Die BI „Lebensqualität am Mainufer“ setzt Beete auf Beton. Foto: Michael Schick
+
Die BI „Lebensqualität am Mainufer“ setzt Beete auf Beton. 

Frankfurt-Altstadt

Mainkai soll schöner werden

  • vonSabrina Butz
    schließen

Anlieger bemühen sich, endlich was mit dem für Autos gesperrten Ufer anzufangen. Als ersten Schritt bemalen sie die rauen Betonpoller auf Höhe des Maincafés.

Es gibt doch nur wenige Frühaufsteher“, sagt Anna Ranches – doch die, die vor Ort sind, sind umso motivierter. Sie treffen sich am Samstagmorgen, um die sechs grauen Betonpoller auf der Höhe des Maincafés am für Autos gesperrten nördlichen Mainkai zu verschönern, direkt neben dem Flohmarkt. Auf Dauer soll gegenüber dem historischen Museum ein großer urbaner Garten mit Sitzgelegenheiten entstehen, der bei Großveranstaltungen wie dem Marathon auch zur Seite geschoben werden kann – dazu fehle noch die Genehmigung.

Deswegen geht es mit der Verschönerung der Betonpoller los, auf die werden Blumenbeete und gelbe Stehtische gebaut, die Pflege übernimmt das Maincafé. Die kleinen Veränderungen sollen „ein Symbol sein, dass etwas passiert mit der gesperrten Straße – dass Lebensqualität entsteht“, sagt Stadtplaner Johannes Heynold. Und diese Qualität solle erlebbar gemacht werden. Die Poller-Aktion ist eine von zahlreichen, mit denen die Bürgerinitiative „Lebensqualität am Mainufer“ in den nächsten Wochen und Monaten dem optischen „Straßencharakter“ des Mainkais entgegenarbeiten will.

Dazu wird zuerst Holz zurecht gesägt, das noch von der Eisbahn übrig ist, so Heynold, der beim Werkeln von drei Anwohnern unterstützt wird. Auch Anna Ranches wohnt direkt um die Ecke und will, wie alle anderen frühen Stadtgestalter, „gemeinsam nach alternativen Möglichkeiten suchen, den Stadtraum zu beleben und zu nutzen“.

Die Frage sei, „wie gehen wir mit Veränderungen um“, sagt die 37-Jährige, die sich mehr Offenheit wünscht, von Menschen und von Ämtern. Denn Veränderungen müssten nicht immer mit Sorge betrachtet werden: „Ich wünsche mir, dass mit der Sperrung des Mainkais als Pilotprojekt wirklich ausprobiert wird, was funktioniert und was das mit einem Raum macht“.

Eine Idee ist auch, die Stehtische mit Schachbrettmustern zu bekleben, und verschieden hoch zu gestalten, „für kleinere und größere Menschen“, sagt Heynold. Denn nachdem so viel geplant wurde, solle nun etwas Sichtbares entstehen. Julia Witteck, die zufällig von den Verschönerungsaktionen gelesen hat und neu in Frankfurt ist, fand es gut, „einfach irgendwo mitzubauen“. Die Poller erfüllten schließlich auch noch ihren Zweck, wenn sie schön aussehen, so die 25-Jährige.

Eine Stadt lebe davon, dass Raum zur Verfügung gestellt werde – für alle und deren verschiedene Bedürfnisse, so Ranches. Da Frankfurt eine so junge, wachsende, familienreiche Stadt sei und viele städtebauliche Veränderungen anstünden, sei dies besonders wichtig. Sie erzählt, wie seit der Sperrung des Mainkais viele Kinder dort Fahrrad und Rollschuh fahren lernten oder wie ein älterer Herr aus dem Seniorenheim drei Stunden Beatles-Stücke auf der Gitarre spielte. Und da der Sommer erst anstehe, sei die Zeit für ein Resümee überhaupt noch nicht gekommen. Erstmal müsse ausprobiert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare