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Liebeserklärung an die Braubachstraße

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Von: Alexandra Flieth

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Dagmar Priepke auf der Braubachstraße, der sie jetzt literarisch genähert hat.
Dagmar Priepke auf der Braubachstraße, der sie jetzt literarisch genähert hat. © Michael Faust

Dagmar Priepke erzählt in ihrem Buch die Geschichte der Braubachstraße, wo Kunst und Kultur zu Hause sind.

Wenn Dagmar Priepke durch die Braubachstraße läuft, dann ist das für sie auch ein Gefühl, daheim zu sein. Sie kennt viele und weiß über die Menschen in den Geschäften, über die Architekturen und vor allem über die Entwicklung dieser zentralen Route, die sich durch die Altstadt zieht, so einiges zu berichten. Mit der Braubachstraße verbindet Priepke viele schöne und auch spannende Momente. Doch die langjährige Geschäftsführerin der Heussenstamm-Stiftung und Stadtführerin denkt dabei nicht nur an Dinge aus der Vergangenheit, sondern schaut gerade auch mit einem gegenwärtigen Blick auf die Entwicklungen in der Straße, für deren Entstehung Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Fachwerkhäuser der früheren Altstadt weichen mussten.

Mit der Braubachstraße wurde einst die Verbindung von Ost nach West ermöglicht – zum „Tor der Welt“, was zur damaligen Zeit der Hauptbahnhof gewesen sei, sagt Priepke. Ihr Wissen um die Braubachstraße und ausführliche Recherchen hierzu, die sie unter anderem im Institut für Stadtgeschichte machte, hat Dagmar Priepke nun aufgeschrieben. Das entstandene Buch mit dem Titel „Braubachstraße – Eine urbane Meile in Frankfurt“ erscheint in Kürze im Frankfurter Axel Dielmann Verlag mit einem Vorwort von Peter Cochola Schmal, dem leitenden Direktor des Deutschen Architekturmuseums. Es gebe zwar auch historische Reminiszenzen, doch mit dem Buch habe sie ein lebendiges Porträt der Straße schreiben wollen, formuliert Priepke die Idee dahinter.

Als Beispiel für Frankfurter Geschichte nennt sie etwa die Nutzung des Hauses Braubachstraße 18 bis 22, wo sich heute im Erdgeschoss das Restaurant „Margarete“ befindet. „Dort war nach dem Zweiten Weltkrieg einmal das Gesundheitsamt untergebracht, und im Keller tagte damals die Stadtverordnetenversammlung, weil es noch eine funktionierende Heizung gab“, erzählt Priepke, die Mitte der 1970er-Jahre nicht weit von der Braubachstraße entfernt gelebt hat. „Ich wohnte zu dieser Zeit an der Berliner Straße in dem Gebäude, das von dem Architekten Otto Apel entworfen wurde“, erzählt sie. Das Technische Rathaus sei gerade neu erbaut worden und habe mit seiner Architektur einst ein internationales Flair vermittelt.

Das Buch

Das Buch „Braubachstraße – Eine urbane Meile in Frankfurt“ von Dagmar Priepke hat 180 Seiten und kostet 20 Euro.

Von 2007 bis 2019 leitete Dagmar Priepke die Heussenstamm-Stiftung, deren Räume sich samt Galerie in der Braubachstraße 34 befinden. „In dieser Zeit habe ich sehr viel von der Entwicklung der Straße mitbekommen“, sagt sie weiter. Gerade auch durch den Abriss des Technischen Rathauses und dem Bau der neuen Altstadt. Aus diesem Interesse an der Straße heraus habe sie auch ihre Führungen erarbeitet und erkannt, dass die Braubachstraße ein gutes Beispiel dafür sei, wie gelungene Stadtentwicklung aussehen könne.

„Diese Straße verbindet vieles – hier wird gewohnt, gearbeitet und gelebt“, sagt sie und konkretisiert: „Es gibt kleine, inhabergeführte Geschäfte und Gastronomie, eine große Vielfalt an Kunst. Außerdem haben sich hier verschiedene Stiftungen niedergelassen wie die Walter-Kolb-Stiftung, die Crespo Foundation oder die Heussenstamm-Stiftung“, zählt sie beispielhaft auf. „Und das alles auf rund 302 Metern – von der Spitze des Museums für Moderne Kunst bis zum Eingang auf den Römerberg.“ Benannt sei die Straße nach dem gleichnamigen Braubach, einem verlandeten Nebenarm des Mains, der seit langem in Rohren eingefasst sei.

„Auf dieser kleinen Strecke hat die Straße im Grunde genommen alles, was man an Kunst zeigen kann – vom Graffiti bis zum Museum“, so Priepke weiter. Insgesamt 25 Orte gibt es, die mit Kunst und Kultur zu tun haben. „Das ist ein kleines Museumsufer.“ Die Straße sei atmosphärisch spannend, habe sich zu einer Trendmeile entwickelt und sei sehr international. Eben ein Ort, der vielen Menschen gefalle, einer, an dem man sich gerne aufhalten möchte. Gerade auch das gute nachbarschaftliche Verhältnis mache die Braubachstraße zu etwas Besonderem, betont sie weiter.

Und noch eine Besonderheit gebe es: „Der Großteil der Handelnden in der Straße sind Frauen“, so Priepke. Der Ort spiegele aber auch etwas wider, das heute typisch für Frankfurt ist: die Gentrifizierung, denn die Braubachstraße sei eben genau aus einer solchen heraus einst entstanden.

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