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Gastronomiemeile obere Berger Straße.
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Gastronomiemeile obere Berger Straße.

Frankfurt-Bornheim

Alteingesessen und innovativ

  • Denis Hubert
    vonDenis Hubert
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Die Berger Straße bietet oberhalb des Uhrtürmchens Ausgehtipps für verschiedene Geschmäcker. Neben Apfelweinschänken finden sich dort auch Trendlokale.

Wer die steinernen Stufen in einem Hinterhof der Berger Straße hinabsteigt, befindet sich inmitten eines gewölbten Kellers. Die Luft riecht leicht modrig, Menschen drängen sich um Fässer. Links und rechts sitzen Gäste an Garnituren und nippen an Weinen. Der Blick wandert durch die Menge, zur Theke. Dort steht eine große Auswahl an erlesenen Tropfen und lässt den Mund wässrig werden.

Seit 1948 betreibt die Familie Dünker an der Berger Straße 265 ihre Weinkellerei, in einer ehemaligen Lagerhalle einer Apfelwein-Kelterei. „Wir wollen die Tradition bewahren und uns bewusst von Hippie-Bars abgrenzen“, sagt Inhaber Christoph Dünker, der den Laden vor 28 Jahren von seinem Vater übernommen hat. 80 Weine hat er im Ausschank. Hinzu kommen 220 Weine, die man flaschenweise beziehen kann. Das Angebot reicht von Grauburgunder aus der Pfalz über Gewürztraminer aus Südtirol bis hin zu Monte Piazzo aus Venetien. „Die Rotweine aus Languedoc sind richtige Kracher“, sagt der 47-Jährige. Er verspricht: „2015 wird ein spannender Jahrgang.“

Teilweise bis in die Nacht hinein verköstigen sich Kenner und Neueinsteiger. Auch an Gerichten für den kleinen Hunger: Schmalzbrot und Käse, Bauernschinken und Landjäger. Es ist ein Ort der Geselligkeit – ganz ohne Breitband. Denn Handyempfang gibt es im Weinkeller nicht unbedingt.

Ortswechsel. Nur wenige Meter weiter unten auf der Berger geht es nicht weniger alteingesessen zu. Seit 1893 schenken die Solzers dort Apfelwein aus. Bereits im 16. Jahrhundert als Bäckerei und Baumwirtschaft erwähnt trug das Gasthaus, das früher nebenher ein Bordellbetrieb gewesen sein soll, viele Namen. „Zum weißen Roß“ etwa, „Zum grünen Baum“ ebenso.

Seit 1969 firmiert die Gaststäte unter dem Namen „Solzer“. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea Solzer führt heute Christian Dressler den Laden – und nicht nur diesen. Außer der Lohrbergschänke in Seckbach bespielt er auch die Gaststätte „Bornheimer Dorfstadl“, Berger Straße 249. Wo früher der „Goldene Adler“ beheimatet war, betreibt Dressler nun eine mit Allgäuer Holz verkleidete Sportsbar. Hier gibt es „Skihütten-Charakter“, aber keine „Halligalli-Mallorca-Partys“. Das Ding ist bei jedem Bundesliga-Spiel voll“, sagt Dressler.

Zurück im Solzer. Auch dort treffen sich Fußballfreunde zum „Public Viewing“. Dazu ein Schnitzel aus der Parade. Vor allem das Krüstchenschnitzel hat es in sich – auf geröstetem Schwarzbrot, mit Spiegelei und Bacon. Dazu gibt es Frankfurter Grüne Soße und Meerrettich. Wenn das Lokal mal wieder bis auf den letzten Platz gefüllt ist, flitzen die Kellner durch die Reihen und schleppen randvolle Bembel im Minutentakt.

Bei schönem Wetter wird der Garten für viele Bornheimer zum Wohnzimmer, in dem sich leicht vergessen lässt, dass man sich mitten in der Stadt aufhält. Die Rentner Dieter, Lothar und Schorsch treffen sich seit drei Jahren jeden Mittwoch zum Schafkopf. „Hier kann man gemütlich sitzen“, sagt Dieter. „Das Essen ist gut, die Bedienung sehr freundlich – das steht an erster Stelle.“ Während die Männerrunde Karten spielt, trinkt jeder von ihnen einen Vierer-Bembel.

Die Dünkers und Solzers gehören zu Bornheim wie die Lisbeth auf den Kerbebaum. Doch die Berger Straße, auf der sich oberhalb des Uhrtürmchens 18 Lokale angesiedelt haben, biete nicht nur „viel Tradition“, sondern auch „Trendlokale“, betont der Sprecher der Interessengemeinschaft Gastronomie Obere Berger Straße, Michael van Goethem.

Etwa das „Sugar“. In einem ehemaligen Waschsalon, Hausnummer 235, ist es gelungen, auf wenigen Quadratmetern ein zeitgemäßes Nachtlokal zu entwerfen. Auch wenn Inhaber Henry Walon, der früher im „King Kamehameha“ hinter dem Tresen stand, lieber von einer Cocktail-Bar denn von einem Trendlokal spricht. „Wir sind erwachsen geworden“, sagt er anlässlich des elfjährigen Bestehens.

Zu später Stunde sind die Barhocker, die sich vor der Holztheke aneinanderreihen, komplett belegt. Das Licht ist gedämmt, ein Diskjockey legt Musik auf, Frauen und Männer sitzen im Schaufenster und an Wänden auf mit Filz überzogenen Bänken. Sie erfreuen sich an Mix- und Schüttelgetränken, die der Barkeeper mit Raffinesse zubereitet. Besonders hervor hebt Inhaber Walon den „Indochina“, bestehend aus Vodka Absolut, Zitronen- und Mangosaft sowie Ingwer.

Wem der Magen knurrt, der kann sich pizzaähnliche „Soccas“ aus dem angrenzenen „Mancini“ bestellen. Was in Bornheim viele Jahre lang ein gewöhnlicher Kiosk war, haben Walon und sein Partner Marc Merly in einen mediterranen Shop verwandelt. „Das schmeckt fantastisch“, sagt eine junge Frau und beißt in den Teig aus Dinkelmehl, belegt mit Basilikumpesto und Pulpo, Blutwurst und Mozzarella.

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