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Als die Skyline noch Lücken hatte

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Hansa Czypionka und Özay Fecht, dahinter der Messeturm.
Hansa Czypionka und Özay Fecht, dahinter der Messeturm. Cobra Film © Cobra Film

Das Festival „Frankfurt schaut einen Film“ feiert die Kinokultur der Stadt. Neun Lichtspielhäuser zeigen den 1992 hauptsächlich in Frankfurt gedrehten Film „Happy Birthday, Türke!“

Im Eingang liegt ein Zigarettenstummel. Der Hausmeister kreist ihn grimmig mit Kreide ein und zieht dann quer durch den Flur eine Linie von der Kippe bis hin zu einer Wohnungstür. Dahinter lebt, liebt und raucht der Privatdetektiv Kemal Kayankaya. Und der hat Geburtstag.

So beginnt der Film „Happy Birthday, Türke!“. Die Kriminalkomödie aus dem Jahr 1992 spielt größtenteils in Frankfurt – und ein bisschen auch in Kronberg – und eignet sich damit perfekt für den Auftakt des neuen Kinofestes „Frankfurt schaut einen Film“. Neun Filmtheater zeigen am kommenden Sonntag den vor 30 Jahren in der Stadt gedrehten Krimi von Doris Dörrie. Begleitet werden die Vorführungen jeweils von verschiedenen Gesprächen, Lesungen und Führungen, an denen auch Mitglieder des damaligen Filmteams teilnehmen werden, darunter Produzent Gerd Huber, die Darstellerinnen und Darsteller Hansa Czypionka, Siir Eloglu, Özay Fecht, Lambert Hamel, Doris Kunstmann und Leon Ömer Simsek sowie viele weitere Gäste.

Und darum geht es im Film: Kemal Kayankaya, dargestellt von Hansa Czypionka, ist gebürtiger Frankfurter, spricht kein Wort Türkisch und überhaupt ist das einzig Türkische an ihm sein Name. Er raucht Zigaretten der Marke Camel, vergnügt sich mit allerhand Frauen und schlägt sich mehr schlecht als recht als Privatdetektiv durch. Bis er an seinem Geburtstag den Fall seines Lebens übernimmt. Dieser schwebt in Gestalt von Ilter Hamul, distinguiert gespielt von Özay Fecht, in sein Büro. Sie beauftragt ihn, den Mörder ihres Mannes Ahmed zu finden. Die Suche führt in einen Sumpf von Dealern, Zuhältern und korrupten Polizisten, und so beleuchtet „Happy Birthday, Türke!“ auch die unschönen Seiten des Molochs: Müll, Dreck, Gewalt, Gier, Klischees, Rassismus. Wobei Frankfurts noch relativ lückenhafte Skyline gern als schmucke Kulisse ins Bild gerückt wird.

Zum Filmfest ein Geburtstag

„Frankfurt schaut einen Film“ feiert Premiere am Sonntag, 30. Oktober. Neun Kinos der Stadt zeigen an diesem Tag den 1992 hauptsächlich in Frankfurt gedrehten Krimi „Happy Birthday, Türke!“ von Doris Dörrie. Dazu gibt in jedem Kino ein Rahmenprogramm mit Gästen, Gesprächen, Diskussionen und Führungen, alles in allem sind es 14 Veranstaltungen.

Mit dabei sind die Arthouse-Kinos Cinema, Roßmarkt 7, und Harmonie, Dreieichstraße 54, das Cinestar Metropolis, Eschenheimer Anlage 40, die E-Kinos, Zeil 125, das Filmforum Höchst, Emmerich-Josef-Straße 46a, das Kino im DFF, Schaumainkai 41, das Mal Seh’n Kino, Adlerflychtstraße 6, das Orfeos Erben, Hamburger Allee 45, und die Pupille – Kino an der Uni, Mertonstraße 26-28. Im Dialogmuseum in der B-Ebene an der Hauptwache läuft eine Hörfilmvorführung.

Eine Präsentation von Originalmaterialien aus „Happy Birthday, Türke!“ zeigt das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum von Donnerstag, 27., bis Sonntag, 30. Oktober. myk

www.frankfurt-schaut-einen-film.de

„Frankfurt hat eine lebendige und traditionsreiche Kinolandschaft“, sagt Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig (SPD). Sie freue sich, dass das Film- und Kinobüro Hessen in Kooperation mit dem Kulturamt und den Kinos der Stadt nun auch ein flankierendes Kinofest ausrichte. „Die vielen kreativen Ideen und die gute Zusammenarbeit der Frankfurter Filmszene stimmen mich optimistisch für die Frankfurter Kinokultur.“ Wie andere Kultursparten seien auch die Kinos von der Pandemie und der Entwicklung der vergangenen Jahre hart getroffen worden. „Ihre gesellschaftliche Bedeutung bleibt jedoch unbestritten“, sagt Hartwig. „Sie ermöglichen Begegnungen, das gemeinsame Erleben und den gegenseitigen Austausch.“ Als Orte der „gesellschaftlichen Reflexion“ blieben Kinos für das kulturelle Leben der Stadt „unverzichtbar“.

Ähnlich äußert sich Erwin Heberling, Geschäftsführer des Film- und Kinobüros. „Frankfurt schaut einen Film“ bringe „auf ganz besondere Weise das große Potenzial der Kinos für das kulturelle und soziale Leben in der Mainmetropole zum Ausdruck. Das Filmfest ermögliche, „in Begleitung der preisgekrönten Regisseurin Doris Dörrie auf eine Reise durch Frankfurt und seine Kinos“ zu gehen, sagt Anna Schoeppe, Geschäftsführerin der „Hessen Film und Medien“. Es werde ein Tag, „an dem das Erlebnis Film voll und ganz zum Tragen kommt“. Und an dem das Publikum staunen darf, was sich in drei Jahrzehnten so alles verändert hat in der Stadt – und was noch ist wie eh und je.

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