ihr an. Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) gibt mehreren Fernsehteams Interviews; Martin Kern, der Leiter des Arbeits- und Gesundheitsschutzes des Standortbetreibers Infraserv, und Matthias Braun, der Geschäftsführer der Pharmazeutischen Produktion und Fertigung bei Sanofi, sprechen über das „betriebsärztliche Pilotverfahren“, das am Montag an vier Orten in Hessen – auch im Industriepark Höchst – um kurz vor 9 Uhr angelaufen ist. Manuela Eutinger hat ihre Spritze gerade bekommen; 15 Minuten soll sie warten, um zu schauen, wie sie die Injektion verträgt. „Ich bin froh, dass das so kurzfristig ermöglicht worden ist“, sagt die 49-Jährige, die bei Sanofi in der Wirkstoffkontrolle arbeitet. Das Impfangebot im Industriepark hat sie überzeugt: „Hier kenne ich mich aus; Hier weiß ich, wo ich hingehen muss.“

Die Angestellte des Pharmakonzerns wohnt in Werschau, dem kleinsten Ortsteil der Gemeinde Brechen im Landkreis Limburg-Weilburg. Das ihrem Wohnort nächstgelegene Impfzentrum ist in Limburg. Sich am Ort der Arbeitsstelle impfen zu lassen, das erspart ihr einige Wege. Das Pilotprojekt des Landes ist gestern in Zusammenarbeit mit vier Pharma-Unternehmen angelaufen. Außer Sanofi im Industriepark Höchst sind Merck in Darmstadt, die Pharmaserv in Marburg und die B. Braun Melsungen dabei. Insgesamt rund 10 000 Impfdosen hat das Land den vier Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Der Industriepark Höchst ist in Deutschland der größte Standort des weltweit tätigen französischen Pharma-Riesen Sanofi – und von strategischer Bedeutung für die Produktion und die Forschung. Umso dankbarer ist Sanofi-Produktionschef Matthias Braun, dass es in den 13 Monaten der Pandemie – „anders als im Ausland“, so Braun – in Höchst keine Produktionsausfälle gegeben hat – dank der angepassten Arbeitsschutzverordnungen und der Mitarbeitenden, die diese Regeln vorbildlich umgesetzt hätten. Das betriebliche Impfangebot bringe den Mitarbeiter:innen „ein ungeheures Sicherheitsgefühl“, befindet Braun.

Gesundheitsminister Kai Klose lässt sich zeigen, wie das betriebliche Impfen im Industriepark umgesetzt wird. Standortbetreiber Infraserv Höchst hatte die Ausstellungshalle des historischen Peter-Behrens-Baus dafür mit Impfkabinen und einem Ruhebereich ausgestattet, und die vom Bildhauer Richard Scheibe (1879-1964) geschaffene Statue im Zentrum der Ausstellungshalle scheint seit ihrer Entstehung 1924 irgendwie schon immer auf diese Funktion hingewiesen zu haben, denn „Der Arbeiter“ krempelt sich den rechten Ärmel hoch, als mache er sich für eine Impfung bereit.

Infraserv Höchst hat an fünf Orten am Standort solche Impfzentren eingerichtet. „Noch ist nicht ausreichend Impfstoff verfügbar, um die Betriebsärztinnen und -ärzte insgesamt einzubeziehen“, sagt Klose. Das Pilotverfahren werde jedoch „wertvolle Erfahrungen und Impulse“ liefern für die bundesweite Impfkampagne, die im Juni beginnen soll, wenn neben den zentralen Impfzentren und den Hausärzten auch die Betriebsärzte als „dritte Säule“ einsteigen.

Für die Impfungen erhält Sanofi vom Land etwa ein Viertel der fürs Pilotverfahren bereitgestellten 10 000 Impfdosen – alles Vakzine von Biontech. „Das entspricht der Altersstruktur der Belegschaft“, sagt Sanofi-Sprecherin Birgitt Sickenberger, denn geimpft werden nach der Impfverordnung des Bundes Angehörige der Prioritätsgruppe 3, zu der als Mitarbeiter von „Unternehmen der kritischen Infrastruktur“ auch Beschäftigte der Pharmawirtschaft gehören. Astrazeneca wird derzeit nur an über 60-Jährige verimpft. Sanofi arbeitet mit seinem Partner Glaxosmithkline (GSK) bereits länger an einem weiteren Coronaimpfstoff. Im Februar gaben die beiden Unternehmen neue klinische Tests mit dem Wirkstoff bekannt, der aber erst im vierten Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen soll.

Martin Kern, Chefmediziner des Industrieparks, hofft, „dass wir bald auch allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Industriepark Höchst ein Impfangebot unterbreiten können“. Im Industriepark Höchst arbeiten in rund 90 verschiedenen Unternehmen etwa 22 000 Menschen.

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