Markus Fein tritt seinen Dienst offiziell erst am 1. September an – doch der neue Intendant der Alten Oper in Frankfurt feilt seit Monaten am Programm.
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Markus Fein tritt seinen Dienst offiziell erst am 1. September an – doch der neue Intendant der Alten Oper in Frankfurt feilt seit Monaten am Programm.

Personalie

Zurück auf Anfang: Neuer Intendant startet in der Alten Oper Frankfurt

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Markus Fein, der neue Intendant der Alten Oper, übernimmt eines der Flaggschiffe der Frankfurter Kultur – wegen der Corona-Pandemie ist es ein Neustart in schwierigen Zeiten.

Frankfurt – Der Chefposten der Alten Oper ist keine Stelle, auf die man sich bewirbt – man wird gefragt, und dann fährt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) auch mal nach Lüneburg, um einen passenden Kandidaten kennenzulernen. Der Name Markus Fein, Jahrgang 1971, sei immer wieder gefallen, als es um die Nachfolge von Intendant Stephan Pauly ging, sagte Hartwig bei der Vorstellung Feins am Montag. Der Neue tritt sein Amt zwar offiziell erst am 1. September an, feilt aber schon seit Monaten hinter den Kulissen an Konzepten und einem neuen Programm.

Alte Oper in Frankfurt: Intendant Markus Fein kehrt zurück zu den Anfängen

Der Intendantenposten ist für Fein sozusagen eine Rückkehr zu den Anfängen. Der Vater arbeitete bei der Bundesbank, er ist gebürtiger Frankfurter, und die Schwiegereltern leben in der Nähe von Aschaffenburg. „Dass die Großeltern jetzt so nahe sind, darüber freuen sich meine beiden Söhne schon sehr“, erzählt er. Aufgewachsen ist Fein aber in München, und im Laufe seiner Karriere ist der promovierte Musikwissenschaftler ziemlich weit herumgekommen. Hamburg, Wien, Hannover, Berlin, Basel, zuletzt Schwerin, das sind nur einige Stationen auf seinem Lebensweg.

Bis vor kurzem leitete Fein die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, die rund 200 Konzerte im Jahr bieten. Viele Klassik-Stars, die auch in Frankfurt auftreten, konnte er nach Schwerin einladen. „Meine Frau und ich sind beide in Großstädten aufgewachsen, aber der Abschied von Schwerin fällt uns nicht leicht. Die Stadt hat eine hohe Lebensqualität.“

Eckdaten

Die Alte Oper am Frankfurter Opernplatz nimmt ihren Konzertbetrieb wieder auf. Vorerst steht das Programm für September und Oktober fest, vorausgesetzt, dass die Corona-Pandemie keine neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens erzwingt.

Der neue Intendant Markus Fein setzt bei seinem Programm verstärkt auf Musik aus der Region und auf junge Musikerinnen und Musiker, denen die Alte Oper öfter ein Podium bieten will. So präsentiert das „Festival junger Künstler“, mit dem das Haus am Sonntag, 6. September, in die neue Saison startet, mit dem Bariton Benjamin Appl, der Geigerin Noa Wildschut und dem Ensemble Reflektor vielversprechende junge Talente.

Das ausführliche Programm mit berühmten Klassik-Interpreten, Jazz und Weltmusik liegt aus und kann auch unter www.alte-oper.de angesehen werden. Das Pegasus-Festival für Kinder ist bereits ausverkauft. Karten gibt es unter Telefon 069 / 13 40 400. aph

Inzwischen ist die Familie umgezogen, Fein hat damit begonnen, die neue alte Heimat zu erkunden und schwärmt von der attraktiven Stadt und der weltoffenen Atmosphäre, der schönen Umgebung und dem großen kulturellen Angebot. Freunde haben der Familie zum Umzug gleich eine Museumsuferkarte geschenkt. „Ich freu mich schon sehr, das oft zu nutzen“, sagt er – zumindest wird er es nicht weit haben, die Familie wohnt nun in Sachsenhausen.

Neustart im doppelten Sinne für Fein in der Alte Oper Frankfurt

Frankfurt, das ist ein Neustart im doppelten Sinne. Denn zum einen ist es für Fein natürlich die Heimkehr in eine Stadt, die er lange nur als Gast kannte, zum anderen muss sich die renommierte Alte Oper unter Corona-Bedingungen neu erfinden. Ja, es sei ein „denkbar schlechter Start für eine Intendanz“, räumt er ein. „Ich hatte keine Zeit, mich hier in Ruhe einzurichten, sondern saß gleich auf dem Stuhl des Krisenmanagers. Am Anfang schaut man auf das, was wegbricht, aber uns war bald klar, dass wir das Haus im September wiedereröffnen wollen.“

Das neue Programm solle „eine große Willkommensgeste“ nach der langen Schließung sein, sagt Fein. Rund 70 Veranstaltungen kann er dem Publikum bieten, das sei viel mehr als noch vor einigen Wochen erhofft. „Ich wünsche mir, dass die Besucher das Gefühl bekommen, dass wir uns von dem Virus nicht in die Ecke drängen lassen“, sagt er. Die Alte Oper sei ein Haus, das den Bürgerstolz in sich trage.

Alte Oper in Frankfurt: Intendant Fein will Menschen für Musik begeistern

Eigentlich hätte Fein viele Ideen, wenn denn das Krisenmanagement der vergangenen und mutmaßlich auch der kommenden Monate dafür Zeit lässt. Menschen für Musik begeistern – wie man das macht, das hat er selbst als junger Student beim Aldeburgh-Festival erlebt, einst vom berühmten Komponisten Benjamin Britten in der englischen Kleinstadt gegründet und seither äußerst populär.

„Für mich war das Festival eine Initialzündung. Das war so beeindruckend, wie da nicht nur Musik gemacht, sondern auch darüber gesprochen wurde“, berichtet er. „Das war unglaublich kommunikativ.“ Musikvermittlung, das liegt ihm seither sehr am Herzen. Überhaupt, die Musik! „Ich habe erst mal als Jugendlicher mit der Gitarre im Keller angefangen, in einer Band gespielt und dann erst die Klassik für mich entdeckt. Als Jugendlicher habe ich lange auf ein Klavier gespart und später auch überlegt, ob ich nicht Pianist werden soll.“

Die Beschäftigung mit Musik ist für Fein dann ganz anders zum Beruf geworden, und für die eigenen Instrumente fehlt aktuell die Zeit. Nur der ältere der Söhne bekommt ab und zu ein exklusives Gitarrenkonzert vorgespielt. „Er wünscht sich das gerade oft als Gutenachtmusik, wenn er schon im Bett liegt“, erzählt Fein.

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