Wir haben Platz für Geflüchtete – und erst recht für unbegleitete Minderjährige, drücken die Leute am Römer aus.
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Wir haben Platz für Geflüchtete – und erst recht für unbegleitete Minderjährige, drücken die Leute am Römer aus.

Flüchtlingskrise

Seebrücke Frankfurt: „Öffnet die Grenzen“

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Protest mit Fahnen und Kerzen auf dem Römerberg: Die Seebrücke und Verbündete kämpfen um Hilfe für minderjährige Geflüchtete.

Die „Omas gegen rechts“ sind da, die „Fridays for Future“ natürlich, Leute von den Linken, von der SPD, die Jusos halten ein Transparent hoch, die Naturfreunde, der Frankfurter Jugendring, und die Grünen kommen direkt von ihrer Mitgliederversammlung aus Sachsenhausen über den Main. Gemeinsam sind sie gut 200, um die Seebrücke Frankfurt am Samstagnachmittag zu unterstützen.

Die Mahnwache vor dem Römer fordert: 4000 unbegleitete minderjährige Geflüchtete müssen sofort aus den Lagern an der europäische Außengrenze befreit und in jene deutschen Städte gebracht werden, die sich längst zur Aufnahme von Kindern bereiterklärt haben. Doch bislang hat Innenminister Horst Seehofer (CSU) noch nicht die notwendige Zustimmung gegeben. Dagegen protestieren die Menschen am Samstag überall im Land, so auch in Frankfurt.

Die Seebrücke stellt dazu Pappkartons aufeinander, baut sie wieder ab, stellt sie ein Stück weiter links wieder auf, baut sie wieder ab … ein älteres Paar lästert ein wenig, dann sagt er zu ihr: „Ja, wir haben gut reden – wir könnten ja mithelfen.“ Am Ende trägt das Bauwerk den Slogan: „Build Bridges, not Walls“. Baut Brücken, keine Mauern. Dazu die Fotos und Namen von 15 jungen Geflüchteten, die am 6. Februar vor sechs Jahren versuchten, mit vielen anderen den Grenzzaun in die spanische Enklave Ceuta in Marokko zu überwinden und dabei getötet wurden. Ihnen gilt eine Schweigeminute.

Sprecherinnen der Seebrücke sagen, sie hätten auch jeden anderen Tag auswählen können, um an die Opfer der europäischen Abschottung zu erinnern: „Im Mittelmeer kommen täglich Menschen ums Leben. Wir mahnen, weil es immer noch keine Lösung gibt. Frankfurt wäre doch ein sicherer Hafen.“

Brücken bauen, nicht Mauern: Slogan der Seebrücke.

„Wir haben Platz“ steht auf den Bannern, „United in Humanity“ (Vereint in Menschlichkeit), „Herz statt Hetze“ und „Diese EU tötet – Solidarität statt Abschottung“. Matthias Maier von der Seebrücke erzählt, wozu die Mahnwache dient. Auf griechischen Inseln sitzen schon seit langer Zeit Geflüchtete fest – oft seit Jahren. Teils sind es ganze Familien, allzu häufig aber Kinder, die ohne ihre Eltern flüchteten oder Mutter und Vater unterwegs verloren haben. Die Seebrücke geht davon aus, dass die Menschen in Deutschland dafür sind, diese Minderjährigen herzuholen, um sie aus ihrer ausweglosen Situation zu retten. Doch der Bundesinnenminister verweigere sich einer solchen Lösung.

Maier bittet schließlich 15 Teilnehmer, Kerzen aufzustellen für die 15 Toten, stellvertretend für all die anderen, die auf dem Weg nach Europa scheiterten, denn: „Ihr hattet kein Recht auf ein gutes Leben.“

„Wir wollen keine Toten mehr an den Außengrenzen“, fordern die Demonstranten gemeinsam, und: „Kein Fußbreit den Faschisten“, auch mit Blick auf die fatale Ministerpräsidentenwahl in Thüringen vergangene Woche.

Ein zweiköpfiges Team der „Fridays for Future“ wird anschließend deutlich. „Unser neoliberales System beutet andere Länder aus“, rufen die Beiden im Wechsel ins Mikrofon, und dasselbe System weise dann jene zurück, die vor den kaputten Verhältnissen in ihren Heimatländern zu uns flüchteten. „Wir können nicht abwarten – wir haben gesehen, was passiert, wenn wir abwarten“, sagen sie mit Blick sowohl auf die Klima- wie auch auf die Flüchtlingskrise. „Wir kämpfen für Gerechtigkeit – öffnet verdammt noch mal die Grenzen!“

Anfang April löste die Polizei Frankfurt die Kundgebung des Netzwerks „Seebrücke“ auf und nahm eine Journalistin fest. Wie das Amtsgericht Frankfurt nun festgestellt hat, war dieses Vorgehen rechtswidrig.

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