Am Wochenende wurden die Poller verschönert, viele weitere Aktionen sind geplant. Foto: Michael Schick
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Am Wochenende wurden die Poller verschönert, viele weitere Aktionen sind geplant. 

Altstadt

Mainkai-Sperrung: Sich den Asphalt aneignen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Anwohner freuen sich, dass durch die Sperrung des Mainkais Kinder endlich Platz zum Spielen im Ortsbezirk haben. Der Ortsbeirat 1 will Straße begrünen.

Plötzlich kämen ihn wieder Familien aus anderen Stadtteilen besuchen, selbst bei schönem Wetter - gerade bei schönem Wetter, berichtet Andreas Bürger. Gemeinsam mit seiner Familie ginge man dann vor die Tür, an den gesperrten Mainkai. Denn sonst gebe es in der Innenstadt wenig Platz für Kinder zum Spielen und frei bewegen.

Das Ufer könnte noch viel attraktiver werden. Bislang sei es eine Asphaltfläche, im Moment mit Pfützen, was höchstens die Kinder freue, sagt Bürger. Aber man könnte jede Menge machen. „Die Bedingungen sind ja fantastisch.“ Und schon jetzt werde die Straße rege genutzt, sobald die Sonne herauskomme, das beobachte er von seinem Fenster aus.

Natürlich sei auch bei ihm im Haus die Sperrung nicht unumstritten. Einige störe es, dass sie nicht mehr mit dem Auto direkt vor die Tür fahren können. Blöd sei, dass die Post nicht mehr jeden Tag komme. Aber viele Nachbarn seien sehr aktiv. „Das ist toll.“ Neulich haben sie sogar an der Tür geklingelt und gefragt, wie man sich das Mainufer vorstelle und zum mitgestalten eingeladen. Eine neue Offenheit, die ihm gut gefalle.

Ähnlich wie Bürger sahen das einige, die in die Sitzung des Ortsbeirat 1 am Dienstagabend gekommen sind und dafür plädierten, die Anträge der SPD zur Begrünung des Mainkais zu unterstützen. Gärten laden zum Verweilen ein und um mit Nachbarn ins Gespräch zu kommen, sagt Johannes Heynold. Der Stadtplaner ist Mitglied der Initiative „Lebensqualität am Mainufer“, die sich für eine Verschönerung des Mainufers einsetzen. Sie haben viele Pläne für die kommenden Wochen und Monate.

Kinder können auf der Straße nun Fahrrad-, Skateboard- oder Rollerfahren, sagt BI-Mitglied Anna Ranches. „Vorher musste man dafür an den Alten Flugplatz in Bonames fahren.“ Natürlich gebe es noch Hürden, aber man könne jetzt die Vorteile solcher Räume kennenlernen.

Zwei Anträge der SPD, die einen „urbanen Garten“ und eine „Wanderbaumallee“ vorschlugen, wurden angenommen. Die CDU lehnte beide ab. Urban Gardening sei zwar eine gute Idee, aber der Mainkai eigne sich aus Sicht der Partei nicht dafür, sagt Fraktionsvorsitzender Michael Weber. Er kritisiert, dass bei Veranstaltungen und beim Flohmarkt die Pflanzen und Beete wegtransportiert werden müssen - ein hoher Aufwand. Und wer kümmere sich darum? Die BI habe es mit der Managementgesellschaft für Hafen und Markt (HFM) abgestimmt, sagt Heynold. Man werde sie mit einem Handkarren verschieben, viele Anwohner hätten sich dafür schon bereit erklärt. Zehn Paten gebe es bereits, sagt Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). Außerdem sei unklar, ob der Flohmarkt tatsächlich am nördlichen Ufer bleibe.

Sollte der Mainkai wieder geöffnet werden, können die Beete und Bäume den Bürgern im Ortsbezirk an anderer Stelle zu Gute kommen, sagt der Ortsvorsteher. Er habe sich erkundigt. Die Kosten von insgesamt rund 10 700 Euro sollen aus dem Budget des Gremiums kommen. Warum zahle nicht das Grünflächenamt, etwa für die Wanderbaumallee, fragt Weber. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) habe oft genug betont, dass kein Geld da sei, so Strank.

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