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Die „Bad Banks“-Stars Désirée Nosbusch, Paula Beer und Barry Atsma (von links) in der Wandelhalle der Paulskirche.

Bad Banks

„Bad Banks“ in der Paulskirche: Frankfurter Kino

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Die zweite Staffel der Erfolgsserie „Bad Banks“ feiert ihre Premiere in der Paulskirche. Als Kinosaal taugt das historische Gebäude nur bedingt, aber der Abend gelingt trotzdem.

Dass die Frankfurter Paulskirche Diskurs kann, demokratischen Streit und Debatte, das ist hinlänglich bekannt. Aber kann die Paulskirche auch Kino? Das war die Frage an diesem Sonntagabend, bei der Premiere der zweiten Staffel der Erfolgsserie „Bad Banks“ im wahrscheinlich symbolträchtigsten Gebäude der Stadt. Vorab hatte es eine scharfe Debatte darum gegeben, ob es eine gute Idee von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) war, die Fortsetzung der Serie von ZDF und Arte um Intrigen und kriminelle Machenschaften in der Bankenbranche mit einer offiziellen Veranstaltung der Stadt in die Paulskirche zu holen.

Kleiner Bildschirm, große Wirkung: Der Saal ist bei der Premiere bis auf den letzten Platz gefüllt.

Das Frankfurter Publikum, das wird schon beim Einlass klar, hat kein allzu großes Problem mit der Ortswahl. Es sei schon „ein bisschen übertrieben“, Bad Banks hier zu zeigen, findet Deniz, der ein großer Fan der ersten Staffel war und mit seiner Freundin gekommen ist. „Aber wenn die Stadt einen repräsentativen Ort sucht, ist das natürlich die Top-Adresse.“ Der 22-jährigen Frankfurter, der selbst Banker ist, hat eher zufällig von dem Abend erfahren. „Und dann habe ich mich sofort auf den Weg gemacht und die vorletzte Karte ergattert.“ Die 28-jährige Miriam, die vor dem Gebäude gerade auf ihren Partner wartet, hat von der Diskussion nicht einmal etwas mitbekommen. „Ich hab da kein Problem mit“, sagt die 28-Jährige. „Ich fand die erste Staffel ziemlich gut und die zweite wird hoffentlich genau so gut sein.“

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Die erste Staffelvon „Bad Banks“ ist online in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Die neuen Folgensind dort seit Freitag ebenfalls zu finden und werden im TV von Samstag, 8. Februar, an um 21.45 Uhr ausgestrahlt.

Die erste Staffelist zudem im Programm des Streamingdienstes Netflix zu sehen.

Wer die Drehortevor Ort erleben will, kann bei „Frankfurt Guided Tours“ die Führung zur Serie buchen. Termine gibt es am 28. Februar und 6. März jeweils um 17 Uhr für 29 € pro Person. Gebucht wird unter Telefon 0151 / 414 691 77 oder auf: www.frankfurt-guided-tours.de/ bad-banks.

Drinnen, in der Paulskirche, hat derweil schon das Blitzlichtgewitter begonnen. Die Macher und Stars von Bad Banks sind gekommen, um bei der Vorführung dabei zu sein. Fotografen und mehrere Kamerateams kämpfen um die besten Plätze, als die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller Paula Beer, Désirée Nosbusch, Mai Duong Kieu und Barry Atsma vor Johannes Grützkes berühmtem Wandgemälde „Der Zug der Volksvertreter“ in der Wandelhalle posieren. Was er von dem Streit um den Abend halte, wird Barry Atsma von einer Journalistin gefragt. „Wir machen Entertainment auf hohem Niveau“, antwortet der Niederländer. „Und dafür brauchen wir eine gute Location.“ Er finde schon, dass Bad Banks des Ortes würdig sei.

Als dann der Abend im großen Innenraum beginnt, ist dort zunächst alles erbaulich. Der Saal ist rappelvoll, viele Leute sind festlich gekleidet, das Publikum hört konzentriert zu. Die Begrüßung übernimmt Angela Dorn (Grüne), hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, die gleich sagt, dass sie keine lange Politikerrede halten wolle. Dorn begrüßt die „lieben Mitfans“ im Saal und sagt, sie freue sich genau wie alle auf den Fortgang der Serie, die zu „den modernen, coolen Serien gehört, die Deutschland zeigen kann“. Zur Debatte um die Ortswahl sagt Dorn: „Ich bin verdammt stolz auf Frankfurt und Hessen, dass diese Debatte so lautstark geführt wird.“

Dass die Paulskirche nicht gerade für Kinoabende gebaut wurde, zeigt sich dann beim Screening. Das Publikum verfolgt den Fortgang der Geschichte um die junge und ehrgeizige Investmentbankerin Jana Liekam mit spürbarer Begeisterung. Aber als Kinosaal muss das Gebäude vielleicht doch noch mal in die Lehre gehen: Der Bildschirm ist etwas zu klein geraten, der Sound hallt – und erst als Bad Banks schon ein paar Minuten läuft, kommt jemand auf die glorreiche Idee, die helle Deckenbeleuchtung abzuschalten. Der Stimmung im Saal tut das keinen Abbruch. Der Applaus am Ende ist lang, auch beim Publikumsgespräch gibt es immer wieder Beifall.

So wird sogar gejubelt, als Désirée Nosbusch sich direkt für eine weitere Fortsetzung ausspricht. „Man ist selbst neugierig, wie es mit den Figuren weitergeht“, sagt die Schauspielerin. „Wir brauchen eine dritte Staffel, ich möchte wissen, wo wir alle enden.“ Paula Beer sagt, sie habe inzwischen viele Rückmeldungen von Bankern bekommen, die die Serie für realistisch hielten. „Das ist ein ganz tolles Gefühl.“ Und auch Marc Limpach, der in Bad Banks ebenfalls einen Banker spielt, sagt, die Figuren der Serie hingen nicht im luftleeren Raum. „Es gibt ähnliche Figuren in der Wirklichkeit, die sehr viel erreichen im Guten wie im Schlechten.“ Bad Banks werfe viele gesellschaftliche und ethische Fragen auf, sagt Limpach. „Ich denke, das darf ich mal so sagen in dieser Paulskirche.“

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