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Der Hühnermarkt im Herzen der Frankfurter Altstadt: Die Dom Römer GmbH kritisiert ein Übermaß an Gastronomie.

Altstadt Frankfurt

Streit um Außengastronomie in der Frankfurter Altstadt

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Knatsch in der neuen Altstadt Frankfurt: Lokale bieten ihren Gästen vermehrt Sitzplätze im Freien - der Dom Römer GmbH geht das Ausmaß zu weit. 

Die Frühlingssonne taucht den Hühnermarkt, das Zentrum von Frankfurts neuer Altstadt, in ein warmes Licht. Allenthalben haben die Gastronomen die Tische und Stühle nach draußen gestellt. Doch kaum lassen die Temperaturen das Verweilen im Freien zu, entbrennt Streit. Für Michael Guntersdorf, den Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer-GmbH, ist es schlicht „ein Übermaß“ von Außengastronomie, das sich da ausgebreitet hat.

„So, wie es ist, wird es definitiv nicht bleiben – das muss zurückgefahren werden“, grollt der für die Altstadt zuständige städtische Manager. Tatsächlich hat das „Wirtshaus am Hühnermarkt“ insgesamt 22 Tische mit jeweils vier Sitzplätzen auf die recht kleine Fläche gestellt. Bescheidener gibt sich die Vinothek von Balthasar Ress an der Stirnseite des Hühnermarktes, die mit weniger als zehn Tischen auskommt.

Gastronom Hans-Peter Zarges, der Inhaber des „Wirtshauses am Hühnermarkt“, ist bei diesem Thema recht zugeknöpft und unfreundlich. „Ich sage dazu gar nichts“, brummt der Unternehmer, der im Inneren des Restaurants auf Gäste wartet. Zarges legt Wert darauf, „dass wir zu diesem Thema kein Interview geführt haben“.

Rechtsfreie Zone in der Frankfurter Altstadt

Wesentlich offener ist da schon Nina Baumgärtner, die Managerin der Vinothek. „Seit Juli 2018 habe ich immer wieder versucht, mit der Stadt eine Vereinbarung zu treffen, doch ich wurde von einer Stelle zur anderen verwiesen – es fühlt sich niemand zuständig“, klagt die Gastronomin. Jetzt aber müsse sie reagieren, schließlich beginne nun die gastronomische Außensaison.

Nach den Worten von Michael Guntersdorf nutzen die Gastronomen schlicht „eine rechtsfreie Zone“. Noch sei die Fläche der Altstadt nicht als öffentlicher Raum gewidmet, dazu bedürfe es eines Beschlusses des Stadtparlaments, der noch ausstehe, sagt der Chef der Dom-Römer-GmbH. Sobald das neue Viertel wie alle anderen Plätze und Fußgängerzonen der Kommune als öffentlicher Raum ausgewiesen werde, sei das städtische Amt für Straßenbau und Erschließung zuständig.

Amt noch nicht zuständig für Altstadt-Gastronomie

Die Behörde erteile den Gastronomen dann die nötige Sondernutzungserlaubnis für die Außenbewirtschaftung – entsprechend den umfangreichen städtischen Vorschriften für die Sommergärten. Noch aber sei das Amt schlicht nicht zuständig für die Altstadt. Auch Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), sieht die Altstadt derzeit rechtlich „in einer Übergangsphase“. Eine Gestaltungsrichtlinie für das neue Viertel sei seit vorigem Jahr in Arbeit. Sie werde auch das Ausmaß der Außengastronomie genau regeln.

Lesen Sie dazu den Kommentar: In der Altstadt Frankfurt ist ein Kompromiss nötig

Diese Richtlinie befindet sich laut Gellert „in der Endabstimmung“ und werde von der Stadt noch in diesem Jahr vorgelegt. Erst einmal werden sich die Fachleute der Kommune jetzt jedoch mit einer improvisierten Lösung helfen. Am kommenden Freitag, so ist es auch von den betroffenen Gastronomen zu hören, sei vor Ort deshalb ein Termin mit städtischen Planern und der Dom-Römer-GmbH vorgesehen.

Deren Geschäftsführer Michael Guntersdorf verteidigt noch immer seine Einschätzung, die neue Altstadt sei vor allem für die Frankfurterinnen und Frankfurter und nicht in erster Linie für Touristen gedacht. Deshalb könne es nicht sein, dass der größte Teil des zentralen Platzes, eben des Hühnermarktes, vor allem der Gastronomie diene.

So ist die Außengastronomie in Frankfurt geregelt

Nach langem Streit hatten sich die Stadt Frankfurt, der Hotel- und Gaststättenverband und die Industrie- und Handelskammer vor sechs Jahren auf umfangreiche Regelungen zur Außengastronomie in Frankfurt verständigt.

Dieses Regelwerk trägt den Titel „Leitfaden zur Beantragung und zum Betreiben von Wirtschafts- und Sommergärten in Frankfurt am Main“.

Darin festgelegt werden unter anderem auch die Größe und Farbe von Sonnenschirmen. 

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